Dow, S&P, Nasdaq: Apple löst Nvidia als wertvollsten Konzern ab
Dow, S&P, Nasdaq: Apple löst Nvidia als wertvollsten Konzern ab
KI-Sorgen und der wiederaufflammende Irankrieg treffen den Markt gleichzeitig. Anleger setzen aktuell wieder stärker auf den iPhone-Hersteller. Und sie haben überraschende Gründe dafür.
Straßenschild an der New Yorker Börse: An der Wall Street geraten vor allem Tech-Werte unter Druck. Foto: Reuters
Düsseldorf. Das Wechselspiel an der Spitze des US-Aktienmarkts setzt sich fort. So löste am Freitag der iPhone-Hersteller Apple zwischenzeitlich den Chipkonzern Nvidia als wertvollstes börsennotiertes Unternehmen ab. Apple profitierte dabei nur teilweise von der eigenen Stärke.
Mitentscheidend ist die Schwäche der Nvidia-Aktie: Das Tagestief von Freitag liegt 16 Prozent unter dem Mitte Mai erreichten Rekordhoch.
Nvidia steht aktuell wie viele andere Chip- und Tech-Aktien unter Druck. Der technogielastige Index Nasdaq 100 verlor am Freitag bis zu 2,7 Prozent, ehe er seine Verluste eingrenzte. Der Abschlag gegenüber dem Rekordhoch von Anfang Juni ist damit in der Spitze auf fast neun Prozent angewachsen.
„Der Abverkauf weitet sich von den Chip-Werten auf den breiteren Markt aus. Das zeigt sich besonders an Indizes wie dem Nasdaq, der in so kurzer Zeit so stark zugelegt hat“, sagte Chris Beauchamp, Chefanalyst beim Broker IG.
Weil Tech-Aktien auch im marktbreiten Index S&P 500 das höchste Gewicht haben, zieht die Entwicklung den wichtigsten Börsenindex der Welt mit nach unten. Am Freitag verlor er rund 0,9 Prozent.
Besser hielt sich der industrielastigere Dow Jones. Auch der S&P 500 Equal Weight, in dem alle Unternehmen die gleiche Gewichtung haben, verlor nur leicht. Das ist ein Zeichen, dass Investoren neue Favoriten außerhalb des Tech-Sektors gefunden haben.
Chinesisches KI-Modell belastet Börsenstimmung in den USA
Der verstärkte globale Wettbewerb verstärkt die Sorge unter vielen Investoren, dass die KI-Rally vor allem in den USA und Südkorea zu weit gelaufen sein könnte. Diese wurde in den vergangenen Monaten vor allem von Chipaktien angetrieben, die wiederum von den massiven KI-Investitionen profitieren, die Unternehmen wie Alphabet, Microsoft, OpenAI und Anthropic tätigen.
Zuletzt wuchsen allerdings die Bedenken, dass sich die Investitionen nicht so stark rechnen können, wie bislang angenommen – unter anderem, weil Unternehmen aus Kostengründen auf billigere KI-Modelle setzen.
Anfang der Woche berichtete der Börsensender CNBC, dass der Anteil der Token, die von US-Unternehmen über OpenRouter – eine Plattform, die Entwicklern den Zugriff auf eine Reihe von KI-Modellen ermöglicht – für chinesische KI-Modelle genutzt werden, auf mehr als 40 Prozent gestiegen ist. Der Durchschnitt der letzten zwölf Monate betrug lediglich elf Prozent.
Gewinnerwartungen sind bereits sehr hoch
Das nährt die Sorgen, dass die Gewinnerwartungen für KI‑Konzerne aus den USA zu hoch sein könnten. Analyst Markus Reinwand von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) stellt fest: „Die durchschnittlichen Ergebnisschätzungen zeigen, dass die vergangenen Gewinnsteigerungen nicht nur für das kommende Jahr, sondern die kommenden drei Geschäftsjahre fortgeschrieben werden.“
Diese optimistischen Schätzungen waren der Auslöser für die vergangenen Rallys von Tech- und vor allem Chip-Aktien. Der US-Chipindex Philadelphia Semiconductor (PHLX) stieg seit Jahresbeginn um bis zu 107 Prozent.
Von seinem Rekordhoch hat er sich aber mittlerweile deutlich entfernt, wobei sich die Abwärtsbewegung beschleunigt. „Wenn Panik herrscht, will niemand der Letzte in einem Ausverkauf sein, daher nimmt der Verkaufsdruck zu“, sagte Guillermo Hernández Sampere, Handelsleiter bei MPPM. „Mit Beginn der Berichterstattung hat sich der Verdacht der Überbewertung bestätigt und wird noch eine Weile anhalten.“
Steigender Ölpreis belastet den Markt
Ein weiterer Belastungsfaktor ist der wieder aufflammende Krieg im Iran. Dadurch steigt der Ölpreis, wodurch wiederum die Inflationserwartungen anziehen.
Das macht baldige Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed wahrscheinlicher. Steigende Zinsen verteuern die Investitionen und bremsen tendenziell das Wirtschaftswachstum. Darunter leiden Tech-Aktien traditionell am stärksten.
Dass im Zuge dessen Nvidia ausgerechnet von Apple als teuerstem Unternehmen der Welt abgelöst wird, entbehrt nicht einer gewissen Ironie: Apple wurde lange kritisiert, dass es im Vergleich zu anderen großen Techkonzernen wie Alphabet und Microsoft zu wenig in KI investierte. Nun profitiert der Konzern von dieser Zurückhaltung.
Investoren sehen Apple zunehmend als Absicherung gegen eine mögliche Überhitzung des KI-Marktes. Allein seit Beginn des zweiten Halbjahres stieg die Aktie um knapp 15 Prozent. Der PHLX fiel im selben Zeitraum um 18 Prozent.
Blick auf die Einzelwerte
Energie-Aktien: Die infolge der Nahost-Spannungen angestiegenen Ölpreise stützten indes die Aktien der Energiekonzerne. Die Titel der Branchenriesen Exxon Mobil und Chevron legten jeweils um rund 1,5 Prozent zu.
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NASDAQUrlaubs-Aktien: Nach unten ging es hingegen für Airlines und Kreuzfahrtanbieter. Die Furcht der Anleger vor steigenden Kraftstoffpreisen drückte die Papiere von Norwegian Cruise, Carnival, United Airlines und American Airlines um bis zu drei Prozent ins Minus.
Mit Material der Nachrichtenagenturen Reuters und Bloomberg.

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