Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Hamburgs queerer »Denk-Ort« verzögert sich
Die Elbvertiefung am Dienstag – Mit »Smart Glas« ins Freibad? Die Linkspartei will es verbieten. Außerdem: Jeder vierte Abgeordnete in Hamburg hat Migrationsgeschichte
Aus der Kolumne: Elbvertiefung
- Juli 2026, 6:00 Uhr
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Liebe Leserin, lieber Leser,
Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit. Und Kunst im öffentlichen Raum? Macht noch mehr Arbeit. Das ist der Grund, warum sich der Pavillon der Stimmen verzögert, eine Installation, die an der Binnenalster ein Zeichen für Queerness setzen soll, also für geschlechtliche und sexuelle Vielfalt.
Im vergangenen Jahr hat der Künstler Ólafur Elíasson mit mir über den Entwurf gesprochen, Sie können das hier nachlesen (Z+). Damals hieß es aus der Kulturbehörde, dass der Bau noch im selben Jahr beginnen und 2026 abgeschlossen werden solle. Einige in der Stadt hofften auf eine feierliche Eröffnung rechtzeitig zur Pride Week, die am kommenden Wochenende startet. Doch daraus wird nichts. Am zukünftigen Standort des Pavillons, an der Ecke von Lombardsbrücke und Neuem Jungfernstieg, sieht es heute noch genauso aus wie vor einem Jahr.
»Die baulichen Arbeiten vor Ort haben noch nicht begonnen«, teilt die Kulturbehörde auf Anfrage mit. Der Pavillon der Stimmen sei »nicht nur ein Kunstwerk«, sondern »zugleich ein komplexes Bauprojekt« im öffentlichen Raum, erläutert eine Sprecherin der Behörde: »Entsprechend sind im Vorfeld Abstimmungen mit zahlreichen Behörden und Fachstellen erforderlich, unter anderem zu Genehmigungen, Denkmalschutz, Barrierefreiheit, Infrastruktur, Einsatz von Licht und Ton sowie zur Landschaftsplanung des gesamten Areals.« Das hätte länger gedauert als erwartet.
Mit der Verzögerung geht eine Verteuerung einher. Die Bürgerschaft hatte 414.000 Euro für die Planung und Umsetzung eines »Denk-Orts für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt« bewilligt. »Nach derzeitigem Stand wird das Projekt voraussichtlich um etwa fünf bis zehn Prozent teurer als ursprünglich kalkuliert«, sagt die Sprecherin der Kulturbehörde. »Grund hierfür sind die allgemeinen Kostensteigerungen, die momentan alle Bauprojekte betreffen.« Die zusätzlichen Kosten übernehme die Kulturbehörde.
Aktuell werde mit einem Baubeginn im kommenden Frühjahr gerechnet und mit einer Fertigstellung im Frühsommer 2027. Mit etwas Glück also: rechtzeitig zur Pride Week.
Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!
Ihr Oskar Piegsa
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WAS HEUTE WICHTIG IST
Fast jeder vierte Abgeordnete der Bürgerschaft hat einen Migrationshintergrund. Das ergab eine Abfrage, die erstmals von der Bürgerschaftskanzlei durchgeführt wurde. 102 der 121 Abgeordneten nahmen teil, 29 gaben an, einen Migrationshintergrund zu haben, das entspricht 24,0 Prozent. Zum Vergleich: Unter allen Hamburgerinnen und Hamburger sind es 41,2 Prozent.
Die Linke fordert das Verbot von »Smart Glasses« in Hamburgs Schwimmbädern und Saunen. Die mit Kamera ausgestatteten Brillen seien eine Gefahr für die Privatsphäre, teilte die Bürgerschaftsfraktion der Partei mit. Eine beispielhafte Kamerabrille zeigen wir auf unserem Foto, mehr über ihre technischen Möglichkeiten lesen Sie hier (Z+).
Auch dieses Jahr campieren wieder Punks auf Sylt. Auf dem Festplatz in Tinnum haben sie ihr vierwöchiges Zeltlager eröffnet. Es ist bereits das fünfte in Folge auf der Nordseeinsel. Unter dem Motto »Normalize Revolution« seien Workshops, Musikveranstaltungen und Demonstrationen geplant.
In Hagenbecks Tierpark müssen zwölf lebensgroße Dinosaurier-Skulpturen restauriert werden. Die denkmalgeschützten Giganten sind nach Angaben des Tierparks 117 Jahre alt. Durch Risse in ihrem Kunstharz dringt Wasser ein. Eine Restauratorin habe mit der Bestandsaufnahme begonnen.
Ein Mann hat einen anderen bei einem Streit mit einem Messer verletzt. Die Tat ereignete sich nach Polizeiangaben in der Nacht zum Montag im Maienweg in Hamburg-Nord. Ein Tatverdächtiger wurde kurze Zeit später gefasst.
AUS HAMBURG
»Ich bin froh, dass wir nicht in England sind«
In Eritrea saß Haregu Habtemaryam, 46, wegen ihres Glaubens im Gefängnis. Dann flüchtete sie vor zehn Jahren nach Hamburg und arbeitet heute als Physiotherapeutin. Wie sie über ihre neue Heimat denkt, erzählte sie ZEIT-Redakteurin Luisa Jacobs.
»In Eritrea regiert seit 35 Jahren eine Militärdiktatur. Es gibt keine Religionsfreiheit, man kann seine Meinung nicht äußern und nicht das arbeiten, was man will. Wenn man doch das Glück hat, sich seinen Job aussuchen zu dürfen, wird man dafür kaum bezahlt.
Ich bin Physiotherapeutin und habe lange in einem Militärkrankenhaus gearbeitet. Dort lebte ich auch in einem Wohnheimzimmer. Ich bekam nur ein Taschengeld von umgerechnet etwa zehn Euro im Monat. Davon kann man sich kein Leben aufbauen.
Am meisten litt ich allerdings darunter, dass ich meinen Glauben nicht ausleben konnte. Ich gehöre einer evangelischen Freikirche an. Anfang der 2000er wurde ich zusammen mit 70 anderen Gläubigen verhaftet und für sechs Monate ins Gefängnis gesteckt – einfach nur, weil wir uns in einer Kirche getroffen und gebetet haben.
Für meinen Mann und mich war klar, dass wir in Eritrea nicht so leben können, wie wir es uns wünschen. Dass wir einmal in Deutschland landen würden, hatten wir aber nicht geplant.«
Wie Haregu Habtemaryam nach Hamburg gekommen ist, lesen Sie weiter in der ungekürzten Fassung. → Zum Artikel (Z+)
SCHON GELESEN?
Läuft bei uns: Die 30 schönsten Wanderstrecken Deutschlands
ZEIT-Autoren und andere Menschen verraten, wo sie in Deutschland am liebsten zu Fuß unterwegs sind. Mit dabei ist auch ein Tipp aus Hamburg von dem Theaterkritiker Peter Kümmel. Schön ist es aber auch in der Lüneburger Heide, die wir auf unserem Foto zeigen. → Zum Artikel (Z+)
DARAUF KÖNNEN SIE SICH FREUEN
Im Rahmen der Ausstellung Parkomania lädt das Jenisch Haus am Sonntag zu einer Führung ein und verrät bislang »unerzählte Geschichten aus dem Jenischpark«. Unter anderem soll es um die Fragen gehen: Wie wurde aus dem Gut ein Gartenkunstwerk? Welche Ideen verfolgte der historische Hausherr Caspar Voght? Und welche Rolle spielen Naturschutzfragen heute?
»Parkomania. Unerzählte Geschichten aus dem Jenischpark«; 26. Juli, 14 Uhr, Jenisch Haus, Baron-Voght-Straße 50
MEINE STADT
HAMBURGER SCHNACK
Ich gehe am Nachmittag mit dem Hund spazieren. Am Rübenkamp kommen aus einem Nachbarschaftstreff mehrere Senioren. Person 1: » … die sind ja auch noch jung und knackig.« Person 2: »Wir sind doch auch noch knackig! Mal knackt es hier, mal knackt es da.«
Gehört Patrik Drewes
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