Flirt-Studie: Diesen fatalen Fehler machen erregte Männer
Es gibt Fakten, von denen man dachte, alle hätten es jetzt endlich kapiert. Beispiel gefällig? Gerne: „Ein Kleid ist kein Ja“. Schließlich bedeutet das Tragen eines Trenchcoats auch nicht automatisch, dass man als Geheimagentin arbeitet. Und nur weil eine Frau ein rotes Top anhat, signalisiert das nicht, dass alles geht. Dieses Themas hat sich nun auch die Wissenschaft angenommen.
In einer Studie, erschienen in Archives of Sexual Behavior, mussten heterosexuelle Männer beurteilen, welche Frau eher mit ihnen flirtet. Gezeigt wurden Fotos derselben weiblichen Person in unterschiedlichen Outfits: einmal eher alltagstauglich gekleidet, dafür mit flirtendem Gesichtsausdruck; einmal sexy gekleidet, aber mit Pfefferspray-Gesicht.
Man möchte meinen, das sei eine einfache Aufgabe, Motto: Gesicht lesen, Mimik deuten, fertig. Aber nein. Sobald die Männer sexuell erregt waren – in der Studie durch eine erotische Audioszene –, verließen sich manche stärker auf die sogenannten globalen Signale. Also auf die Kleidung und die Optik. Und weniger auf Konkretes, wie etwa den Gesichtsausdruck.
Fazit: Ein Dekolleté wirkte deutlicher als die Mimik. Das ist suboptimal für die zwischenmenschliche Kommunikation. Weil ein Kleidungsstück alles und nichts bedeuten kann, von „Mir war heute nach Farbe“, über „Neu gekauft, will’s jetzt tragen“ bis hin zu: „Es ist heute sehr heiß“. Wofür es meist nicht steht: „Guten Abend, fremder Mann, ich überreiche Ihnen hiermit eine notariell beglaubigte Einladung in mein Bett.“
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Zum Aufschreiben: Ein interessierter Blick kann ein positiver Hinweis auf Interesse sein, muss es aber nicht. Ein Gespräch, das nicht ad hoc nach Fluchtversuch klingt, ebenso.
Wenn das Gehirn in den Ausschnitt plumpst
Besonders irritierend ist, wie viel Denkarbeit offenbar an Textilien ausgelagert wird. Höhö, die Dame hat zwar abweisend geschaut, aber ihr Kleid war doch so sexy. Die Forschung nennt das „übermäßige Orientierung an äußeren Signalen“.
Ich, die Böse, würd’s eher so nennen: Wenn das Gehirn in den Ausschnitt plumpst. Zum Aufschreiben: Ein interessierter Blick kann ein positiver Hinweis auf Interesse sein, muss es aber nicht. Ein Gespräch, das nicht ad hoc nach Fluchtversuch klingt, ebenso.
Während ein Gesichtsausdruck, der ausschaut wie „Bitte! Schnell! Raus! aus meinem Lebenslauf!“ ebenfalls ein Wink sein kann, aber halt in die komplett andere Richtung. Irren ist menschlich, stimmt. Doch wer konsequent immer nur das sieht, was er sehen möchte, statt das, was ein Mensch tatsächlich aussendet, flirtet nicht, sondern projiziert. Das mag in einer Therapie interessant sein, in einer Bar wird’s eher mühsam.
Die gute Nachricht: dazulernen geht immer. Lektion 1: Rot ist eine Farbe, aber kein Ja. Lektion 2: Lippenstift ist hübsch, aber keine Einladung zu Schmusibusi. Lektion 3: Wenn eine Frau wirkt, als hätte sie gerade eine tote Spinne in ihrem Matcha Latte entdeckt, flirtet sie fix nicht.
Falls jetzt immer noch ein Hauch Unsicherheit geblieben ist, gibt es noch diese neue, revolutionäre Methode: fragen. Mit Worten und ohne Interpretationshilfe durch die Wünschelrute im Schritt. Ja? Nein? Vielleicht? Bitte dann auch geduldig die Antwort abwarten. Und sonst? Ein Kleid ist ein Kleid ist ein Kleid, mehr nicht. Manchmal ist es schön und oft sehr teuer, aber es sagt nichts, was die Frau darin nicht selbst sagen kön
Im Kino
Im neuen Film „Chéri, ich komme! – Die Erfindung der Lust“ (ab 23. Juli im Kino) gesteht Fanny ihrem Mann Thomas, dass sie ihm jahrelang Orgasmen vorgespielt hat. Für beide wird das zur Ehekrise, aber auch zum Aufbruch. Während Fanny ihre Lust neu entdeckt, tüftelt Thomas als Ingenieur an einem Sexspielzeug für Frauen. Die Handlung ist angelehnt an die Erfindung des „Womanizer“, der 2014 tatsächlich auf den Markt kam.
Über Gabriele Kuhn
Seit 1995 an Bord des KURIER - erst 14 aufregende Jahre lang als Ressorleiter-Stv. im Freizeit-Magazin, dann als Leiterin des Ressorts Lebensart. Seit 2017 Autorin. Kolumnistin. Interessens- und Know-How-Schwerpunkte: Medizin, Lifestyle, Gesundheit. Und Erotik. Die ironische Kolumne "Sex in der Freizeit" gibt es seit 2002. Damit's nicht fad wird, schreibe ich seit Anfang 2012 die Paar-Kolumne "Paaradox" gemeinsam mit Ehemann und Journalist Michael Hufnagl. 2014 wurde Paaradox zum Lesekabarett - mit Auftritten im Rabenhof und auf vielen Bühnen Ostösterreichs.