EU- und Nato-Mitglied Bulgarien lehnt »Koalition der Willigen« für die Ukraine ab
»Der Platz von Bulgarien ist nicht dort«: Bulgariens Ministerpräsident Rumen Radew weicht von der europäischen Linie im Ukrainekrieg ab. Der Ex-Kampfpilot verlangt eine diplomatische Mission.
15.07.2026, 06.23 Uhr
Bulgariens Ministerpräsident Rumen Radew
Foto: Valentina Petrova / AP / dpa
Der EU- und Nato-Mitgliedstaat Bulgarien hat eine Teilnahme an der »Koalition der Willigen« zur Unterstützung der Ukraine abgelehnt. »Der Platz von Bulgarien ist nicht dort«, sagte der neue bulgarische Ministerpräsident Rumen Radew am Dienstag in Paris einem Bericht des Bulgarischen Nationalen Fernsehens BNT zufolge. Bulgarien nehme nicht an einer Koalition teil, die auf eine Fortsetzung der finanziellen und militärischen Hilfe für die Ukraine bestehe, erläuterte Radew. Er habe eine Einladung von Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron zur Beteiligung an einer »Koalition der Willigen« erhalten, hielte sich aber in Paris anlässlich des französischen Nationalfeiertags auf.
DER SPIEGEL 14.07.2026
Zum Ukrainekrieg sagte der frühere Kampfjetpilot und Chef der bulgarischen Luftstreitkräfte Radew: »Die Lösung dieses Konflikts ist nicht in seiner Verlängerung mit militärischen Mitteln, sondern in einer starken diplomatischen Mission, die ein Ende der Eskalation setzt.«
Der bulgarische Ex-Präsident Radew ist Regierungschef seines Landes seit Mai 2026. Im Gegensatz zu früheren Regierungen in Sofia hatte er sich als Staatschef für eine diplomatische Lösung des Ukrainekriegs eingesetzt. Russland begann seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine im Februar 2022.
Manöver der »Koalition der Willigen« ohne Deutschland
Deutschland wird sich nach Angaben aus Regierungskreisen nicht an den ersten Militärmanövern der zur Unterstützung der Ukraine gebildeten »Koalition der Willigen« in Polen beteiligen. Es handele sich um eine »Stabsrahmenübung im kleinen Umfang«, die ohne deutsche Beteiligung stattfinde, hieß es in Berlin.
Die Koalition von rund 35 Ukraine-Verbündeten hatte sich am Montag bei einem Treffen in Paris auf die ersten Übungen der multinationalen Ukraine-Truppe verständigt. Sie wird zur Unterstützung der Ukraine im Fall eines Waffenstillstands mit Russland aufgebaut. Die ersten Manöver sollen in Polen stattfinden, einem der Nachbarländer der Ukraine.
Damit wolle sich die Koalition auf »konkrete Sicherheitsgarantien für die Ukraine, aber auch für die Region vorbereiten«, sagte der polnische Ministerpräsident Donald Tusk der Nachrichtenagentur PAP zufolge. Als weitere Teilnehmerstaaten nannte er Frankreich und Großbritannien. Bei Stabsrahmenübungen geht es vor allem darum, dass Führungsstäbe Entscheidungswege oder Truppenverlegungen trainieren – meist, ohne dass sie militärisches Gerät oder Soldaten im Gelände bewegen.
Noch keine Entscheidung über deutschen Beitrag
Die Bildung der multinationalen Truppe unter europäischer Führung zur Absicherung eines möglichen Waffenstillstands war im Dezember auf einem Ukrainegipfel in Berlin beschlossen worden. Der französische Präsident Emmanuel Macron hatte am Montag davon gesprochen, dass die Truppe bereits einsatzfähig sei.
Merz sprach lediglich davon, dass die »Koalition der Willigen« bereit sei, bei den Sicherheitsgarantien für die Ukraine nach einem Waffenstillstand eine »wichtige Rolle« zu spielen in enger Zusammenarbeit mit den USA. »Über Art und Umfang des deutschen Beitrags wird die Bundesregierung und der Deutsche Bundestag ebenfalls entscheiden«, betonte der Kanzler. Merz hatte den deutschen Beitrag für eine multinationale Truppe schon im Dezember nach dem Ukrainegipfel in Berlin offen gelassen.
dop/dpa