„Gehirn hatte mehr Zeit“: Wie die Generation der Zillennials tickt

Stand: 11.07.2026, 13:43 Uhr

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Zwischen Millennials und Gen Z soll es die Mikro-Generation der „Zillennials“ geben. Ein Forscher erklärt, was diese Brückengeneration ausmacht.

Frankfurt – Wer zwischen 1993 und 1998 geboren wurde, kennt das Gefühl: zu alt für Trends auf TikTok, zu jung für Jo-Jos auf dem Pausenhof. Abgesehen vom Computer, den sich die ganze Familie teilte, verlief die Kindheit noch analog. Für Notfälle war ein Tasten-Handy im Schulranzen, ehe man in der Mittelstufe das erste Telefon mit Touchscreen in der Hosentasche trug. Die Bildschirme wurden dünner, die Technik immer schneller und man selbst immer älter. Heute werden die „Zillennials“ gerne als Mikro-Generation zwischen der Gen Z und den Millennials bezeichnet. Was wie ein Modebegriff klingt, beschreibt laut Jugendforscher Simon Schnetzer eine reale Erfahrung.

„Labels wie Generation Z, Y oder Millennials greifen wissenschaftlich gesehen zu kurz“, sagt Schnetzer der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. In seinen Studien vergleicht er regelmäßig Altersgruppen und stellt fest: „Die Grundbedürfnisse, die Werte und die Tugenden der Menschen sind über Generationen hinweg völlig stabil.“ Was sich verschiebe, seien lediglich die Lebensphasen und die technologischen Einflüsse. Dennoch beschreibe der Begriff „Zillennials“ im Alltag ein reales Gefühl. „Es geht um den pragmatischen Kompromiss, ein bisschen von beidem zu sein.“

Analoge Kindheit prägte das Gehirn – und macht heute den Unterschied

Der entscheidende Vorteil dieser Generation liegt in ihrer Kindheit. „Wer eine analoge Kindheit erlebt hat, dessen Gehirn hatte mehr Zeit, sich stabil zu entwickeln“, sagt Schnetzer. Man habe gelernt, echte Beziehungen aufzubauen und Konflikte direkt im echten Leben auszuhalten. Der Gen Z falle das heute spürbar schwerer.

Zwei Jungen Arm in Arm im Wald

Die Mikro-Generation (geb. 1993 bis 1998) berührt die Generation der Millennials und der Gen Z. (Symbolfoto) © imagebroker/Imago IMages

Das hat auch die Wissenschaft im Blick: Die Neurowissenschaftlerinnen Eveline Crone und Elly Konijn von der Universität Amsterdam veröffentlichten 2018 in Nature Communications einen Beitrag zur Entwicklung verschiedener Hirnareale. Dort heißt es, dass jene Regionen, die für Empathie, Impulskontrolle und echtes Miteinander zuständig sind, sich vor allem durch reale, analoge Interaktion in Kindheit und Jugend entwickeln.

Die rein digitale Kommunikation blockiere laut Schnetzer oft das Austragen von Differenzen im „Real Life“. Ältere Jahrgänge brächten hier eine analoge Verbindlichkeit mit, die heute in der Arbeitswelt extrem wertvoll sei, weil diese direkte Kommunikation in ihrer Jugend noch Normalität gewesen sei.

Gleichzeitig hätten Zillennials die digitale Welt aber früh genug kennengelernt: „Sie sind jung genug, um technologisch absolut offen und neugierig auf die Zukunft zu sein – ganz anders als ältere Generationen, die diese Neugier oft schon abgelegt haben“, sagt Schnetzer. Zillennials hätten die Welt aber noch vor der großen digitalen Entkopplung erlebt. Sie wüssten noch, wie die analogen Mechanismen dahinter funktionieren.

Zillennials als Brückenbauer zwischen den Generationen

Besonders in der Arbeitswelt zeige sich diese Fähigkeit deutlich. „Wenn Babyboomer und die Gen Z an einem Projekt arbeiten, prallen oft Welten aufeinander“, erklärt Schnetzer. Ältere Kolleginnen und Kollegen erwarten direkte Gespräche und verbindliche Zusagen. Jüngere kommunizieren lieber digital, spontan und flexibel. „Da braucht es Menschen, die beide Seiten verstehen, um Brücken zu bauen.“ Genau das sei die Eigenschaft, die Zillennials mitbringen: Sie können zwischen den Welten vermitteln.

„Wenn wir Wege suchen, im Alltag wieder eine saubere Balance in der Kommunikation und Mediennutzung zwischen analog und digital zu finden, können uns Menschen helfen, die noch wissen, wie das Leben vor dem suchthaften Medienkonsum funktionierte“, sagt Schnetzer.

Zillennials als Vermittler zwischen den Generationen

Viele junge Berufseinsteiger aus der Spanne der Zillennials hatten beim Start ein „fantastisches Zeitfenster“, sagt Schnetzer. Sie begannen nach der Finanzkrise und vor der Covid-19-Pandemie. Das gab ihnen in den Orientierungsjahren der Jugend viel Sicherheit. Jetzt breche die Verunsicherung durch Künstliche Intelligenz und geopolitische Krisen massiv ein, und das oft genau in der Lebensphase der Familiengründung. „Viele merken jetzt schmerzhaft, dass der vermeintlich sichere, eher noch lineare Karriereweg der Vergangenheit eine Illusion war“, sagt der Generationen- und Jugendexperte.

Doch gerade hier zeige sich erneut die Stärke der Zillennials: Sie können mit Unsicherheit umgehen, weil sie gelernt haben, sich zwischen zwei Welten zu bewegen. Die Zillennials sind keine offizielle Generation. Wissenschaftlich lassen sie sich kaum sauber abgrenzen. Doch ihre Fähigkeit, zwischen analog und digital, zwischen Alt und Jung zu vermitteln, macht sie in einer sich schnell verändernden Arbeitswelt zu einer entscheidenden Brückengeneration. (Quelle: eigene Recherche)