Die Tour sortiert sich neu: Nach Lipowitz-Aus sind zwei von drei Podiums-Fahrern des Vorjahres raus
Stand: 23.07.2026, 06:00 Uhr
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Die Tour de France – muss – sich neu sortieren. Und das liegt nicht daran, dass Remco Evenepoel am Sonntag und am Dienstag im Einzelzeitfahren die ersten beiden Etappensiege für das deutsche Team Red Bull-Bora-hansgrohe eingefahren hat.
An eben diesen beiden Tagen schieden mit Jonas Vingegaard und Florian Lipowitz auch der Vorjahreszweite und -dritte aus. Der Däne stürzte am Sonntag und brach sich das Schlüsselbein, der Deutsche am Dienstag und zog sich dieselbe Verletzung zu. Während der Kampf um Platz eins trotz des Doppelerfolgs vom Belgier Evenepoel entschieden scheint, ist der ums Podium neu entfacht – und spitzt sich nun auf drei Fahrer zu.
Der Podiumskampf
Beste Chancen auf Platz zwei hat nach dem Vingegaard-Aus, der bis dahin hinter Pogacar lag, und dem Doppelerfolg freilich Evenepoel. Nach dem Zeitfahren am Dienstag hatte der 26-Jährige rund viereinhalb Minuten Rückstand auf den vierfachen Toursieger – aber auch mehr als zwei Minuten Vorsprung auf den drittplatzierten Mexikaner Isaac Del Toro, Teamkollege von Pogacar. Der junge Franzose Paul Seixas lag noch einmal 20 Sekunden hinter Del Toro. Weil nun aber drei harte Tage in den Alpen anstehen, kann sich im Gesamtklassement einiges tun.
Die Alpen
Nach der letzten Chance für Sprinter und Ausreißer am Mittwoch sind die kommenden Tage komplett für die Fahrer reserviert, die um den Gesamt㈠sieg fahren. Der erste ist dabei noch der leichteste, bei dem es heute am Ende 15 Kilometer bergauf zur Skistation Orcières-Merlette geht. Es folgt das Alpe-d‘Huez-Doppel. Zweimal hintereinander ist der Wintersportort Ziel. Die Königsetappe steht dabei am Samstag an. Drei Berge der höchsten Kategorie stehen auf dem Programm: Auf der insgesamt 171 Kilometer langen Strecke zunächst hoch zum Col de la Croix de Fer, dann zum Col du Galibier und schließlich eben die Zielankunft in Alpe d‘Huez. Während der Ort an diesem Tag von der eher unbekannteren Seite angefahren wird, quälen sich die Profis am Freitag die berühmten 21 Kurven und 14 Kilometer durch die Zuschauermassen hoch. Schlussendlich werden sich die Podiumsplatzierungen aber wohl erst am Samstag entscheiden. Denn auf diesem brutalen Abschnitt könnte es keine Sekunden-, sondern Minutenabstände geben. Und Evenepoel wird Lipowitz als Helfer an den drei Alpen-Tagen enorm fehlen. Pogacar und del Toro können sich dagegen unterstützen – was dafür spricht, dass der Mexikaner gute Chancen auf Rang zwei oder drei hat. Letzter Alpe-d‘Huez-Sieger war übrigens der Brite Tom Pidcock im Jahr 2022.

Die Dopingtests
Mit Vingegaard und Lipowitz sind nicht nur zwei Podiumskandidaten bei zwei aufeinanderfolgenden Etappen ausgeschieden. Auch in den Nächten vor ihren Stürzen gab es eine Duplizität der Ereignisse. Vingegaard wurde um zwei Uhr aus dem Bett geholt, um eine Dopingprobe abzugeben. Das hatte für Diskussionen gesorgt, auch Pogacar meinte, dass diese nächtliche Störung dafür gesorgt haben könnte, dass die Konzentration gelitten habe. Laut UCI-Statuten sind Tests zwischen 23 und sechs Uhr nur dann erlaubt, wenn ein erhärteter Verdacht vorliegt. Auch bei Lipowitz und den Red-Bull-Bora-hansgrohe-Fahrern gab es einen Tag vor dem Sturz einen späten Besuch. Allerdings gegen 22 Uhr und nicht mitten in der Nacht. Es mag Zufall sein, dass beide Fahrer nach späten Dopingtests so schwer stürzten, dass sie die Rundfahrt beenden mussten. Und doch wird es die Diskussionen anheizen. Will der Radsport nicht wieder an Glaubwürdigkeit verlieren, kommt er um diese Praxis aber wohl nicht herum. (Maximilian Bülau)