Förderschulen schreiben Brandbrief an Ministerin: Rotenburger Schule warnt

Stand: 15.07.2026, 06:30 Uhr

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Auch die Bernhard-Röper-Schule aus Rotenburg kritisiert der Reformpläne der Landesregierung insbesondere für Förderschulen scharf.

Auch die Bernhard-Röper-Schule aus Rotenburg kritisiert der Reformpläne der Landesregierung insbesondere für Förderschulen scharf. © Hendrik Neddermann

100 Förder- und Grundschulen protestieren gegen die geplante Schulgesetznovelle in Niedersachsen. Darunter ist auch die Bernhard-Röper-Schule aus Rotenburg, die derzeit 80 Schüler mit komplexen Bedarfen betreut.

Rotenburg – Endlich Sommerferien – Zeit zum Abschalten. Schüler und Lehrer genießen sechs Wochen Pause und unterrichtsfreie Zeit. Doch mitten in diese Phase hinein kracht ein Thema, das grundsätzliche Fragen aufwirft. Geplante Änderungen im Niedersächsischen Schulgesetz sorgen für Widerstand auch im Landkreis. Die hiesigen CDU-Landtagsabgeordneten Eike Holsten und Marco Mohrmann warnen vor Folgen der Pläne der rot-grünen Landesregierung für bestehende Strukturen vor allem im Bereich Förderschulen. Als eine der betroffenen äußert auch die bereits 1979 gegründete Bernhard-Röper-Schule aus der Kreisstadt Bedenken.

Schwächung für Inklusion?

„Die Landesregierung schwächt mit ihrer Schulgesetznovelle genau die Strukturen, die für viele Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf unverzichtbar sind“, erklärt Marco Mohrmann aus Rhadereistedt, auch Generalsekretär seiner Partei auf Landesebene. Förderschulen seien wichtige Kompetenzzentren für das gesamte inklusive Schulsystem, ergänzt Holsten. Besonders kritisch bewerten beide die geplante Einschränkung beim Zugang zu Förderschulen sowie die Streichung der Förderzentrumsfunktion. Nach ihrer Darstellung könnten Standorte langfristig gefährdet sein. Holsten und Mohrmann verweisen auf ein gemeinsames Schreiben von fast 100 Förderschulen und Grundschulen an Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne). Darunter befinden sich auch Einrichtungen aus der Region, neben der Bernhard-Röper-Schule die Lindenschule in Rotenburg, die Janusz-Korczak-Schule in Zeven und die Schule am Mahlersberg in Bremervörde. „Inklusion bedeutet Teilhabe, individuelle Förderung und die gemeinsame Verantwortung aller Schulformen für die Bildung und Entwicklung von Kindern und Jugendlichen mit unterschiedlichen Voraussetzungen. Gerade deshalb erscheint die geplante Rückentwicklung der Förderzentren zu Förderschulen problematisch, weil sie in ihrer praktischen Wirkung den Gedanken der Inklusion nicht stärkt, sondern in wesentlichen Punkten zu schwächen droht“, heißt es in dem Schreiben.

Weniger Wahlmöglichkeiten

Die Kritik richtet sich unter anderem gegen die stärkere Gewichtung eines „vorrangigen“ Förderbedarfs. Viele Kinder hätten jedoch mehrere Unterstützungsbedarfe gleichzeitig. „Das ist kein Fortschritt, sondern ein Rückschritt“, sagt Holsten.
Die Bernhard-Röper-Schule in Rotenburg betreut nach eigenen Angaben derzeit rund 80 Schüler aus fünf Landkreisen sowie den Jugendhilfeeinrichtungen ihres Trägers in elf Klassen. 28 Mitarbeiter arbeiten dort. Die Schule unterrichtet in kleinen Klassen mit festen Teams aus Lehrkräften und pädagogischen Fachkräften. Träger ist die Heilpädagogische Kinder- und Jugendhilfe Rotenburg. Die Einrichtung arbeitet mit Förderschwerpunkten in der emotionalen und sozialen sowie in der geistigen Entwicklung. „Alle unsere Schülerinnen und Schüler haben komplexe Bedarfe, die sich in Kategorien nur zum Teil erfassen lassen“, erklären der pädagogische Vorstand Thomas Neubauer und Schulleiterin Simone Broocks. Kern der Kritik ist die geplante stärkere Bindung an einen vorrangig festgestellten Förderbedarf. Künftig könnte dieser stärker über die Schulzuweisung entscheiden. Das würde nach Einschätzung der Schule die Wahlmöglichkeiten einschränken. „Die Feststellung führt zu einer Verengung der notwendigen Vielfalt“, so Neubauer und Broocks. Für Eltern und Kinder könne es schwieriger werden, eine passende Schule zu finden. Und für die Schule selbst könnten Finanzierungen und das Werben um Quereinsteiger im Personal durch die Schulgesetznovelle problematisch werden.

Parallele Systeme

Die Schule betont die Bedeutung individueller Förderung. Neben fachlichen Inhalten stünden emotionale und soziale Kompetenzen im Mittelpunkt. Kleine Klassen und feste Bezugspersonen seien dabei entscheidend. „Die Kleinheit des Systems ist ein wesentlicher Faktor“, heißt es. Viele Kinder hätten in großen Klassen zuvor Ausgrenzung erlebt.
Zugleich verweist die Schule auf steigende Anforderungen. Schon jetzt gebe es Schüler, für die kein passendes Angebot bereitgestellt werden könne. Die Verantwortlichen sehen Inklusion nicht im Widerspruch zu Förderschulen. Beide Systeme müssten parallel bestehen. „Die Diskussion um Inklusion ist nicht durch eine Verkleinerung des Angebots zu beantworten“, erklären Neubauer und Broocks. Das sehen auch die CDU-Politiker Holsten und Mohrmann so: Gerade im Landkreis Rotenburg/Wümme leisteten die Förderschulen täglich hervorragende Arbeit. Sie unterstützten Kinder individuell, entlasteten Regelschulen und stünden Eltern als verlässliche Partner zur Seite. Mohrmann: „Wer Inklusion ernst meint, darf Förderschulen nicht schwächen. Wir brauchen beides: starke inklusive Schulen und starke Förderschulen. Die ideologisch motivierte Demontage bewährter Strukturen hilft keinem Kind.“ Die Bernhard-Röper-Schule blickt bei diesem Thema auch auf die Rotenburger Pestalozzischule: Als Förderschule mit dem Schwerpunkt Lernen läuft sie bereits aus.

Nach Angaben der Schule besteht ein regelmäßiger Austausch mit anderen Einrichtungen und der Landesschulbehörde. Auch Kontakte zu politischen Vertretern vor Ort finden statt. Die CDU-Landtagsabgeordneten fordern die Landesregierung auf, die geplanten Änderungen zu überarbeiten. Entscheidungen müssten sich stärker an der Praxis orientieren. Ob und in welcher Form die Schulgesetznovelle umgesetzt wird, ist derzeit noch offen.