Fünf Jahre danach: Entschuldigt sich Ministerpräsident Schnieder heute bei den Flutopfern?
Fünf Jahre danach Entschuldigt sich Ministerpräsident Schnieder heute bei den Flutopfern?
Mainz · Zum Jahrestag der Flutkatastrophe kommen Steinmeier, Merz und Schnieder ins Ahrtal. Der neue Ministerpräsident könnte bei der Gedenkveranstaltung das aussprechen, was seine Vorgänger nicht sagten.
14.07.2026 , 06:21 Uhr
Ein Bild der Zerstörung: Vor fünf Jahren war die Bundesstraße durch das Ahrtal hinter einem Tunnel von der Sturzflut weggerissen worden.
Foto: Thomas Frey
Heute vor fünf Jahren erlebte Rheinland-Pfalz die schlimmste Naturkatastrophe in der Geschichte des Landes. Starkregen und Sturzfluten zerstörten zahlreiche Gebäude, Straßen und Zugstrecken an der Ahr und in der Region Trier. Allein im Ahrtal starben bei der Flut 135 Menschen, 49 im Nachbarland Nordrhein-Westfalen.
Steinmeier, Merz und Schnieder im Ahrtal
Zum fünften Jahrestag am Dienstag kommen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzler Friedrich Merz ins Ahrtal. Der Kanzler wird am Abend gemeinsam mit Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) an der Gedenkfeier auf dem Marktplatz in Ahrweiler teilnehmen. Womöglich wird sich Schnieder dann für das staatliche Versagen bei der Flutkatastrophe entschuldigen. Das hatte der Eifeler im Falle seines Wahlsiegs angekündigt. Schnieders Vorgänger, Malu Dreyer und Alexander Schweitzer (beide SPD), hatten eine solche Entschuldigung nie ausgesprochen. Schnieder kritisierte das in seiner damaligen Rolle als Oppositionsführer.
Einer seiner ersten Termine als Ministerpräsident absolvierte Gordon Schnieder (CDU) im Ahrtal - hier im Gespräch mit Landrätin Cornelia Weigand (parteilos).
Foto: Thomas Frey
Ein Untersuchungsausschuss im Mainzer Landtag hatte die politischen Fehler vor und während der Flut aufgearbeitet. Im Zuge dessen waren die zum Zeitpunkt der Katastrophe amtierende Landes-Klimaschutzministerin Anne Spiegel (Grüne) sowie der damalige Innenminister Roger Lewentz (SPD) zurückgetreten.
Ein rechtliches Nachspiel gab es nicht. Die Koblenzer Staatsanwaltschaft hatte zwar jahrelang wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Körperverletzung und Tötung durch Unterlassen gegen den damaligen Landrat des Kreises Ahrweiler Jürgen Pföhler (CDU) sowie einen Ehrenamtlichen aus dem Krisenstab ermittelt. Zu einer Anklage kam es jedoch nicht.
Was sich im Katastrophenschutz verbessert hat
Im Hochwasser- und Katastrophenschutz hat sich seit der Flut vor fünf Jahren einiges verändert. Inzwischen besitzt das Land Hubschrauber mit Seilwinde zur Menschenrettung, die damals fehlten. Ein neues Landesamt für Katastrophenschutz mit weitaus mehr Personal hat den Dienst aufgenommen, mehr Kommunen im Land haben Alarm- und Einsatzpläne. Und es gibt mehr Informationen über Hochwasserauswirkungen und Wege, über die gewarnt werden. Generell ist die Sensibilität gegenüber Naturkatastrophen in der gesamten Landespolitik gewachsen.
Trotzdem wird das wohl nicht reichen, um die Auswirkungen einer solchen Flut wie 2021 gänzlich einzudämmen. An der Ahr etwa wurde vielerorts an der gleichen Stelle wieder aufgebaut. Die Menschen müssten der Ahr mehr Raum geben, sagte kürzlich Holger Schüttrumpf, Direktor des Instituts für Wasserbau und Wasserwirtschaft der RWTH Aachen.
Hochwasser-Experte fordert neue Staudämme
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Bilder der Hochwasserkatastrophe in Trier-Ehrang und im Kreis Trier-Saarburg
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Foto: Friedhelm Knopp
Seine Bilanz: Keine Verbesserung beim Hochwasserschutz, nur beim Menschenschutz. „Wenn es wieder so stark regnet, dann wird es wieder eine Hochwasserwelle geben. Wenn sie heute hier runterfließen würde, wären die Auswirkungen mehr oder weniger die gleichen wie 2021“, sagte Schüttrumpf. Es brauche riesige Hochwasserrückhaltebecken, die Wassermassen regulierten und zurückhalten könnten.
Ob, wann und wo es in Rheinland-Pfalz solche Staudämme geben wird, ist allerdings völlig offen. Nach wie vor existiert auf Bundesebene auch keine Regelung zur Pflichtversicherung bei Elementarschäden. Die Gebäudeschäden nach der Flut 2021 waren enorm. Mehr als 3,7 Milliarden Euro Aufbauhilfe sind nach Angaben des Landes nach der Flut für Kommunen, Unternehmen und private Eigentümer alleine im Ahrtal bewilligt worden. Der Wiederaufbau ist fünf Jahre nach der Katastrophe weder dort noch in der Region Trier vollständig abgeschlossen.
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