„Konnte so nicht weitergehen“: Ex-Frankreich-Trainer rechnet nach WM ab und verpasst sich dann Maulkorb
Stand: 21.07.2026, 13:12 Uhr
Nach 14 Jahren endet für Didier Deschamps das Kapitel als Frankreichs Nationaltrainer endgültig. Zu seinem Abschied findet er nochmal deutliche Worte.
Paris – Es war mit Sicherheit nicht das Ende, das sich Didier Deschamps ausgemalt hatte für die WM 2026, die zugleich das Ende seiner langen Karriere als französischer Nationaltrainer markierte. Erst der furiose Durchmarsch seiner Equipe Tricolore bis zum Halbfinale, dann der harte Fall mit der denkwürdigen 0:2-Pleite gegen den späteren Weltmeister Spanien.

Und zu guter Letzt das verloren gegangene Spektakel-Spiel um Platz drei gegen England (4:6), in dem Frankreich zur Halbzeit bereits vier Gegentreffer kassiert hatte und alles nach einer historischen WM-Schmach aussah. Der Abschied Deschamps geriet somit zu einem Spiegelbild all dessen, wofür er eigentlich nie stand: laut, chaotisch und am Ende geschlagen.
Ex-Frankreich-Trainer überrascht nach WM mit ehrlichen Worten: „Konnte so nicht weitergehen“
Dass Deschamps nach dieser Weltmeisterschaft aufhören würde, war seit Januar 2025 bekannt – da hatte der 57-Jährige bereits verkündet, seinen auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern. Nach der WM-Enttäuschung nutzte er die Gelegenheit, seine Beweggründe darzulegen – und wurde dabei überraschend deutlich.
„Ich habe beschlossen, dass es so nicht weitergehen konnte“, erklärte Deschamps gegenüber dem Sender M6. „Und wenn ich diese Entscheidung getroffen habe, dann nicht um meinetwillen – das sage ich ganz ehrlich – sondern zum Wohle der französischen Nationalmannschaft.“ Offenbar war es auch um das Binnenklima innerhalb der Mannschaft nicht mehr gut bestellt.
„Die Atmosphäre um mich herum wurde so erdrückend. Die französische Nationalmannschaft hat das nicht verdient“, führte er weiter aus. Trotz der Halbfinaleinzüge bei der WM 2022 und der EM 2024 war Deschamps zunehmend für den wenig mitreißenden Spielstil seiner Mannschaft kritisiert worden. Seiner eigenen Wahrnehmung nach hat die frühzeitige Ankündigung seines Abschieds der Mannschaft sogar geholfen: „Seit der Ankündigung läuft es für die französische Nationalmannschaft viel besser.“
Nun lässt sich darüber streiten, ob diese Aussagen zum enttäuschenden Abschneiden der Equipe Tricolore passt. Klar ist: Mit dem Ende in Miami schließt sich für Deschamps ein Kreis mit 187 Länderspielen und 14 Jahren an der Seitenlinie – eine Zeitspanne, die den französischen Fußball nicht nur aufgrund des WM-Titels 2018 nachhaltig geprägt hat.
Ein Nachfolger steht schon bereit: Zinedine Zidane, seit fünf Jahren ohne Traineramt, soll den Posten übernehmen. Der Weltmeister von 1998, der mit Real Madrid dreimal in Folge die Champions League gewann, wird seit Jahren mit der Nachfolge von Deschamps in Verbindung gebracht. Deschamps wiederum verpasste sich für die Zukunft einen Maulkorb: „Ich werde wieder ein stiller Fan sein, ich werde mir ab jetzt verbieten, über die französische Nationalmannschaft zu sprechen.“ Klar ist: Auf die französische Nationalmannschaft wartet eine neue Zeitenwende. (kus)