Erster Beigeordneter vertritt Bürgermeisterin – und organisiert sogar Sargträger

Stand: 20.07.2026, 06:00 Uhr

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Liederbach Erster Beigeordneter Dieter Herbert vertritt die Bürgermeisterin

Mal auf dem Chefsessel: Erster Beigeordneter Dieter Herbert vertritt die Bürgermeisterin. © wein

Dieter Herbert ist seit zehn Jahren Erster Beigeordneter in Liederbach und vertritt die Bürgermeisterin ehrenamtlich. In einer Woche musste er unter anderem für eine Beisetzung einen vierten Sargträger organisieren.

Liederbach – Dieter Herbert hat eine intensive Woche hinter sich. Jeden Tag im Rathaus die Post sichten. Personalentscheidungen zusammen mit dem Gemeindevorstand treffen. Über die Verlängerung der Baustelle Taunusstraße/Bahnstraße entscheiden und diese kommunizieren. Den Bouleplatz für die Ferienspiele und ein Turnier herrichten lassen. Sich um ein von Bürgern moniertes, klemmendes Friedhofs-Tor kümmern und sogar für eine Beisetzung einen vierten Sargträger organisieren. „Der Arbeitsaufwand ist schon verrückt. Ich habe zwar keine Vergügungsmittel, aber die volle Verantwortung“, sagt der Aushilfs-Bürgermeister, der im Moment Rathauschefin Eva Söllner (beide CDU) vertritt. Kein anderer Ehrenamtler in der Politik müsse so viel im Hauptamt leisten. Deshalb sei es gut, auch einmal darüber zu berichten. „Denn die Leute wissen nicht, dass ich das ehrenamtlich mache. Aber sie können gerne mal wissen, was da alles dran hängt.“

CDU LiederbachDieter Herbert als junger Politikerer sitzt 25 Jahre im Gemeindevorstand

Schon vor 47 Jahren ging Dieter Herbert in die Politik. © Schleich

Herbert macht den Job trotz aller auch überraschenden Belastungen schon lange und gerne. Nach der Kommunalwahl ist der 71-Jährige bereits zum dritten Mal zum Ersten Beigeordneten ernannt worden. Er hat also gut zehn Jahre in diesem Vertretungsposten für die Bürgermeisterin auf dem Buckel. Ein zweiter Hauptamtlicher im Rathaus war aus personellen und finanziellen Gründen nie Thema. Herbert hat im Ehrenamt Karriere gemacht. 1979 rückte er in die Gemeindevertretung nach, seit 27 Jahren sitzt er nun schon im Gemeindevorstand, ist seitdem der Dezernent für die Feuerwehr, inzwischen auch für die Vereine. Durch seine aktive Tätigkeit bei den Brandschützern und der TSG Niederhofheim, wo seine Frau Doris Vorsitzende ist, kennen ihn viele Liederbacher.

Und entsprechend oft wird er kontaktiert, wenn die Bürger ein Anliegen haben. „Man ist Ansprechpartner für jedermann. Jeder hat ein Anliegen, das ist nicht ohne“, betont Herbert, der den Bürgermeister-Job nie hätte machen wollen. Als Vertretung von Söllner habe er dann aber „den Hut auf“, sei für Anfragen auch der Mitarbeiter da, müsse mit ihnen oder allein wichtige Entscheidungen treffen, Rechnungen freigeben, Briefe unterschreiben. Oder auch mit der Bürgermeistern sonst an wichtigen Terminen und Gesprächen teilnehmen. „Der ganze Betrieb muss ja weiterlaufen.“ Deshalb sei es schon knifflig, wenn neben der Bürgermeisterin weitere wichtige Amtsleiter im Rathaus fehlen.

„Verantwortung kann man nicht delegieren“, betont Herbert auch und sieht sich durchaus als „günstigen Mitarbeiter“ für die Kommune. Jeden Tag sei er in der Vertretungszeit mindestens drei Stunden im Rathaus. Seine Erfahrung sei ihm dabei eine große Hilfe. Weshalb sich Herbert sehr früh entschieden hat, noch eine Wahlzeit weiterzumachen. Und froh ist, dass andere erfahrene Kräfte wie Parlamentschefin Karin Schneider ebenso mit an Bord geblieben sind. Denn mit Dirk Büttner (CDU) wird ein neuer Bürgermeister am 2. Januar 2027 anfangen. Da sollte es einen „guten Übergang“ geben, auch mit erfahrenen Kräften. Nach fünf weiteren Jahren soll für Herbert dann Schluss sein, es geht dann von seinem Politik-Abschied aus. Eine weitere Ära in der Riege der Rathaus-Vize mit Joachim Strömer (FDP) und Sigrid Grether (CDU), die beide gestorben sind, würde dann enden.

Herbert war auch im Siebener-Ausschuss, der den einzigen Kandidaten Büttner ausgewählt hat, und verspricht sich einiges von der Personalie. Dass der CDU-Kandidat keinen Gegner hat, findet der Erste Beigeordnete schon schade: „Das ist schlechter für die Demokratie. Da muss man die Leute motivieren, zur Wahl zu gehen. Und Büttner kämpft fast gegen sich selber.“ Die Aufgaben für einen neuen Rathauschef „werden ja nicht weniger“, weiß Herbert zudem. „Das ist unglaublich, was da geleistet werden muss. Da kommt allerhand auf ihn zu. So einen Job muss man wollen.“ Er wolle dann dort als rechte Hand mit seiner Erfahrung gerne Ratschläge geben und helfen.

„Mein Naturell ist: Ich will jedem helfen, wo es möglich ist.“ Dass ihm da mitunter die Hände gebunden sind oder er zurückrudern muss, sei schon „unangenehm“. Als Beispiel nennt Herbert den neuen Kunstrasenplatz für die SG Oberliederbach. Als Vertreter der Gemeinde hatte er bei der vergangenen Jahresabschlussfeier für 2026 das neue Feld angekündigt. Nun kommt es wegen noch nicht bewilligter Zuschüsse wohl erst nächstes Jahr. Das ärgere ihn, denn die Spielfläche sei nachweislich kaputt, müsse nun noch einmal geflickt werden. Auch hätte er sich deutlich weniger Diskussionszeit und eine schnellere Entscheidungsfindung beim Baugebiet „Westlich Sindlinger Weg“ gewünscht. Seine Aufgabe fasst er zusammen: „Es ist vielen nicht bewusst, was da hinten dran hängt.“ Aber sie sei auch spannend, immer abwechslungsreich, fast wie eine Wundertüte. Die Herbert nun noch zwei Wochen lang „auspacken“ wird.