Er soll auf Jens Spahn folgen: Warum Thorsten Frei eine gute Wahl ist

Er soll auf Jens Spahn folgen Warum Thorsten Frei eine gute Wahl ist

22.07.2026 · 13:32 Uhr

Thorsten Frei (CDU), bislang Chef des Bundeskanzleramts, im Plenum des Bundestags.

Thorsten Frei (CDU), bislang Chef des Bundeskanzleramts, im Plenum des Bundestags.

Foto: Markus Lenhardt/dpa/Markus Lenhardt

Meinung | Berlin · Viel Zeit haben CDU und CSU nicht verstreichen lassen. Nur wenige Tage nach dem Rücktritt von Jens Spahn ist klar, wer den mächtigen Posten des Unionsfraktionschefs im Bundestag übernehmen soll. Das ist gut so.

Vorangegangen waren Gespräche in den Parteigremien der Union und in der Bundestagsfraktion. Merz hatte nach dem Rücktritt von Jens Spahn, der über eine Leihmutterschaft in den USA gestolpert war, angekündigt, in Abstimmung mit der Schwesterpartei „relativ bald“ einen Personalvorschlag zu machen. Das ist nun geschehen und befriedet zumindest einen Teil der Personaldebatte. Wer Frei aber im Kanzleramt nachfolgt und ob es weitere Umbildungen im Kabinett gibt, blieb zunächst offen.

Frei war in der vergangenen Legislaturperiode Parlamentarischer Geschäftsführer, ist immer noch recht beliebt in der Fraktion, sucht gerne das Licht der Öffentlichkeit. Er kennt das Parlament, die Abläufe und ist auch in den anderen Fraktionen verdrahtet. Gleichzeitig verfolgt er einen strengen Kurs, etwa in Sachen Migrations- oder Sicherheitspolitik. Und er ist einer derjenigen, der als Erster am Schreibtisch sitzt und als Letzter geht. Er gilt als akribisch.

In seine neuen Aufgaben im Kanzleramt musste sich der CDU-Politiker aus Baden-Württemberg jedoch erst einfinden, die Organisation der Regierungsarbeit gelang ihm im ersten Jahr nicht immer zu aller Zufriedenheit. Auch der Kanzler war manches Mal genervt von den Pannen im eigenen Haus.

Nun hat Merz die Chance, dort einen Mann der zweiten Reihe einzusetzen, der vor allem das macht, was ein Kanzleramtsminister tun muss: Im Stillen alle Regierungsgeschäfte vor- und nachbereiten - und zwar reibungslos.

Frei aber kann - Achtung Wortspiel - wieder freier aufspielen, in Sachen Medien, in Sachen Positionierung der Union, in Parlamentsreden. Einfach aber wird es für den 52 Jahre alten Abgeordneten nicht, die AfD hat Oberwasser, die SPD ist kein einfacher Regierungspartner für die Union. Und Grüne und Linke schwören sich zunehmend mit ihren Vorwürfen auf den Kanzler ein. Frei muss Mehrheiten organisieren, dabei den Unmut der Abgeordneten erspüren und vorher ausräumen. Seinem Vorgänger war das zuletzt etwa im Rentenstreit der Regierung mit der Jungen Gruppe im vergangenen Winter am Ende gelungen. Daran wird Frei gemessen werden. Merz schreckte offenbar davor zurück, der CSU zu viel Macht in der Fraktion einzuräumen. Auch Alexander Dobrindt wäre eine sehr gute Wahl gewesen. Doch einen erfolgreichen Unions-Innenminister nun nach einem Jahr wieder abzuberufen - in der Bevölkerung hätte man das auch nicht verstanden.

Meistgelesen

Mehr zum Thema

Aktuell wichtig