„Es gab viele, viele Tränen“: Café im Klosterdrubbel schließt – Krankheit beendet einen Traum
Stand: 25.07.2026, 05:30 Uhr
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Das Café im Klosterdrubbel ist zu: Ihre Diagnose lässt der Betreiberin keine Wahl. Die Marzipantorte retten müssen nun andere, sagt sie.
Hamm – Es gibt kein „Vielleicht“. Die Antwort ist ein unmissverständliches „Niemals mehr“. Am liebsten wäre Yvonne „Yvi“ Lichtblau ein klares „Ja“ gewesen. Aber eine seltene Krankheit hat ihr Leben so sehr verändert, dass sie ihr beliebtes Café im Klosterdrubbel nicht mehr betreiben kann. Die „Marzipantorte retten“, so wie sie es sich bei der Eröffnung im Juli 2020 zum Ziel gesetzt hatte, müssen nun andere.
Am 28. Juni war der letzte Öffnungstag für Gäste. Das Café im Klosterdrubbel hatten viele, vorwiegend die ältere Generation, zu ihrem Stammhaus auserkoren. Mit Retro-Charme der 1980er Jahre und vor allem dem reichhaltigen Angebot an Konditor-Torten hatte es Alleinstellungsmerkmale, die viele zu schätzen wussten. „Es war ein Café, das ich selbst gerne besuchen würde“, sagt Lichtblau und lässt den Blick durch den leeren Raum schweifen. „Es fällt mir jetzt schwer, unter diesen Umständen hier zu sein.“
Café im Klosterdrubbel schließt – Krankheit beendet einen Traum
„Das könnte ich doch machen“, habe sie sich im März 2020 gesagt. Damals wurde ein Nachfolger für das Objekt an der Oststraße gesucht. Zu dem Zeitpunkt hatte sie noch ihren Streetfood-Stand auf dem Wochenmarkt. Ein „so schönes Café“ habe schon immer in ihrem Kopf herumgespukt, auch wenn sie keinerlei Erfahrung in dieser Richtung hatte. Letztlich überzeugte sie Mann, Tochter und Mutter von der „Mission Marzipantorte“ und kaufte im März 2020 das Inventar – inklusive Stühlen mit dem markanten Blumenmuster.

Eigentlich ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt, denn auf den ersten Corona-Lockdown im Frühjahr 2020 folgte damals der harte Lockdown zum Jahresende. „Zeitweise gab es den Kuchen nur zum Mitnehmen“, erinnert sich Lichtblau. „Lange kannten uns die Kunden nur mit Masken.“ Lichtblau und ihr zuletzt vierköpfiges Team überstanden die Pandemie und etablierten sich in der Hammer Café-Landschaft.

Zu Torten am Nachmittag kamen ein Frühstücksangebot und ein kleiner Mittagstisch. Auch das Außerhausgeschäft mit Torten für besondere Anlässe sei gut nachgefragt gewesen. Afterwork-Themenabende rundeten das Programm ab. „Ich habe damals sehr schnell gelernt“, sagt Lichtblau. „Es hat mir viel Spaß gemacht. Im Grunde hatte ich zwei Zuhause. Eins davon war hier im Café.“
Der Moment, der alles verändern sollte, kam im September 2024. Weil sie wegen einer Fehlstellung des rechten Fußes Schmerzen hatte, ließ sich Lichtblau operieren. Ein halbes Jahr gab sie sich damals, bis sie wieder für ihre Gäste da sein konnte. Die Prognose ging nicht auf, denn mit der OP kam keine Besserung, sondern eine seltene Erkrankung: CRPS, das Chronische Regionale Schmerzsyndrom, das für die 48-Jährige vor allem eines bedeutet: permanente Schmerzen.
„Das war kein Operationsfehler“
„Das war kein Operationsfehler“, sagt sie. „Das kann einfach passieren.“ Ihr ist es „einfach passiert“. Die Symptome: Dauerschmerzen, die selbst durch leichte Berührungen der Haut oder sogar einen Windhauch ausgelöst werden können. Der Knochen ist nicht mehr belastbar, der Weg in den Rollstuhl war unausweichlich. Inzwischen steht fest, dass sie ihn nie mehr verlassen wird.
Aus dem geplanten halben Jahr sind nun fast zwei geworden. „Die Mitarbeiterinnen haben mich super unterstützt“, sagt Lichtblau. Auch ihre Tochter und ihre Mutter halfen mit. Aber jetzt gebe es schlicht keine Perspektive mehr, und die Kosten liefen davon. Nur auf eine Art könne solch ein Betrieb letztlich funktionieren: „Du musst selbst drinstehen. Für die Kunden und damit es sich rechnet.“ Weil es letzteres nicht mehr tue, habe sie Insolvenz angemeldet.

Ein Nachfolger, der das Café samt Inventar übernehmen würde, habe sich nicht gefunden. „Es gab viele, viele Tränen“, sagt Lichtblau. Ihr Lachen hat sie trotz aller schwerer Rückschläge nicht verloren. „Ich kann aufgeben oder nicht“, sagt sie. Und lächelt.