E-Scooter stehen noch immer im Weg – Stadt Kassel verhängt weiter Strafen an Anbieter
Stand: 23.07.2026, 06:00 Uhr
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Seit April dürfen E-Scooter in Kassel nur noch auf markierten Flächen abgestellt werden. Trotzdem stehen die Roller weiterhin auch dort, wo sie nicht hingehören.
Kassel – Für manche sind sie eine klimafreundliche Alternative zum Auto oder eine Ergänzung zum Nahverkehr, für andere bleiben sie ein Ärgernis: E-Scooter. Obwohl es schon seit April neue Regeln zum Abstellen der elektrisch betriebenen Leihroller gibt, stehen die Gefährte noch immer zu oft dort, wo sie nicht stehen sollten: im Weg. Auch die Stadt Kassel als Vertragspartner der Anbieter ist damit unzufrieden.
Knapp 3000 Roller im Einsatz
In Kassel sind derzeit rund 2950 Miet-E-Scooter von drei Anbietern in Betrieb: Bolt aus Estland, Qick aus den Niederlanden und Dott, bekannt unter dem Namen Tier, aus Berlin. Der Anbieter Zeus hat nach Angaben der Stadt zwar eine Sondernutzungserlaubnis beantragt und erhalten, aber bisher noch keine E-Scooter aufgestellt. Der erste Betreiber, der in Kassel an den Start ging, war noch ein Kasseler Unternehmen. Skooty stellte 2020 über Nacht seine Roller auf die Straßen und sorgte damit für Schlagzeilen. Zwei Jahre später verschwand Skooty wieder.
Seit drei Monaten gilt: Wer E-Scooter nutzt, darf sie nur noch auf extra dafür markierten Flächen in der Innenstadt oder an Radbügeln abstellen. In den Apps der Betreiber ist diese Funktion technisch auch nachgerüstet worden. Allerdings sieht die Realität noch anders aus.
„Obwohl die Anforderungen eindeutig sind und den Betreibern seit Monaten bekannt sind, werden Fahrzeuge weiterhin in erheblichem Umfang außerhalb der zulässigen Abstellflächen oder Radbügel abgestellt und deren Mietvorgänge dort beendet“, erklärt ein Stadtsprecher. Darauf angesprochen reagierten die Anbieter mittlerweile zwar zügig und veranlassen auch Kontrollfahrten. Akzeptieren will die Stadt den Zustand aber nicht.
Sie sieht die Betreiber in der Pflicht und erwartet, „dass die Anbieter ihren vertraglichen Verpflichtungen endlich vollständig nachkommen“. Solange das nicht passiere, werde man die „vertraglichen Möglichkeiten konsequent ausschöpfen“. Für gemeldete, falsch abgestellte Scooter verhängt die Stadt nach Angaben des Sprechers inzwischen zunehmend Vertragsstrafen. Bis zum 30. Juni sei das 32 Mal passiert. Dabei gehe es um 25 bis 250 Euro pro Vorgang. Die Zahl der Beschwerdemails an die eigens dafür eingerichtete Stadt-Mailadresse spricht aber für sich. In der Woche gebe es im Schnitt 28 Mails.
Von den drei Betreibern hat nur einer auf unsere Fragen geantwortet. Die Firma Bolt versichert, die neuen Regeln fristgerecht umgesetzt zu haben. Wenn Fahrten außerhalb von Abstellzonen beendet würden, seien das Einzelfälle und hätten mit GPS-Ungenauigkeiten zu tun. „Unsere lokalen Operations-Teams reagieren in solchen Fällen umgehend und positionieren die Fahrzeuge wieder in die vorgesehenen Bereiche zurück.“
Das Thema hat aber noch andere Aspekte. Weil die Roller entweder bestehende Radbügel belegen oder weiterhin oft in der Gegend herumliegen, wird in manchen Ortsbeiräten die Forderung laut, mehr Abstellmöglichkeiten in Form von Radbügeln zu schaffen.
Über besetzte Radbügel beschwert sich auch ein Mieter. Es würden auch die nicht-öffentlichen Radbügel vor Mietwohnungen größerer Wohnungsbaugesellschaften mit Scootern vollstehen und kein Platz mehr für Gehhilfen lassen.