Gesundheit im Städte-Vergleich: Wo Schulkinder zu viel wiegen – und warum der Wohnort entscheidet

Stand: 23.07.2026, 06:00 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Frankfurt liegt beim Kindergewicht im Mittelfeld deutscher Großstädte. Eine neue Analyse zeigt, wie stark der Wohnort schon vor der Einschulung wirkt.

Frankfurt liegt beim Kindergewicht im Mittelfeld deutscher Großstädte. Eine neue Analyse zeigt, wie stark der Wohnort schon vor der Einschulung wirkt. © Florian Gaertner/photothek.net/Imago

Eine Datenanalyse aus 21 Großstädten zeigt große Unterschiede beim Übergewicht von Kindern. Frankfurt landet dabei im Mittelfeld des Rankings.

Frankfurt – Wie dick sind Deutschlands Kinder – und wie groß sind die Unterschiede zwischen den Städten? Eine neue Datenanalyse, die amtliche Schuleingangsuntersuchungen und regionale Gesundheitsdaten aus 21 deutschen Großstädten auswertet, liefert Antworten.

Und ein Blick nach Frankfurt lohnt sich dabei besonders: Die Main-Metropole taucht im Ranking nicht als Extremfall auf, sondern mittendrin – ein Wert, der gerade deshalb aufschlussreich ist, weil er zeigt, wie stark der Wohnort das Körpergewicht von Kindern schon vor der Einschulung prägt.

Übergewicht bei Kindern im Städtevergleich

Laut der Auswertung des Trinkwasser-Anbieters Langwater waren in Frankfurt bei der Schuleingangsuntersuchung 2023 rund 11,2 Prozent der Kinder übergewichtig oder adipös. Damit liegt die Stadt auf Rang 9 von 16 Städten, für die ein Übergewichtswert vorliegt – und klar unter Spitzenreiter Essen, wo 21 Prozent der Kinder betroffen sind. Bei der Adipositas-Quote, die ausschließlich stark übergewichtige Kinder erfasst, liegt Frankfurt mit 4,6 Prozent auf Rang 15 von 19 Städten – ebenfalls im unteren Mittelfeld, deutlich unter Werten wie Wuppertal (7,9 Prozent) oder Gelsenkirchen (7,6 Prozent). Beide Frankfurter Zahlen stammen aus der Schuleingangsuntersuchung und sind über das Portal „Offene Daten Frankfurt“ öffentlich einsehbar.

Das Gesamtbild des Rankings zeigt ein deutliches regionales Gefälle. An der Spitze stehen Städte mit hoher sozialer Belastung: Wuppertal, Gelsenkirchen und Duisburg führen die Adipositas-Liste an, Essen liegt beim Übergewicht insgesamt vorn. Am unteren Ende finden sich unter anderem mit Stuttgart (3,2 Prozent) und Karlsruhe (3,5 Prozent) vorwiegend Städte im Südwesten. Sie verzeichnen die niedrigsten Adipositas-Quoten, Dresden meldet mit unter 8 Prozent den niedrigsten Übergewichtswert überhaupt. Zwischen der höchsten und der niedrigsten Adipositas-Quote im Ranking – Wuppertal und Hannover – liegt der Faktor 2,6.

RangStadtAnteil übergewichtiger Kinder (inkl. Adipositas)
1Essen21 Prozent
2Wuppertal14,4, Prozent
3Bremen13,9 Prozent
4Bochum13,3, Prozent
5Düsseldorf11,7 Prozent
6Stuttgart11,5 Prozent
7Nürnberg11,5 Prozent
8Berlin11,4 Prozent
9Frankfurt11,2 Prozent
10Leipzig11 Prozent
11Hannover10,3 Prozent
12Mannheim10,2 Prozent
13Hamburg10 Prozent
14Köln10 Prozent
15Karlsruhe8 Prozent
16Dresden< 8 Prozent

Die Weichen werden vor der Einschulung gestellt

Die Analyse führt diese Unterschiede auf einen inzwischen gut belegten Zusammenhang zurück: Einkommen und Bildung der Eltern, das Wohnumfeld, Bewegungsmöglichkeiten sowie Ernährungs- und Trinkgewohnheiten im Familienalltag. Dass ausgerechnet Städte mit hoher sozialer Belastung wie Gelsenkirchen und Duisburg vorn liegen, während wirtschaftsstarke Städte im Südwesten die niedrigsten Werte zeigen, passt in dieses Bild – und erklärt auch, warum eine wohlhabende Stadt wie Frankfurt näher am unteren als am oberen Rand des Rankings liegt, ohne jedoch zur Spitzengruppe der schlanksten Städte zu zählen.

Bemerkenswert an den Daten ist der frühe Erhebungszeitpunkt: Die meisten Werte, auch die Frankfurter, stammen aus Schuleingangsuntersuchungen und erfassen damit Kinder im Alter von fünf bis sechs Jahren – vor Schulbeginn. Die regionalen Unterschiede entstehen also bereits in der Kita-Zeit, in einer Lebensphase, in der Eltern die Ernährungs- und Trinkroutinen ihrer Kinder noch fast vollständig prägen.

Zur bundesweiten Einordnung: Laut der KiGGS-Studie des Robert Koch-Instituts gelten 15,4 Prozent der 3- bis 17-Jährigen in Deutschland als übergewichtig, knapp 6 Prozent als adipös. 15 der 16 Städte im Ranking, die einen Übergewichtswert veröffentlichen – Frankfurt eingeschlossen – liegen unter diesem Bundesschnitt. Nur Essen liegt darüber. Die Analyse warnt allerdings vor vorschneller Entwarnung: Die Stadtwerte bilden überwiegend Fünf- bis Sechsjährige ab, der Bundeswert dagegen alle 3- bis 17-Jährigen – und Übergewicht nimmt mit dem Alter deutlich zu. Die Einschulungswerte zeigen also den Startpunkt einer Entwicklung, nicht deren Ende.

Der einfachste Hebel: das Getränk

Die Analyse benennt beispielhaft einen konkreten Ansatzpunkt für Familien: die Getränkewahl. Zuckergesüßte Getränke wie Limonaden, Eistees und Fruchtsaftgetränke liefern flüssige Kalorien, die kaum sättigen – der Körper registriert getrunkene Energie schlechter als gegessene, die Kalorien kommen schlicht obendrauf. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, freie Zucker (also alle Zuckerarten, die Lebensmitteln zugesetzt werden, sowie den in Honig, Sirup und Fruchtsäften enthaltenen Zucker) auf unter 10 Prozent der täglichen Energiezufuhr zu begrenzen, idealerweise unter 5 Prozent; ein einziges Glas Limonade kann davon bereits einen großen Teil aufbrauchen.

Ernährungsfachgesellschaften empfehlen, Wasser zum Standardgetränk für Kinder zu machen – zu jeder Mahlzeit, in der Kita, in der Schule, unterwegs. Grundschulkinder sollten laut den Referenzwerten der Deutschen Gesellschaft für Ernährung rund einen Liter Flüssigkeit pro Tag über Getränke aufnehmen.

Zur Methodik

Die Auswertung stützt sich auf amtliche Schuleingangsuntersuchungen der Städte und Länder – unter anderem des Landeszentrums Gesundheit Nordrhein-Westfalen, des Berliner Gesundheitsmonitorings, des Statistischen Landesamts Sachsen sowie städtischer Gesundheitsberichte –, ergänzt um den AOK-Kindergesundheitsatlas und den Gesundheitsatlas Baden-Württemberg. Für einige Städte, darunter Bochum und Wuppertal, wurden die Werte direkt bei den örtlichen Gesundheitsämtern erfragt, da keine öffentliche Quelle vorlag. Erfasst wurden 21 deutsche Großstädte mit aktuellen, belastbaren Werten aus den Erhebungsjahren 2022 bis 2025; für einzelne Großstädte, darunter München, lagen keine vergleichbaren, öffentlich zugänglichen Daten vor. Übergewicht und Adipositas werden über alters- und geschlechtsspezifische BMI-Referenzperzentile nach Kromeyer-Hauschild bestimmt: Übergewicht ab dem 90., Adipositas ab dem 97. Perzentil. Da sich die Erhebungen in Altersgruppen, Jahrgängen und Design unterscheiden, versteht sich das Ranking als Orientierung und nicht als exakt vergleichbare Messreihe.