Hilfe, unser Haus ist stockdunkel! - B.Z. – Die Stimme Berlins
Neukölln – Im fensterlosen Hausflur ist es stockdunkel. Das Wasser bleibt kalt. Seit 12 Tagen leben die Bewohner eines Miethauses in Neukölln wie im finsteren Mittelalter. Nach einem Kellerbrand gibt es keinen Strom und kein Warmwasser.
„Wir sind am Ende unserer Kräfte“, sagt Mieter Alexander S. (32). „Ich kann ja nicht täglich Rohkost essen und nur kalt duschen.“ Am 8. Juli brannte es im Keller des Neubaus am Mariendorfer Weg 55. Dabei wurde die Elektroleitung beschädigt. Seitdem ist der Strom abgestellt, und aus den Wasserhähnen fließt nur noch kaltes Wasser.
In dem sechsstöckigen Haus leben auch junge Familien mit Kindern. „Das Treppenhaus hat keine Fenster und ist vollkommen dunkel“, sagt Bauingenieur Thomas (31, Name geändert).
Inzwischen hat ein Mieter Lampen, die aufgeladen werden können, auf eigene Rechnung aufgestellt. Seit 12 Tagen können die Mieter weder Wäsche waschen noch kochen, haben kein Fernsehen, kein Radio und keine Internetverbindung. Sie können ihre Handys nicht aufladen. Kühlschrank und Tiefkühltruhe sind abgetaut. Die Badezimmer haben keine Fenster und können nur mit Taschenlampe genutzt werden. Der Fahrstuhl im Hausflur steht still.
Babynahrung kann nicht zubereitet werden
Familienvater Florian Neubauer (38) wohnt mit seiner Frau und den beiden Kindern (7 Monate, 2 Jahre) im dritten Stock: „Mit zwei Kindern und Einkäufen die Treppe rauf ist praktisch nicht möglich“, sagt er. Besonders schwierig ist die Organisation des Essens: „Das Baby wurde auf Beikost umgestellt, aber das können wir nicht selbst zubereiten. Jetzt müssen wir täglich Babykost im Supermarkt kaufen, denn kühlen können wir auch nicht.“
„Als ich im Mai auf einer Expedition in Mauretanien mal drei Tage ohne Strom war, dachte ich, das ist schon schlimm genug. Aber diese Situation ist unerträglich“, sagt Thomas. Zum Duschen und Wäschewaschen fährt die Familie zu den Eltern der Frau. Not macht erfinderisch: Für das Frühstück am Wochenende wird der Campingkocher auf dem Balkon angeschmissen. Dann gibt es immerhin Rührei.
Was tut die Hausverwaltung gegen den Blackout?
„Mit unseren umfangreichen Service-Angeboten bieten wir unseren Mieterinnen und Mietern nicht nur unkomplizierte Lösungen, sondern maximalen Komfort“, schreibt die zuständige Capera-Hausverwaltung auf ihrer Seite und weiter: „Und natürlich bieten wir schnelle Hilfe an – bei kleinen und auch großen Problemen, die keinerlei Aufschub dulden.“
Doch auf die Mails und Anrufe der Mieter hat die Hausverwaltung bisher nicht reagiert. „Wir fühlen uns im Stich gelassen“, sagt ein Bewohner. „Wir zahlen hier so hohe Mieten, aber dafür bekommen wir keine Gegenleistung.“ Das Haus wurde erst 2019 gebaut. Eine 75 Quadratmeter große Wohnung koste 1680 Euro, eine 54 Quadratmeter große Wohnung 1300 Euro.
„Bei den Mietpreisen würde ich wenigstens erwarten, dass die Hausverwaltung Notstrom-Generatoren aufstellt“, sagt Systemadministrator Kevin O. (35). Er hat die Befürchtung, dass sich in seinem Badezimmer bald Schimmel bildet. Denn seit vier Monaten tropft es in seiner Wohnung in der 5. Etage von der Decke. Warum, wurde bisher nicht festgestellt. Die Lüftung im fensterlosen Bad funktioniert nicht.
Schimmel-Meldung ignoriert
Seine Meldungen an die Hausverwaltung wurden ignoriert. „Ich fürchte, das wird bald schimmeln. Zu meiner hohen Miete muss ich jetzt jeden Tag auch noch draußen essen gehen. Das wird richtig teuer.“
Der Capera Immobilien Service wirbt damit, dass sie seit Jahren unter den besten Hausverwaltungen Deutschlands gelistet werden. Eine Antwort auf die B.Z.-Fragen, wann die Missstände beseitigt werden, liegt bislang nicht vor.