„Ernstes Standortproblem“: Wichtige Bahnstrecke über Saarbrücken wird gesperrt – Saar-Wirtschaft alarmiert

„Ernstes Standortproblem“ Wichtige Bahnstrecke über Saarbrücken wird gesperrt – Saar-Wirtschaft alarmiert

Saarbrücken · Eine wichtige Bahnstrecke über Saarbrücken und Homburg wird ab dem Jahr 2028 zeitweise gesperrt. Die Saar-Wirtschaft befürchtet erhebliche Beeinträchtigungen und ist sogar in Sorge um den Standort.

27.07.2026 , 07:00 Uhr

Die Saar-Wirtschaft befürchtet Beeinträchtigungen, wenn die Bahnstrecke nach Ludwigshafen ab 2028 zeitweise gesperrt wird.

Die Saar-Wirtschaft befürchtet Beeinträchtigungen, wenn die Bahnstrecke nach Ludwigshafen ab 2028 zeitweise gesperrt wird.

Foto: dpa/Christoph Schmidt

Die Vereinigung der Saarländischen Unternehmensverbände (VSU) warnt mit Blick auf die geplante Sanierung der Bahnstrecke Ludwigshafen–Forbach vor erheblichen Belastungen für den Standort Saarland. Nach den bislang bekannt gewordenen Planungen der Deutschen Bahn soll die für das Saarland zentrale Schienenverbindung über Homburg und Saarbrücken im Jahr 2028 für acht Wochen und 2029 für rund fünfeinhalb Monate vollständig gesperrt werden. Von den Einschränkungen wären der Nah- und Fernverkehr ebenso betroffen wie der Güterverkehr.

Wirtschaft im Saarland warnt: „Wettbewerbsfähigkeit darf nicht leiden“

„Die Sanierung der Schienen-Infrastruktur darf nicht dazu führen, dass das Saarland über Monate faktisch von seiner wichtigsten Schienenverbindung in Richtung Mannheim und damit vom Fernverkehr abgeschnitten wird“, sagt VSU-Hauptgeschäftsführer Martin Schlechter. „Eine verlässliche Verkehrsanbindung ist eine Frage der Lebensqualität der Menschen und eine zentrale Voraussetzung für einen wettbewerbsfähigen Wirtschaftsstandort.“

Besonders kritisch ist aus Sicht der VSU, dass sich mehrere infrastrukturelle Herausforderungen zeitgleich überlagern. So wird der Verkehr auf der A620 durch die auf mehrere Jahre angelegte Grundsanierung des wichtigsten Autobahnabschnitts im Saarland bereits erheblich belastet. Gleichzeitig steht ab dem kommenden Jahr der Neubau der Fechinger Talbrücke an, der rund sechs Jahre die Autobahnverbindung in Richtung Mannheim massiv beeinträchtigen wird.

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Foto: Screenshot Website Deutsche Bahn/SZ Redaktion

Unternehmen brauchen Planungssicherheit

„Wenn Schiene und Straße gleichzeitig eingeschränkt sind, entsteht ein ernstes Standortproblem“, sagt Schlechter. „Unternehmen brauchen Planungssicherheit – für ihre Beschäftigten, für Geschäftsreisen, für Kundenkontakte, für den Güterverkehr. Das Saarland darf nicht zum infrastrukturellen Rand-Standort werden.“

Von der Bahn, der Landesregierung und vom Bund fordert die VSU ein optimal abgestimmtes Baustellen-Management sowie frühzeitig transparente Informationen über die geplanten Maßnahmen und deren Auswirkungen.

Auch IHK warnt vor Problemen und hat hohe Erwartungen an Deutsche Bahn

Auch die Industrie- und Handelskammer (IHK) des Saarlandes warnt vor Beeinträchtigungen. Die fünfeinhalbmonatige Vollsperrung wird Unternehmen und Pendler nach Ansicht der IHK erheblich belasten. „Diese Einschränkungen sind nur dann vermittelbar, wenn die Baustelle professionell gemanagt wird und am Ende ein spürbarer Qualitätsgewinn steht“, sagte Hauptgeschäftsführer Frank Thomé auf Anfrage der Saarbrücker Zeitung.

Jetzt komme es darauf an, dass Ersatzverkehr, Umleitungsstrecken und Informationsmanagement reibungslos funktionierten. Baustellen-Management sei nämlich kein Nebenthema, sondern entscheide über den wirtschaftlichen Schaden während der Bauzeit. „Deshalb erwarten wir von der Deutschen Bahn, dem Bundesverkehrsministerium und der Landesregierung eine frühzeitige, transparente und verlässliche Kommunikation sowie eine enge Abstimmung mit der Wirtschaft“, sagte Thomé weiter.

Rechtzeitige Ertüchtigung der Mosel- und Nahe-Strecke gefordert

Zugleich müssten die Ausweichrouten auf Schiene und Straße leistungsfähig sein. Dazu gehören seiner Ansicht nach die rechtzeitige Ertüchtigung der Mosel- und Nahe-Strecke, leistungsfähige Schnellbusverbindungen zwischen Saarbrücken und Mannheim sowie der beschleunigte Ausbau alternativer Güterverkehrsachsen. Hierzu zählten insbesondere der Ausbau der Moselschleusen sowie die Schließung der Lücken auf der A 1 und der B 10.

Die Sanierungsarbeiten begrüßt die IHK allerdings auch ausdrücklich. Die Generalsanierung der Bahnstrecke sei überfällig und für den Wirtschaftsstandort Saarland von zentraler Bedeutung.

Mehrere große Unternehmen mit zentraler Bedeutung für das Saarland sind allerdings von der Sperrung der Bahnstrecke gar nicht betroffen, wie eine Umfrage der Saarbrücker Zeitung ergab.

Saarstahl und Dillinger in Gesprächen mit der Bahn

Auf die Produktion in den Schaeffler-Werken in Homburg hat die Sperrung keine Auswirkungen, wie eine Sprecherin mitteilte. Die Anlieferung und der Abtransport der Güter erfolgten über alternative Transportwege, insbesondere per Lkw. Dasselbe gilt für das Bosch-Werk in Homburg. Bosch erhält keine Lieferungen mit der Bahn, und die Kunden werden per Lkw bedient. ZF Saarbrücken ist von der Sperrung nach eigener Aussage auch nicht betroffen. Anders sieht es bei Saarstahl und Dillinger aus. Dort werde sich die Sperrung auf den Schienengüterverkehr der SHS-Gruppe auswirken, der über diesen Teil der Strecke abgewickelt werde. „Wir haben Gespräche mit DB InfraGo aufgenommen und treiben die erforderlichen Planungen voran“, teilte eine Sprecherin auf Anfrage mit. (sas)