Edertaler Brücke auf dem Prüfstand: Ergebnisse entscheiden über Zukunft
Stand: 23.07.2026, 18:00 Uhr
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Noch bis einschließlich 7. August 2026 ist die Brücke zwischen Bergheim und Giflitz für Autos gesperrt. Hessen Mobil entnimmt Proben, die entscheidend für die Zukunft der Brücke sind.
Bergheim – Seit dem 13. Juli ist die Brücke, die Bergheim und Giflitz miteinander verbindet, für den Autoverkehr gesperrt. Während der Sperrung wird der Zustand der Ederbrücke umfassend geprüft, um mögliche Sanierungsmaßnahmen frühzeitig planen zu können. Fahrradfahrer sowie Spaziergänger können die Ederbrücke weiterhin überqueren.
„Wir haben die Arbeiten bewusst in die Sommerferien gelegt, damit der Kindergarten- und Schulverkehr nicht von der Sperrung betroffen ist“, sagt Bernd Berghöfer vom Bauamt des Landkreises.
Hessen Mobil prüft aktuell die Tragfähigkeit und die Verkehrssicherheit der 1961 gebauten Verbindung zwischen Bergheim und Giflitz. „Die Ederbrücke ist noch standfest und sicher, sodass sie auch weiterhin von allen Verkehrsteilnehmern genutzt werden kann“, sagt Thomas Ackermann, Fachdezernatsleiter von Hessen Mobil, und ergänzt: „Wir wollen aber wissen, wie lange das noch gut geht, bevor eine Sanierung oder gar ein Neubau fällig wird.“
Die meisten Arbeiten sind inzwischen abgeschlossen. Doch bevor diese überhaupt beginnen konnten, wurden zuallererst alle Entwässerungsschlitze der Brücke abgedichtet, um die darunter fließende Eder nicht zu verunreinigen.
Während die Asphaltdecke an mehreren Stellen geöffnet und der Beton abgebrochen wurde, waren die jeweiligen Abschnitte zugehangen, damit keine Bruchstücke in den Fluss fallen. Die Teerschicht musste entfernt werden, um die sogenannten „Spannglieder“ freizulegen. An diesen freigelegten Stellen wurden Proben des Spannstahls entnommen, welche bereits zur Untersuchung an ein Labor geschickt wurden.
Abhören der Brücke für planbare Zukunft
„Einfach ausgedrückt, haben wir Stahlstücke aus dem Inneren der Brücke herausgeschnitten“, erklärt Ackermann. Um die Proben zu versenden, mussten sie direkt nach der Entnahme luftdicht verschlossen werden. „Dadurch wird verhindert, dass Sauerstoff und Feuchtigkeit nachträglich Korrosion oder andere Veränderungen verursachen“, ergänzt der Fachdezernatsleiter.
Im Labor werden die Proben darauf untersucht, wie zugfest sie sind, inwieweit sie sich verformen können, bevor sie brechen und ob sie Oberflächen- oder Korrosionsschäden aufweisen. Nach sechs bis acht Wochen erhalte Hessen Mobil die Laborergebnisse. Anhand dieser Ergebnisse lässt sich der genaue Zustand der Brücke bestimmen.

Zusätzlich haben die Mitarbeiter von Hessen Mobil mehrere Sensoren unter der Brücke angebracht. „Die sind wie kleine Abhörgeräte“, erklärt Ackermann. Die Sensoren erfassen feinste Schallwellen, die im Stahl entstehen, wenn sich Risse bilden oder bestehende Risse verändern.
Die Messdaten werden digital übertragen und ausgewertet. So können selbst kleinste Veränderungen im Bauwerk frühzeitig erkannt werden. „Wir überwachen die Brücke jetzt ein Jahr lang. Danach beraten wir, wie es weitergeht“, sagt Ackermann. Zusammen mit den Laborergebnissen könne man dann ein genaues Urteil fällen und rechtzeitig für die Zukunft planen.
„Für uns ist wichtig, ob man die Brücke retten kann oder sie irgendwann neubauen muss. Um uns einen Überblick zu verschaffen, haben wir 320.000 Euro für die Prüfung zur Verfügung gestellt“, sagt Karl-Friedrich Frese, erster Kreisbeigeordneter des Landkreises.
Bei einer Brücke, die der gleichen Bauweise entspricht und 2021 bei Brandenburg abgerissen wurde, stellte man eine neue Beschädigung fest. Dabei werden die „Stahlspannglieder“ durch die Einwirkung von Wasserstoff spröde. Dadurch kann der Stahl an den Kontaktpunkten korrodieren, die Drahtoberfläche Risse bekommen oder der Spannstahl sich nicht mehr wie gewollt verformen, bevor dieser bricht.
Deshalb werden Brücken der gleichen Bauart mittels einer Sonderprüfung nicht wie normalerweise alle drei Jahre, sondern jedes Jahr kontrolliert. „Wir haben hier vor zwei Jahren mit den Sonderprüfungen begonnen“, berichtet Ackermann.
Die aktuellen Kontrollen können die grundlegende Frage nach der Zukunft der Brücke nicht dauerhaft lösen. Aufgrund ihrer Bauweise sind bestimmte Schäden systembedingt und damit langfristig zu erwarten. Somit sei ein Ersatzneubau über kurz oder lang erforderlich. „Aktuell bleibt die Brücke aber einsatzbereit“, betont der Fachdezernatsleiter.
Die detaillierte Schadensanalyse solle aber auch bei einem späteren Neubau helfen, um den Umfang der Arbeiten zu begrenzen und Ressourcen zu sparen.
Brückenpfeiler älter als 65-jährige Brücke
„Die Unterbauten stammen noch aus der Kriegszeit und sind damit deutlich älter als die rund 65 Jahre alte Brücke. Sie sind aber aus gutem Beton gebaut und sehr robust. Sie müssen in der nahen Zukunft zwar auch überprüft werden, können im besten Fall aber wesentlich länger erhalten bleiben als der Brückenaufbau“, erklärt der Fachdezernatsleiter.
Aktuell werden die für die Untersuchungen geöffneten Fahrbahnstellen wieder verschlossen und die entfernten Asphaltflächen erneuert. Pünktlich zum Ende der Sommerferien soll die Brücke wieder für den Verkehr geöffnet werden. „Wir liegen sehr gut in der Zeit, am 7. August kann man hier wieder durchfahren“, betont Ackermann.