EU verhängt 550 Millionen Euro Strafe gegen AliExpress
Digital Services Act
EU verhängt 550 Millionen Euro Strafe gegen AliExpress
Die Strafe wird wegen des Verkaufs illegaler Produkte verhängt. Jeder fünfte Europäer gibt an, einmal im Monat bei Shein, Temu und AliExpress einzukaufen.
Brüssel/Peking – Die EU verhängt eine Millionenstrafe gegen den Online-Marktplatz AliExpress wegen des Verkaufs illegaler Produkte. Der chinesische Online-Riese muss eine Rekordstrafe von 550 Millionen Euro zahlen, unter anderem weil gefälschte Kleidung, unsicheres Spielzeug und gefährliche Kosmetika wochenlang nicht von der Plattform genommen wurden, wie die Europäische Kommission am Montag mitteilte.
Das Unternehmen, das zum Alibaba-Konzern gehört, hat demnach nicht genug getan, um die Verbraucher in der EU vor solchen Produkten zu schützen. Die Geldbuße war die dritte, die von der Europäischen Kommission im Rahmen des Digital Services Act (DSA) verhängt wurde. Die Regelung verpflichtet große Online-Plattformen dazu, mehr gegen illegale und schädliche Inhalte zu unternehmen.
193 Millionen Nutzer
Die EU-Beauftragte für Technologie, Henna Virkkunen, verwies auf die 193 Millionen Nutzer von AliExpress in Europa im vergangenen Jahr im Vergleich zu 156 Millionen bei Shein und 130 Millionen bei Temu. "Jeder fünfte Europäer gibt an, einmal im Monat bei Shein, Temu und AliExpress einzukaufen", sagte Virkkunen.
Die Aufsichtsbehörde erklärte, dass viele illegale Produkte über viele Wochen hinweg online blieben. Die Kommission beanstandete zudem die unwirksame Sanktionspolitik von AliExpress. Unternehmen, die bereits sanktioniert wurden, konnten demnach weiterhin illegale Produkte auf seiner Plattform verkauften. Dem Online-Riesen wird vorgeworfen, nicht genug Personal für die Überprüfung potenziell illegaler Produkte zu haben. Die Kontrolleure haben laut EU-Kommission zu viel Arbeit. Zudem würden die rechtswidrigen Produkte sogar empfohlen oder beworben, bevor AliExpress sie von der Plattform entferne.
Viele Fälschungen
Die Brüsseler Behörde hob dabei Fälschungen hervor, die auf der Plattform angeboten würden. Die Verkäufer solcher Produkte unterbieten nach Einschätzung der EU-Kommission seriöse Unternehmen, die in Design, Sicherheitsprüfungen und Innovation investierten. Sie zwängen diese, mit Produkten zu konkurrieren, bei denen diese Investitionen umgangen würden, teilt die EU-Kommission mit. EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen sagte, das Verhalten von AliExpress gefährde Verbraucher in Europa, aber es sei auch unfair gegenüber den Unternehmen, die sich an alle Gesetze hielten.
AliExpress gehört zu den asiatischen Online-Händlern, die dem europäischen Einzelhandel Sorgen bereiten. Neben dem Branchenriesen Amazon spielen Plattformen wie Temu, Shein und eben AliExpress eine wachsende Rolle in Europa. Europas Zoll ist dementsprechend mit einer wachsenden Paketflut aus dem Ausland konfrontiert. Um den unerwünschten Billigimporten etwas entgegenzusetzen, wird in der EU seit diesem Monat für jedes Paket mit einem Warenwert bis 150 Euro eine Abgabe in Höhe von drei Euro fällig.
Mildernde Umstände
Die Strafe für AliExpress ist höher als die Geldstrafen für Musks X (120 Millionen Euro) und Temu (200 Millionen Euro), die auch schon aufgrund von Verstößen gegen den DSA verurteilt wurden. Ein mildernder Faktor bei der Berechnung der Geldbuße sei die Neuartigkeit des Digital Services Act. Die Regulierungsbehörde erklärte, die Neuartigkeit des DSA sei ein mildernder Faktor bei der Berechnung der Geldbuße für AliExpress gewesen, die andernfalls höher hätte ausfallen können.
AliExpress entging im Juni letzten Jahres einer Geldbuße, die bis zu 6 % seines weltweiten Jahresumsatzes hätte betragen können, nachdem das Unternehmen Maßnahmen zur Bekämpfung der Verbreitung potenziell illegaler und pornografischer Inhalte auf seiner Plattform zugesagt hatte.
Reaktion von AliExpress
AliExpress erklärte, dass die von den EU-Technologieregulierungsbehörden verhängte Strafe wegen unzureichender Maßnahmen zur Bekämpfung illegaler und gefälschter Produkte auf seiner Plattform unverhältnismäßig sei. "Wir sind mit der heutigen Entscheidung und der unverhältnismäßigen Geldbuße nicht einverstanden, da diese unser etabliertes Rahmenwerk und die erheblichen, proaktiven Verbesserungen, die wir vorgenommen haben, nicht angemessen widerspiegelt", erklärte AliExpress in einer E-Mail. "Wir prüfen die Entscheidung sorgfältig und erwägen alle verfügbaren Optionen."
Der heimische Handelsverband sieht sich in der Entscheidung der EU-Kommission bestätigt. "Das Problem sind nicht einzelne Produkte, sondern strukturelle Defizite auf manchen internationalen Onlineplattformen. Wer Millionen Produkte in Europa verkauft, muss auch Verantwortung für deren Sicherheit übernehmen", so Handelssprecher Rainer Will in einer Aussendung.(APA/Reuters, 20.07.2026)
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