Festgeld: Beste Zinsen sichern? Expertin rät zu dieser Strategie

Viele Sparerinnen und Sparer wollen vor allem eines: ihr Geld sicher anlegen und sich dabei möglichst attraktive Zinsen sichern. Festgeld kann dafür eine interessante Lösung sein. Allerdings hat die Anlageform einen Nachteil: Wer sich für eine bestimmte Laufzeit entscheidet, kommt in der Regel bis zum Ende nicht mehr an sein Geld. Genau hier setzt die sogenannte Leiter- oder Treppenstrategie an.

Die Idee dahinter ist einfach: Statt den gesamten Betrag auf einmal für mehrere Jahre fest anzulegen, wird das Geld auf mehrere Festgeldkonten mit unterschiedlichen Laufzeiten verteilt. So wird regelmäßig ein Teil des Geldes verfügbar, während Anlegerinnen und Anleger gleichzeitig von festen Zinsen profitieren.

Wie funktioniert die Festgeld-Treppenstrategie?

Leitern Euro Symbol

Die Treppenstrategie soll beim Festgeld die Flexibilität erhöhen und das Zinsrisiko senken.© Getty Images | mustafaU

Bei der Treppenstrategie teilen Sparer ihren Anlagebetrag in mehrere Teile auf. Diese werden dann mit gestaffelten Laufzeiten angelegt, zum Beispiel für ein, zwei, drei und vier Jahre. Wer 20.000 Euro anlegen möchte, könnte jeweils 5000 Euro auf vier Festgelder verteilen:

Nach einem Jahr wird die erste Tranche frei. Der Betrag kann dann entweder ausgezahlt oder erneut angelegt werden, etwa wieder für vier Jahre. So entsteht eine rollierende Treppe: Jedes Jahr wird ein Teil des Geldes verfügbar, während der Rest weiter Zinsen bringt. Sparerinnen und Sparer bleiben dadurch flexibel und legen sich weder bei der Laufzeit noch beim Auszahlungszeitpunkt auf einen einzigen Termin fest.

Chefanalystin Jasmin Ehlert von der Zinsplattform Raisin sieht darin einen klaren Vorteil: „Durch die Staffelung wird in regelmäßigen Abständen immer wieder ein Teil des Geldes fällig“, erklärt sie gegenüber unserer Redaktion. Sollten die Zinsen in der Zwischenzeit weiter steigen, kann dieses Kapital zu den dann höheren Konditionen reinvestiert werden. „So sichern sich Anlegerinnen und Anleger Schritt für Schritt das steigende Zinsniveau“, so die Expertin.

Welche Vorteile hat die Festgeld-Strategie?

Die Festgeldtreppe kann vor allem für Sparerinnen und Sparer sinnvoll sein, die Sicherheit schätzen, aber nicht ihr gesamtes Geld auf einmal binden wollen. Durch die gestaffelten Laufzeiten entsteht mehr Flexibilität als bei einem einzelnen Festgeld mit langer Laufzeit.

Prozentzeichen Fragezeichen Münzen

Die Zinsentwicklung lässt sich nicht sicher prognostizieren, weil sie von vielen Faktoren abhängt, die sich schnell ändern können.© Getty Images | sommart

Ein weiterer Vorteil: Das Zinsrisiko wird gestreut. Denn niemand weiß sicher, wie sich das Zinsniveau entwickeln wird. Wer alles auf einmal anlegt, erwischt im Zweifel einen ungünstigen Zeitpunkt. Bei der Treppenstrategie wird das Geld dagegen nach und nach zu unterschiedlichen Konditionen investiert.

Zudem bleibt die Planung überschaubar. Sparer wissen von Anfang an, wann welcher Teil des Geldes wieder zur Verfügung steht. Das kann gerade für größere Anschaffungen oder absehbare Ausgaben hilfreich sein.

Hat die Festgeld-Treppe auch Nachteile?

Ganz ohne Haken ist das Modell allerdings nicht. Wer sein Geld auf mehrere Laufzeiten verteilt, erhält möglicherweise nicht auf den gesamten Betrag die höchsten Zinsen, die bei sehr langen Laufzeiten angeboten werden. Ein Teil des Geldes ist dann zunächst zu niedrigeren Konditionen gebunden.

Hinzu kommt ein gewisser organisatorischer Aufwand. Es müssen mehrere Laufzeiten im Blick behalten und Angebote verglichen werden. Wer die Strategie konsequent umsetzen will, sollte außerdem darauf achten, dass auslaufende Festgelder nicht automatisch zu schlechten Konditionen verlängert werden.

Planung Notizen aufschreiben

Wann wird das nächste Geld fällig? Ist eine Kündigung erforderlich? Eine genaue Planung ist bei der Festgeldleiter wichtig.© Getty Images | miniseries

Ein weiterer Punkt: Festgeld bleibt Festgeld. Auch mit Treppenstrategie ist der jeweils angelegte Teilbetrag bis zum Laufzeitende in der Regel nicht verfügbar. Für den Notgroschen ist diese Form der Geldanlage daher nicht geeignet.

Für wen eignet sich die Festgeld-Treppe?

Interessant ist die Strategie vor allem für sicherheitsorientierte Sparerinnen und Sparer, die einen mittleren bis längeren Anlagehorizont haben. Sie eignet sich für Menschen, die Wert auf feste Zinsen legen, aber dennoch regelmäßig auf einen Teil ihres Geldes zugreifen möchten. Eine Festgeld-Treppe erfordert auch keine hohe Anlagesumme, denn bei einigen Banken gibt es Festgeldkonten schon mit einer Einlage von nur einem Euro.

Weniger passend ist das Modell hingegen für alle, die kurzfristig auf den gesamten Betrag angewiesen sein könnten. Auch wer möglichst hohe Renditen erzielen will, muss auf andere Anlageformen setzen. Denn an den Rendite-Erwartungen von Festgeld ändert die Treppenstrategie nichts.

Festgeld-Treppe oder Tagesgeld?

Oft stellt sich die Frage, ob nicht auch Tagesgeld ausreicht. Der Unterschied ist grundlegend: Tagesgeld ist flexibel verfügbar, allerdings sind die Zinsen variabel und können sich jederzeit ändern. Beim Festgeld ist der Zinssatz für die gesamte Laufzeit festgeschrieben, dafür ist das Geld gebunden.

Die Leiterstrategie versucht, die Vorteile beider Seiten teilweise zu verbinden: mehr Planbarkeit als beim Tagesgeld und mehr gestaffelte Verfügbarkeit als bei einem einzigen Festgeldkonto.

Der Ratgeber „Tagesgeld oder Festgeld: Was ist besser?“ erklärt die Vor- und Nachteile beider Anlageformen und hilft Sparerinnen und Sparern, eine Entscheidung zu treffen.

Worauf Sparerinnen und Sparer achten sollten

Wer eine Festgeld-Treppe aufbauen will, sollte vor allem die Einlagensicherung prüfen. Innerhalb der EU sind Einlagen in der Regel bis zu 100.000 Euro pro Kunde und Bank gesetzlich abgesichert. Trotzdem lohnt ein genauer Blick auf die Bank und das jeweilige Sicherungssystem. Denn in verschiedenen Ländern können die Regeln leicht unterschiedlich sein.

Bei ausländischen Banken kann es auch zu Besonderheiten bei der Versteuerung kommen. Einige Anbieter bezahlen die Zinsen brutto aus. In diesem Fall müssen Anlegerinnen und Anleger die Erträge über die Anlage KAP der Steuererklärung selbst versteuern.

Geldscheine Werkzeug

Eine ausreichend große finanzielle Rücklage gehört weiterhin aufs Tagesgeldkonto, wo sie jederzeit verfügbar ist.© Getty Images | Gaitanides

Ebenso wichtig ist es, die eigene Liquidität realistisch einzuschätzen. Geld, das kurzfristig gebraucht werden könnte, gehört nicht ins Festgeld. Sinnvoll ist es, zunächst einen ausreichend großen Notgroschen auf einem gut verzinsten Tagesgeldkonto zurückzulegen. Die Verbraucherzentrale empfiehlt Rücklagen von mindestens zwei bis drei Nettomonatsgehältern.

Außerdem sollten Sparer Angebote über verschiedene Laufzeiten hinweg vergleichen. Nicht jede Bank bietet in allen Laufzeitstufen attraktive Zinsen. Entscheidend ist daher nicht nur der Spitzenzins, sondern das Gesamtbild. Die besten Angebote für verschiedene Laufzeiten zeigt der Festgeld-Vergleich. Insbesondere bei kurzen Laufzeiten bis sechs Monaten können auch Tagesgeld-Angebote für Neukunden deutlich besser abschneiden. Entsprechende Aktionen finden sich im Tagesgeld-Vergleich.

Fazit: Treppenstrategie macht Festgeld flexibler

Die Leiter- oder Treppenstrategie beim Festgeld ist kein Geheimtrick, aber für viele Sparer ein durchdachtes Modell. Sie kann helfen, feste Zinsen mit einer gewissen Flexibilität zu verbinden und das Risiko eines ungünstigen Einstiegszeitpunkts zu verringern.

Besonders in unsicheren Zinsphasen kann es sinnvoll sein, nicht alles auf eine Karte zu setzen. Wer sein Geld gestaffelt anlegt, bleibt handlungsfähiger – ohne auf die Sicherheit des Festgelds zu verzichten.