Frauenhaus Bad Wildungen muss Frauen abweisen – nur 18 von 122 aufgenommen

Stand: 23.07.2026, 06:00 Uhr

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ARCHIV - 28.08.2013, Niedersachsen, Nienburg: ILLUSTRATION - Eine junge Frau steht in einem Zimmer eines Frauenhauses. (zu dpa: „Initiative soll Auszug aus Frauenhäusern erleichtern“) Foto: Peter Steffen/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Eine junge Frau steht in einem Zimmer eines Frauenhauses. (Symbolfoto) © Peter Steffen/dpa

Das Frauenhaus in Bad Wildungen hat 2025 nur 18 von 122 hilfesuchenden Frauen aufnehmen können. Die Mitarbeiterinnen mussten viele abweisen, weil kein geeignetes Zimmer frei war.

Waldeck-Frankenberg – Nachts, am Wochenende, früh am Morgen: Immer wieder klingelt das Telefon der Rufbereitschaft im Frauenhaus Bad Wildungen. Am anderen Ende der Leitung Frauen, die vor Gewalt in der Partnerschaft fliehen wollen. Mehr als 130-mal nahmen die Mitarbeiterinnen 2025 solche Anrufe außerhalb ihrer Bürozeiten entgegen, 18 davon waren akute Bitten um eine Aufnahme im Frauenhaus. Der Bedarf übersteigt dabei die Kapazität. Bundesweit fehlten im vergangenen Jahr 12.000 Frauenhaus-Plätze.

Acht Zimmer mit ein bis fünf Betten und insgesamt 24 Plätze hat das Frauenhaus des Landkreises – aber die reichen nicht immer aus. „Wie bei den meisten Frauenhäusern übersteigt auch bei uns die Zahl der Anfragen die Möglichkeiten der Aufnahme um ein Vielfaches“, so Irina Gebel, Mitarbeiterin des Frauenhauses. Dokumentiert hat das Haus 2025 die Anfragen von 122 Frauen mit 192 Kindern. Aufnehmen konnten die Mitarbeiterinnen hingegen nur 18 Frauen mit 39 Kindern. „Wir müssen manchmal Frauen abweisen, weil kein geeignetes Zimmer da ist – wenn eine Frau zum Beispiel mehrere Kinder hat und nur ein Zimmer für eine Frau ohne Kinder frei ist“, sagt Gebel.

„Frauen aus Bad Wildungen kommen nicht ins Frauenhaus nach Bad Wildungen zu uns“, betont Gebel. Zu groß sei die Gefahr, gefunden zu werden. „Frauen werden teilweise über die Spielzeuge ihrer Kinder getrackt“, sagt Annette Lambertz, Leiterin des Amts für Soziales in Bad Wildungen. Wer im Frauenhaus Schutz sucht, muss deshalb oft alles zurücklassen: das Eigentum, den Kindergarten, die Freunde. Getragen wird das Haus vom Verein Frauen helfen Frauen, der über Zuschüsse des Landes Hessen, aber auch über Spenden und Bußgelder finanziert. Außerdem stellt der Landkreis dem Verein das Gebäude mietfrei zur Verfügung.

Wer es ins Haus schafft, findet dort oft Halt bei den anderen Frauen. „Es ist gut für viele zu sehen, dass sie nicht die Einzigen sind, die solche Erfahrungen machen“, sagt Gebel. Die meisten der 25 Frauen sowie 47 Kinder und Jugendliche, die 2025 im Haus lebten, zogen spätestens nach einem halben Jahr wieder aus – und schafften es anschließend, selbstständig zu leben. „Unser Ziel ist, dass die Frauen wieder eigenständig werden“, sagt Lambertz. „Hilfe zur Selbsthilfe – das ist uns allen ganz wichtig.“ Nicht immer gelang der Neustart: Drei Frauen kehrten mit ihren Kindern in die gewaltgeprägte Beziehung zurück. In solchen Fällen schaltet sich das Jugendamt ein.

Was die Frauen vorher erlebt hatten, zeigt sich auch in den Zahlen. Bei 84 Prozent der Aufnahmen war zuvor die Polizei im Einsatz. Auch nach dem Auszug endet die Begleitung nicht: Die Frauenberatungsstelle bietet Nachbetreuung an und vermittelt weitere Kontakte.

Auch Söhne werden aufgenommen

Frauenhäuser nehmen Frauen auf, die unter jeglicher Gewalt leiden. Oft können die Frauen nicht in Worte fassen, was sie erlebt haben. Im Frauenhaus können sie in einem geschützten Rahmen überlegen, wie es weitergehen soll. Sie können mit und ohne Kinder aufgenommen werden, unabhängig von ihrer kulturellen Herkunft. Frauen können auch ihre älteren Söhne mitnehmen, allerdings gibt es in den meisten Einrichtungen eine Altersgrenze für Jungen.