„Die Menschen bleiben einem im Herzen“: Pizzeria Europa schließt nach 37 Jahren
Stand: 20.07.2026, 06:00 Uhr
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Giovanni Epifani macht mit 75 Jahren sein Restaurant in Götzenhain dicht. Er blickt zurück und erzählt, warum es keinen Nachfolger geben wird.
Götzenhain – Obwohl das Restaurant geschlossen ist, herrscht noch reger Betrieb in der Pizzeria Europa von Giovanni Epifani. Freunde, Geschäftspartner und Weggefährten aus dem Gastronomiebereich kommen in der Philippseicher Straße vorbei, um letzte Angelegenheiten zu regeln oder einfach nur, um sich zu verabschieden. Die Freundschaftlichkeit und Familiarität, die von Anfang an fester Bestandteil der Dreieicher Lokalinstitution war, bleiben auch nach deren Ende bestehen. Der Pizzaofen erlischt nach 37 Jahren nun aber.
Großer Andrang von Anfang an
Alles beginnt 1989. Epifani, der 20 Jahre zuvor aus Italien nach Deutschland gekommen ist, arbeitet damals bei der Firma Jost – fährt Gabelstapler, steht am Band, bedient Maschinen. An den Abenden hilft er in verschiedenen Lokalen aus. „Da habe ich hier und da was dazugelernt“, erzählt er. Die Idee vom eigenen Restaurant kommt aus der Familie. „Mein Neffe hat mir gesagt, ich soll eine Pizzeria aufmachen.“ Epifani nimmt einen Kredit von etwa 80.000 D-Mark auf – und beginnt mit der Renovierung eines leer stehenden Lokals in Götzenhain.
Als das Restaurant öffnet, läuft es von Anfang an gut. „Die Leute waren neugierig. Am ersten Tag war draußen schon eine Schlange“, sagt Epifani. „Am zweiten Tag waren es noch mehr.“ Dieser Trend zieht sich durch die gesamte Geschichte der Pizzeria Europa. „Am Wochenende war es immer brechend voll“, sagt der Inhaber. An manchen Tagen seien mehr als 500 Pizzen über die Theke gegangen.

Trotzdem arbeitet Epifani am Anfang weiter bei Jost. „Ich war mir nicht sicher, ob ich das Lokal behalte“, gesteht er. „Meine Familie hat mich aber davon überzeugt.“ Als er seine Kündigung einreicht, stößt das bei seinem Arbeitgeber zunächst auf Unmut. Dieser hält aber nicht lange an. „Die ganzen Leute von Jost sind später alle zum Essen hergekommen.“
Über die 37 Jahre bleibt die Pizzeria immer ein Familienbetrieb. Epifanis Frau, Kinder und Schwiegerkinder arbeiten in dem Restaurant. „Am Ende ist auch mein Enkel dazugekommen“, erzählt der Inhaber.
An manchen Tagen mehr als 500 Pizzen
Und familiär geht Epifani auch mit seinen Besuchern um. „Ich hatte immer guten Kontakt mit allen. Für mich waren das keine Kunden, sondern Freunde.“ Besondere Erinnerungen hat er dabei an die jährlichen Silvesterfeiern in der Pizzeria. Epifani spricht von Musik, Tanz und gutem Essen – vor allem aber von vielen schönen Momenten mit seinen Gästen. „Die Menschen bleiben einem im Herzen.“
Dass jetzt Schluss ist, begründet Epifani mit seinem Alter – er und seine Frau sind beide 75. „Wann soll man das Leben sonst ein bisschen genießen?“ Für ihn geht es nun zurück an die italienische Küste, wo er sonst seine Ferien verbringt. Epifani freut sich darauf, Fahrrad zu fahren, zu schwimmen und nicht daran zu denken, bald wieder arbeiten zu müssen. „Es war schön, aber jetzt bin ich auch froh, Feierabend zu machen.“
Zukunft des Gebäudes ungewiss
Dass mit Giovanni Epifani auch die Pizzeria Europa in den Ruhestand geht, ist dabei keine Selbstverständlichkeit. „Ich hätte einen Nachfolger gefunden“, sagt der Betreiber. Der Hausbesitzer habe das aber nicht gewollt. Was nun mit dem Gebäude passiert, weiß Epifani nicht.
Ein letztes Mal wurde am zweiten August-Wochenende in dem Restaurant gefeiert. Epifani schätzt, dass 300 Menschen gekommen sind, um von ihrer Pizzeria Abschied zu nehmen. Freunde und Familie sangen dem Inhaber ein gemeinsames Ständchen mit selbst gedichtetem Text: „Giovanni, Giovanni, Giovanni“, tönte es über den Parkplatz vor dem Lokal, „du hast uns zu Freunden gemacht.“