Hitzewelle in Frankreich fordert 5764 Tote
Die Zinkdächer von Paris sind eines der Wahrzeichen der Stadt, sie dienten sogar einmal als Laufsteg für die Marke Chanel. Aber während der Hitzewelle Ende Juni wurden insbesondere die Dachwohnungen in der Hauptstadt zu wahren Hitzefallen.
Zink ist ein stark leitendes Metall, das Wärme absorbiert. Die staatliche Gesundheitsbehörde hat jetzt mitgeteilt, dass es in Paris zu einer hohen Übersterblichkeit kam, annähernd 2000 Tote mehr, als statistisch zu erwarten war. Die offizielle Messstation von Météo-France Paris-Montsouris hatte am 24. Juni einen Höchstwert von 40,6 Grad Celsius gemessen. Es war das erste Mal seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1873, dass Temperaturen von mehr als 40 Grad in der französischen Hauptstadt gemessen wurden.
Im gesamten Land forderte die Hitzewelle annähernd 6000 Todesopfer. Mehr als die Hälfte der Todesfälle sei am 25., 26. und 27. Juni verzeichnet worden, also in direktem Zusammenhang mit den beiden heißesten Tagen, die jemals in Frankreich gemessen wurden. Die 24-Stunden-Durchschnittstemperaturen erreichten an diesen Tagen erstmals 30 Grad Celsius.
Nicht nur ältere Menschen waren betroffen
Die extreme Hitze hat nicht nur älteren Menschen zu schaffen gemacht. Unter den von der Gesundheitsbehörde ermittelten 5764 „zusätzlichen“ Toten gehören 65 Prozent der Altersgruppe über 75 Jahre an. Aber auch bei den 15- bis 44-Jährigen waren 118 zusätzliche Todesfälle zu verzeichnen (+30 Prozent gegenüber der erwarteten Sterblichkeit), bei den 45- bis 64-Jährigen 979 Todesfälle (+55 Prozent) und bei den 65- bis 74-Jährigen 936 Todesfälle (+37 Prozent). Die Zahlen erfassen den Zeitraum vom 17. Juni bis zum 2. Juli und stützen sich auf Meldungen aus mehr als 5000 Gemeinden, die 84 Prozent der französischen Sterblichkeit abdecken. Die endgültige Bilanz könnte noch höher ausfallen, hieß es.
Mehr als ein Drittel aller erfassten Todesfälle ereignete sich zu Hause. Gesundheitsministerin Stéphanie Rist äußerte sich besorgt über die hohe Zahl der Todesfälle zu Hause. Sie mutmaßte, dass dies mit sozialer Isolation zusammenhängt. Die Hauptstadtregion verzeichnete die meisten zusätzlichen Todesfälle (1999), weit vor der Grenzregion zu Deutschland, Grand-Est (635) und der Region Centre-Val-de-Loire (511).
So eine frühe, intensive und lange Hitzewelle wie die in der zweiten Junihälfte hatte es in Frankreich noch nie gegeben. Sie betraf fast die gesamte Bevölkerung und dauerte insgesamt 16 Tage, vom 17. Juni bis zum 2. Juli – also vor Beginn der Sommerferien, als noch zahlreiche Sportwettkämpfe und Prüfungen stattfanden. Sie war auch intensiver als die bislang schlimmste Hitzewelle in Frankreich von 2003, während der 15.000 Menschen gestorben waren. Im vergangenen Jahr hatte es über den ganzen Sommer verteilt insgesamt 5700 Hitzetote gegeben. Wissenschaftler gehen davon aus, dass Hitzewellen infolge des Klimawandels an Intensität und Häufigkeit zunehmen.