Erste vegetarische Jugendherberge Bayerns: Manche suche noch die Wurst

Stand: 24.07.2026, 18:00 Uhr

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Will mit seinem Team Nachhaltigkeit leben: Kevin Kirschke, Leiter der   Jugendherberge Moun10 in Garmisch-Partenkirchen.

Will mit seinem Team Nachhaltigkeit leben: Kevin Kirschke, Leiter der Jugendherberge Moun10. © Krinninger

Die Jugendherberge Moun10 in Garmisch-Partenkirchen verzichtet komplett auf Fleisch – als einziges Haus in ganz Bayern. Was mehrheitlich gut ankommt. Warum aber setzen nicht mehr Unterkünfte auf das Konzept, nachdem vegetarisch und vegan doch seit Langem im Trend liegen.

Garmisch-Partenkirchen – Manchmal kommt es noch vor. Dass ein Gast etwas verloren dasteht mit seinem Teller in der Hand. Der sucht und sich bei Kevin Kirschke erkundigt. Wo denn die Wurst sei. Ob die noch komme. Nein, erklärt ihnen der 41-Jährige. „Die kommt nicht mehr.“ Die gibt es nicht mehr auf dem Frühstücksbuffet in der Jugendherberge Moun10 in Garmisch-Partenkirchen. Seit wenigen Monaten darf sie den Titel „erste vegetarische Jugendherberge Bayerns“ tragen (wir berichteten). Sogar in ganz Deutschland nimmt das Haus damit eine Vorreiterrolle ein. Seit 2022 verzichtet die Unterkunft in Büdingen in Hessen komplett auf Fleischprodukte. Ansonsten bekommen die Besucher überall noch Salami und Schinken, Wiener und Schnitzel.

Erste vegetarische Jugendherberge Bayern: Alleinstellungsmerkmal überrascht

Das Werdenfelser Alleinstellungsmerkmal überrascht, entspricht es doch eher dem Zeitgeist, gleich ganz auf tierische Produkte zu verzichten, auf Fleisch sowieso. Marko Junghänel ordnet die Situation etwas anders ein. Er fungiert als Sprecher für den Landesverband Bayern des Deutschen Jugendherbergswerks. In 47 von 48 Häusern kommt zwar nach wie vor Fleisch und Wurst auf den Teller. Doch sei es seit vielen Jahren normal, vegetarische und vegane Alternativen in allen Unterkünften anzubieten. „Der Trend ist längst bei uns angekommen“, sagt Junghänel. Flächendeckend umzustellen, hält er logistisch und finanziell – preislich ergibt sich seiner Meinung nach kein Unterschied, man fahre eher günstiger – für kein großes Problem. „Die Herausforderung liegt gar nicht so sehr bei uns, sondern mehr bei den Gästen.“ Nach wie vor erwarteten zu viele Übernachter Fleischgerichte auf den Menükarten. Zumindest abends.

Nur Frühstück in Garmisch-Partenkirchner Jugendherberge: Umstellung auf vegetarisch leichter

Das Moun10 in Garmisch-Partenkirchen mit seinen 192 Betten in 53 Zimmern und etwa 35 000 Übernachtungen im Jahr nimmt unter Bayerns Unterkünften eine Sonderstellung ein: Sie bietet die meiste Zeit im Jahr nur Frühstück an. Der Verzicht hält sich also in Grenzen. Zudem hat das Team das Angebot am Morgen erweitert. Neue selbst gemachte Aufstriche hat es kreiert, es gibt jetzt Rührei, Erdnussbutter, mehr Müslisorten und Porridge. Umfassend informierte das Haus im Vorfeld über den Schritt, die meisten Gäste wissen also schon bei der Buchung Bescheid. „Und es kommt gut an“, erzählt Leiter Kirschke. Etwa zwölf Wochen im Jahr kocht die Mannschaft mittlerweile auch ein Abendessen für Schulklassen, die Nachfrage danach war groß. Es bleibt vegetarisch.

Manche wünschen sich Wurst: Mitbringen in der Tupperschüssel erlaubt

Seit 2021 leitet Kirschke das Haus in Garmisch-Partenkirchen. Dort hat er die Diskussion angestoßen. Für ihn, selbst kein Vegetarier, passt die fleischlose Küche besser zum Gedanken der Nachhaltigkeit, die er und sein Team im Moun10 leben wollen. Deshalb möchte er auch den Anteil an Bioprodukten weiter erhöhen. Dabei aber stets flexibel auf die Wünsche der Gäste reagieren.

Denn für ein paar wenige, das hat er bemerkt, spielt der Bierschinken auf dem morgendlichen Brot doch eine wichtige Rolle. Käse, Marmelade, Honig und Co. machen sie auf Dauer nicht glücklich. Vor allem nicht, wenn sie mehrere Tage im Moun10 übernachten. „Dann dürfen sie in einer Tupperschüssel ihre eigene Wurst mitbringen.“