EZB-Leitzins 2026: Prognose stellt Sparer vor neue Frage

Bei der jüngsten Zinssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) im Juni kam es zu einer Erhöhung der Leitzinsen. Damit läuteten die Währungshüter eine erneute Zinswende ein. Für Sparer war dieser Schritt erfreulich – manche Banken zahlen nun wieder Tagesgeld-Zinsen über der 4-Prozent-Marke. Doch könnte es 2026 noch einen weiteren Zinsschritt geben? Manche Fachleute rechnen in ihren Prognosen für 2026 mit einer weiteren Zinserhöhung, doch der Ausblick ist längst nicht mehr so eindeutig wie noch vor einigen Wochen. Warum das auch für Sparer und Kreditnehmer relevant sein kann, lesen Sie hier. Weitere EZB-Zinsentscheid-Termine finden Sie hier im Überblick.

EZB-Leitzins 2026: Erste Zinserhöhung im Juni

Im Juni 2026 hat der EZB-Rat beschlossen, die drei Leitzinssätze zu erhöhen. Damit stieg der für Verbraucher relevante Einlagenzins auf 2,25 Prozent. Die Notenbank erklärte, dass durch den Krieg im Nahen Osten ein Druck auf die Inflation entstanden ist. Die Aussichten seien nach wie vor von Unsicherheit geprägt, und es bestünden Aufwärtsrisiken für die Inflation sowie Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum. Doch wie werden die Währungshüter im Juli entscheiden? Finanzprofis rechnen beim kommenden Zinsentscheid mit stabilen Zinsen – im Jahresverlauf 2026 könnte es allerdings noch weiter hochgehen.

„Beim EZB-Entscheid am 23. Juli ist nicht von einer Veränderung des Leitzinses auszugehen, wobei sich die Zentralbank die Option für künftige Erhöhungen offenhalten dürfte“, sagt Raisin-Chefanalystin Jasmin Ehlert gegenüber unserer Redaktion. Die EZB befinde sich in einer Zwickmühle: Zwar fiel die Inflation im Juni „überraschend niedrig“ aus, doch die erneute Nahost-Eskalation treibt die Ölpreise nach oben. Damit steige das Risiko hartnäckiger Inflation, während die Konjunktur schwach bleibe. „Ein klassisch stagflationäres Szenario, das die EZB zur Vorsicht und zum Abwarten zwingt“, so die Expertin.

Pressekonferenz nach EZB-Ratssitzung

Die Präsidentin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, entscheidet Ende Juli erneut mit ihren Ratsmitgliedern über die Zinsen im Euroraum. © Michael Probst/AP/dpa | Michael Probst

Prognosen zum EZB-Leitzins 2026: Experten rechnen mit weiterer Anhebung im Herbst

Der Nahost-Krieg spielt auch für die weiteren Zinsentscheide 2026 eine zentrale Rolle. „Aktuell ist davon auszugehen, dass der EZB-Einlagenzins das Jahr bei 2,50 Prozent abschließen wird“, sagt Ehlert. Das bedeutet also noch eine Zinserhöhung in diesem Jahr. „Nach einer Pause im Juli erwarte ich im Herbst einen weiteren Zinsschritt um 25 Basispunkte nach oben“, sagt die Expertin.

Die hohen Energiepreise dürften die Inflation über dem Zielwert halten und die EZB sollte im Herbst ausreichend Daten für eine fundierte Entscheidung haben, zumal auch die Auswirkungen der Inflation auf Löhne und Konsum – sogenannte Zweitrundeneffekte – dann in den Daten sichtbar sein sollten. Ein dritter Zinsschritt sei ihrer Meinung nach in diesem Jahr aber unwahrscheinlich.

Mit dieser Einschätzung ist Ehlert nicht allein. Auch Mark Dowding vom Vermögensverwalter RBC BlueBay Asset Management rechnet mit einer Zinspause der EZB im Juli – beim Ausblick danach ist der Profi jedoch vorsichtiger: „Die Entscheidung im September wird von der Entwicklung der Konjunkturdaten der nächsten Monate abhängen“, schreibt er in einem Marktkommentar.

Prognose für 2026: Wird die EZB die Zinsen wieder senken?

Den vorliegenden Einschätzungen nach spricht derzeit wenig für eine Zinssenkung 2026. Weder die offizielle Kommunikation der EZB noch Marktkommentare deuten auf baldige Korrekturen nach unten hin. Stattdessen geht es momentan eher um die Frage, ob die Notenbank auf Dauer stillhalten kann oder die Leitzinsen bei anhaltendem Energiepreisdruck ein weiteres Mal anheben muss.

EZB-Ratssitzung mit Zinsentscheidung

Eine Zinssenkung gilt derzeit für 2026 als eher unwahrscheinlich. © Florian Wiegand/dpa | Florian Wiegand

EZB-Leitzins: Warum Bauzinsen wohl weiter steigen werden

Der EZB-Leitzins wirkt sich nicht eins zu eins auf die Bauzinsen aus. Dennoch beeinflusst er die Erwartungen am gesamten Zinsmarkt – und damit auch die Konditionen für Immobilienkredite. Wenn Märkte mit anhaltend hohen Zinsen oder sogar neuen Zinserhöhungen rechnen, färbt das häufig auf Baufinanzierungen ab. Für Kreditnehmer ist deshalb nicht nur wichtig, wie die EZB handelt, sondern auch, ob sich die Spekulation auf spätere Zinserhöhungen verfestigt.

Oliver Kohnen, Geschäftsführer des Kreditvermittlers Baufi24, erwartet für die zweite Jahreshälfte 2026 „keine fallenden Zinsen“. Im Gegenteil: Die Tendenz zeige seiner Einschätzung nach eher leicht nach oben. „Wer eine passende Immobilie findet, sollte nicht auf Zinswunder warten, sondern kalkulieren und agieren“, sagt der Kredit-Profi.

Konkret würde die Schere bei den Endkundenkonditionen derzeit deutlich auseinandergehen – für Immobilienkäufer macht der Zinsunterschied zwischen zwei Banken oft Zehntausende Euro aus. „Wer heute viel Eigenkapital mitbringt und eine sehr gut abgesicherte Finanzierung sucht, kann am Markt aktuell Bestkonditionen von rund 3,5 Prozent bekommen“, sagt Kohnen. Fehlt es hingegen an Ersparnissen und es muss eine Vollfinanzierung (100 Prozent) sein, schlagen die Risikoaufschläge voll durch: „Hier liegen die Zinssätze für den Endkunden sofort bei rund 4,0 Prozent oder noch höher.“

Wer finanziert, sollte Angebote deshalb genau vergleichen. Welche Konditionen aktuell günstiger ausfallen, ermittelt ein Baufinanzierungs-Vergleich. Aktuelle Konditionsänderungen bei den Banken zeigt auch unser Zinsradar.

Sparen

Steigende Zinsen kommen Sparern zugute. Sie ermöglichen bessere Konditionen bei Produkten wie Fest- oder Tagesgeld.© DPA Images | Hendrik Schmidt

Was der EZB-Prognose für Tagesgeld und Festgeld bedeutet – wichtige Frage für Sparer

Für Sparer ist die Frage nach dem EZB-Leitzins 2026 ebenfalls wichtig. Denn wenn die Notenbank die Zinsen ein weiteres Mal erhöht, könnten die Konditionen bei Tagesgeld und Festgeld weiter anziehen. Genau das erwartet auch Ehlert: „Bei den Sparzinsen ist in diesem Jahr mit einem langsamen Aufwärtstrend zu rechnen, getrieben von den Zinserwartungen und dem Wettbewerb zwischen den Banken.“ Ihre Prognose: „Verbraucherinnen und Verbraucher sollten sich daher vor allem beim Tagesgeld und bei kürzeren Laufzeiten auf leicht steigende Zinsen einstellen.“

Für Sparer heißt das: Wer flexibel bleiben will, schaut stärker auf Tagesgeld. Wer sich Zinsen sichern möchte, prüft eher Festgeld. Einen Überblick über aktuelle Angebote liefern ein Tagesgeld-Vergleich und ein Festgeld-Vergleich.

EZB-Rat: Leitzinsen angehoben, in: Deutsche Bundesbank. Zuletzt abgerufen am 16.07.2026.

Im Gespräch mit Oliver Kohnen, Geschäftsführer von Baufi24, im Juni 2026

Im Gespräch mit Jasmin Ehlert, Chefanalystin bei Raisin, im Juli 2026

Marktkommentar von Mark Dowding, Fixed Income CIO bei RBC BlueBay Asset Management.