Drogentote in Sachsen: Mischkonsum nimmt deutlich zu

schemenhafte Darstellung eines Gesichtes

AUDIO: 26 Tote durch illegale Drogen 2025 in Sachsen (1 Min)

Bilanz zu internationalem Gedenktag

Stand: 21.07.2026 06:00 Uhr

2025 sind in Sachsen 26 Menschen infolge ihres Drogenkonsums gestorben. Das sind zwar weniger als im Vorjahr, aber immer häufiger ist die gleichzeitige Einnahme mehrere Drogen die Todesursache. Grüne und Linke fordern deshalb mehr Aufklärung und Hilfe für Drogenabhängige. Anlass ist der internationale Gedenktag für Menschen, die an ihrer Drogensucht gestorben sind. Auch in Sachsen wird an sie erinnert.

von MDR SACHSEN

In Sachsen sind im vergangenen Jahr 26 Menschen an einer Drogenüberdosis gestorben. Das sind zwei Fälle weniger als 2024, wie das Sozialministerium auf eine Anfrage der Grünen-Landtagsfraktion mitteilte. Dabei starben 15 Opfer, weil sie gleich mehrere verschiedene Drogen auf einmal genommen hatten, zum Beispiel Heroin und Crystal Meth. Die Zahl der Todesfälle aufgrund eines sogenannten Mischkonsums hat zuletzt deutlich zugenommen. 2020 starben lediglich vier von 24 Drogenopfern an einem Mix verschiedener Substanzen.

Neue Gefahr durch Nitazene

Zudem gab es in Sachsen im vergangenen Jahr erstmals einen Todesfall durch Mischkonsum, bei dem das Opfer unter anderem ein Nitazen eingenommen hatte. Dem Bundeskriminalamt zufolge wurden diese vollsynthetischen Opioide in den 1950er-Jahren als mögliche Schmerzmittel entwickelt, aber nie als Arzneimittel zugelassen. Seit einigen Jahren tauchen sie jedoch zunehmend im illegalen Drogenhandel auf. Nitazene sind laut BKA bereits in kleinsten Mengen lebensgefährlich. Suchtmediziner warnen unter anderem vor Atemlähmungen. Zudem werde die Wirkung von Nitazenen durch den Mix mit anderen Drogen verstärkt.

Bunte Tabletten liegen auf einem Tisch.

Sie stammen aus der Schmerzmittelforschung, wurden aber nie als Medikamente legalisiert: Nitazene sind hochgefährliche Opioide. (Symbolbild)

Betreibt Sachsen zu wenig Drogenvorsorge?

Grüne und Linke in Sachsen haben den Internationalen Gedenktag für verstorbene Drogengebrauchende am Dienstag zum Anlass genommen, auf diese Entwicklung im Drogenkonsum hinzuweisen. Sie fordern verlässliche Vorsorge- und Hilfsstrukturen für Drogenabhängige sowie ein landesweites Frühwarnsystem, um Todesfälle zu vermeiden und Gesundheitsschäden zu verringern. Dazu erklärte das Sozialministerium, es erhalte von der Deutschen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht Informationen zu aktuellen Entwicklungen und der Verbreitung illegaler Substanzen. Sie würden anlassbezogen an relevante Akteure im Bereich der Suchthilfe weitergegeben.

Jeder einzelne Todesfall ist einer zu viel. Christin Melcher, Abgeordnete Bündnis '90/Die Grünen im Sächsischen Landtag

Grüne und Linke für mehr niedrigschwellige Angebote

Die Grünen-Landtagsabgeordnete Christin Melcher erklärte, Sachsen benötige eine moderne Drogenpolitik. Der Freistaat müsse Kommunen bei Drogenkonsumräumen und mobilen schadensmindernden Angeboten unterstützen. Die Linken-Abgeordnete Juliane Nagel verwies auf die sogenannte Drug-Checking-Methode. Dabei können Drogenproben bei einer stationären oder mobilen Annahmestelle zur Analyse abgegeben werden. Ziel ist, die Folgen des Konsums von verunreinigten Drogen zu begrenzen und den gleichzeitig den Kontakt für eine Aufklärung zu nutzen.

Überreste von Drogenkonsum auf einem Gehweg

Verunreinigte und gepanschte Drogen sind erhöhen die Gefahr für Abhängige nochmals. Sind Drogenkonsumräume und Testangebote eine geeignete Gegenmaßnahme? (Symbolbild)

Gedenkveranstaltungen in Leipzig und Dresden

Am Gedenktag für die Drogentoten finden am Dienstag in Sachsen Veranstaltungen in Leipzig und Dresden statt. Das Leipziger Zentrum für Drogenhilfe "Alternative III" hat für den Nachmittag eine Gedenkfeier im Elsapark organisiert. In der Dresdner Neustadt haben mehrere gemeinnützige Einrichtungen ebenfalls eine Gedenkveranstaltung organisiert. Und in der kommunalen Drogenberatungsstelle in der Dresdner Seevorstadt gibt es ein Angebot zur Begegnung und zum stillen Gedenken.

MDR (stt)/epd