Elbvertiefung: Der tägliche Newsletter aus Hamburg: Das Pastrami-Sandwich, über das alle reden

Die Elbvertiefung am Freitag – Mit dem Streit um eine Hamas-Sympathisantin auf dem Habitat-Festival, neuen Straßenbäumen und einer Kritik zu Heinz Strunks neuem Buch

Aus der Kolumne: Elbvertiefung

  1. Juli 2026, 6:00 Uhr

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Ein Pastrami-Sandwich
Ein Pastrami-Sandwich © LauriPatterson/​Getty Images

Liebe Leserin, lieber Leser,

neulich im Fitnessstudio kam ich kulinarisch in Bedrängnis. Irgendetwas hatte mich glauben lassen, die körperbewussten jungen Leute dort lebten ausschließlich von Proteinshakes. Dann aber fragte mich mein Trainer, was denn von den Pastrami-Sandwiches auf dem Isemarkt zu halten sei. Ich sagte etwas Onkelhaftes in der Art, dass Insta-Foodtrends nicht zu trauen und die Verwandlung des Marktes in eine Fressmeile durchaus kritisch zu sehen sei. Das kam nicht so souverän raus, wie ich mir das wünschte, vielleicht auch darum, weil ich vorher in der Beinpresse versagt hatte.

Also beschloss ich, mir endlich auch mal so eine Stulle zu kaufen. Man bekam sie früher am Stand der Metzgerei Dreymann. Mittlerweile ist die Nachfrage so enorm, dass gleich daneben und fast nur dafür ein Foodtruck aufgebaut wurde, der Dreys Deli heißt. An einem guten Freitag gingen 400 Sandwiches über den Tresen, erzählte mir der muntere Verkäufer, der alle vor mir in der Schlange als »Digga« apostrophierte. In der Aktion hatte er gerade eine Luxusversion für 15 Euro und mit Wagyu-Rind. Ich beließ es beim Klassiker, der mit 9,90 Euro auch kein Schnäppchen war. Aber Sandwiches sind ja gerade das große Ding. Dafür wird dann allerdings auch ein wenig Show geboten: Die gepökelte Rinderbrust frisch aufgeschnitten, der Cheddar-Käse darüber mit gleich zwei Brennern abgeflämmt. Dazu kommen dann noch Krautsalat und Remoulade.

Nach ein paar Bissen habe ich verstanden, warum sich Menschen dafür begeistern: gute Zutaten, das merkt man – und ein gutes Rezept. Man zerkaut da eine saftig-würzige, saucengetriebene und erstaunlich homogene Masse. Ein Big Mac für Eppendorfer. Was auch heißt: kein leichter Snack, schon gar nicht bei diesem Wetter. Mir lag er ein wenig im Magen. Der Wunsch, das wieder ins Lot zu bringen, trieb mich bald darauf ins Studio, und so schloss sich der Kreis.

Nächste Woche an dieser Stelle: die leckersten Proteinshakes.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!

Ihr Michael Allmaier

Was heute wichtig ist

© Marcus Brandt/​dpa

In Hamburg wurden im vergangenen Jahr mehr Straßenbäume neu gepflanzt als gefällt. Damit stünden an den Straßen nun über 230.000 Bäume, sagte Umweltsenatorin Katharina Fegebank (im Bild zu sehen mit Torsten Melzer, Projektleiter für Baummanagement in der Umweltbehörde). Erstmals seit 2010 seien wieder über 25 Prozent der Stadt mit Baumkronen bedeckt.

Im ersten Halbjahr 2026 wurden in Hamburg 17.201 Fahrzeuge abgeschleppt. Das geht aus der Senatsantwort auf eine Kleine Anfrage der CDU hervor. Die Einnahmen der Stadt aus Abschleppvorgängen stiegen bis Juni auf knapp 8,8 Millionen Euro. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum haben sie sich damit fast verdoppelt.

Das Bundesverkehrsministerium stellt zehn Millionen Euro für die Traditionsschifffahrt bereit. Fördermittel für den Umbau und die Instandhaltung der Schiffe können für 2025 und 2026 beantragt werden. Auch in Hamburg liegen zahlreiche Traditionsschiffe, deren Erhalt teuer ist.

Die Bundesregierung hat die Förderung des Reeperbahn-Festivals gekürzt – von 6,27 Millionen Euro im Jahr 2025 auf rund 4,5 Millionen Euro. Für 2027 sind laut Kulturbehörde nur noch drei Millionen Euro vorgesehen. Kultursenator Carsten Brosda (SPD) warnt vor einer Schwächung der Musikbranche.

Nach dem Fund einer Leiche in Rissen ermittelt die Polizei wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung. Bisherigen Erkenntnissen zufolge starb Anfang Juni ein 27-Jähriger während eines Arbeitsunfalls bei Abrissarbeiten in Wilhelmsburg. Laut Polizei legten Unbekannte den Leichnam in einem Waldstück in Rissen ab. Die Polizei sucht Zeugen.

Aus Hamburg

© Srdjan Stevanovic/​Getty Images

Dieses Wochenende legt auf dem Technofestival Habitat in Hamburg eine DJ auf, die den Terror der Hamas vom 7. Oktober als Widerstand bezeichnet. Wie kann das sein? Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Artikel von ZEIT-Autor Christoph Twickel.

Sama’ Abdulhadi spielt harten Techno und ist erfolgreich damit – sie legt international auf, in den renommiertesten Clubs und bei den größten Festivals. Geboren ist sie in Jordanien, aufgewachsen in Ramallah in der Westbank und seit 2017 vor allem in Paris ansässig. Sie ist eine der bekanntesten palästinensischen DJs. Am Wochenende soll sie auf dem Habitat-Festival in Hamburg-Wilhelmsburg spielen. Um diesen Auftritt gibt es eine Kontroverse – und zwar völlig zurecht. Denn Abdulhadi verteidigt leidenschaftlich das Massaker der Hamas vom 7. Oktober 2023.

»Vor genau einem Jahr führte der palästinensische Widerstand als Reaktion auf mehr als sieben Jahrzehnte brutaler militärischer Besatzung die Schlacht von Toufan al-Aqsa durch und lenkte damit die Aufmerksamkeit der Welt auf die Notlage der Palästinenser«, postete Abdulhadi am 7. Oktober 2024 auf ihrem Instagram-Account. »Toufan al-Aqsa« – die »al-Aqsa-Flut« – das ist der Name, den die Hamas selbst der Terroroperation gegeben hat.

Zur Erinnerung: Der 7. Oktober 2023 war nicht nur für Israel und mitfühlende Menschen allgemein ein schwarzer Tag, sondern auch für die Technoszene. Denn damals überfielen die Quassam-Brigaden der islamistischen und antisemitischen Hamas auch das israelische Nova-Festival, ein Techno-Event auf einem Feld in der Nähe des Gaza-Streifens. Insgesamt ermordeten Terroristen an diesem Tag etwa 1.200 Menschen, 411 der Opfer waren Gäste des Festivals. Sie wurden erschossen, erschlagen und geschändet, 44 Nova-Besucher verschleppte die Hamas als Geiseln in den Gazastreifen.

Abdulhadi hat das Massaker auf dem Nova-Festival – abgesehen von ihrem grundsätzlichen Lob für die Operation der Hamas – nicht explizit kommentiert. Sie findet aber, dass »Zionisten« in der Clubszene nichts zu suchen hätten: »Zionismus wird auf der Tanzfläche nicht toleriert« schreibt sie in einem Instagram-Post.

Würde ein DJ in den sozialen Medien den Ku-Klux-Klan als Widerstandsbewegung rühmen, dürfte er wohl kaum auf einem progressiven Elektronikfestival auftreten. Im Fall von Israel und Palästina gelten offenbar andere Maßstäbe.

Wie sich Vertreter des Habitat-Festivals dazu äußern, und wie sich die deutsche Club- und Musikszene sonst zur Thematik verhält, lesen Sie im ganzen Text von Christoph Twickel. Zum Artikel (Z+)

Schon gelesen?

© Melina Mörsdorf/​laif

Letzter Ausweg: sich hinlegen

Heinz Strunk verwandelt Schwermut in Komik. Jetzt wieder. Eine Begegnung mit einem Schriftsteller des menschlichen Makels. Heute erscheint sein neues Buch »Memories of Heidelberg«; ZEIT-Redakteur Adam Soboczynski hat es bereits gelesen.Zur Rezension (Z+)

Darauf können Sie sich freuen

Das Theater NN kehrt auch in diesem Sommer auf die historische Naturbühne im Römischen Garten in Blankenese zurück. Beim Picknicktheater steht Fernando Arrabals »Picknick im Felde« auf dem Spielplan. In dieser Antikriegs-Parabel wird mit den Mitteln des absurden Theaters vom Irrsinn des Krieges und der Sehnsucht nach Normalität erzählt. Gespielt wird bei jedem Wetter.

»Picknick im Felde«, bis 9.8. diverse Termine, je 19.30 Uhr; Römischer Garten in Blankenese, am Südhang des Polterberges

Meine Stadt

Spaziergang über die Brooksbrücke © Heyco Hoops

Hamburger Schnack

Nach dem Essen beim Italiener in Ottensen frage ich: »Haben Sie Sambuca?« Darauf erwidert der Kellner, ohne eine Miene zu verziehen: »Ja, haben wir. Wir haben italienische Woche.«

Gehört von Christian Weiß

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