Die hohe Kunst der kleinen Flieger: Beim Flugtag wollen alle hoch hinaus
Stand: 21.07.2026, 06:13 Uhr
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Looping, Rolle, Immelmann, Sturz- und Steilflüge: Die hohe Kunst der kleinen Flieger konnten die rund 1000 Besucher am Wochenende bei den Flugtagen des Flugmodell-Clubs Oberland in Warngau beobachten. Ein Besuch bei der Aviation-Gemeinschaft in Warngau, wo auch der Nachwuchs hoch hinaus will.
Warngau – Die Flugtage des Flugmodell-Clubs (FMC) Oberland, die ebenso wie der Familientag einmal im Jahr bei Osterwarngau stattfinden, faszinieren und locken regelmäßig Schaulustige an den Modellflugplatz. Die 120 Meter lange und 25 Meter breite Landebahn auf einem bestens gepflegten Green wird flankiert von einem Windsack und einem Sicherheitszaun. Am Samstag waren hier gut 600 Schaulustige, die 26 Piloten beobachteten, wie sie an ihren ferngesteuerten Segelfliegern, Propellermaschinen, Impellermaschinen und Modellstrahlturbinen, Helikoptern und Drohnen die wildesten und wagemutigsten Figuren flogen. Am Sonntag konnte die Flugshow trotz der sintflutartigen Regenfälle am Vormittag nachmittags immerhin noch 400 Gäste verbuchen – wieder zumeist ganze Familien.
Es hat sich herumgesprochen, dass man bei dem seit 38 Jahren bestehenden Verein und auf dem seit acht Jahren abseits gelegenen Gelände nördlich der Kiesgrube im Norden von Warngau groß werden kann. Das gilt nicht nur für die Modell-Luftfahrzeuge mit einer Spannweite von 20 Zentimetern bis zu 1,20 Metern, sondern vor allem für den Nachwuchs. Unter den 40 Mitgliedern des Vereins zwischen 8 und 80 Jahren sind heute unter anderem eine Ingenieurin für Luft- und Raumfahrttechnik und ein Pilot großer Passagiermaschinen.
Mit Loopings und Rolles durch die Lüfte
Zu den Jüngsten zählt Louis Schmidt (9) aus Holzkirchen. Er hat das Fliegen seit seinem Erstbesuch beim Familientag 2025 innerhalb eines Jahres gelernt. Der Schüler gilt – und das stellte er am Samstag spektakulär unter Beweis – als einer der geschicktesten und wagemutigsten Piloten, auch an den großen Modellen. „Es macht ihm richtig Spaß, alles, was er hier gelernt hat – vom Akkuaufladen, vom Sendereinstellen, von der Schwerpunktbestimmung bis zu den Kunstflugmanövern, wie Loopings, Rollen, Tiefendurchflug und Formationsflug“, erzählt sein Vater Michael Feyrsänger (51) stolz, der selbst etliche Schulungsprogramme speziell für den FMC Oberland entwickelt hat.
„Wir legen den größten Wert auf die Ausbildung unserer Mitglieder“, erklärt FMC-Vorstand Martin Mair. Allein für die Jugendarbeit fallen jeden Monat rund 20 Stunden an. Hier lernen die aktuell zehn jugendlichen Mitglieder Aviation von der Pike auf: Grundsätzliches über Physik und Mechanik und Elektronik – zum Beispiel, warum Flugzeuge fliegen. Aber auch über Meteorologie und Luftraumbewegung, die rechtlichen Seiten der Aviation, wie Platz- und Flugordnungen, bis zu den allgemeingültigen Luftfahrtgesetzen, denen Modellflieger genauso unterliegen wie Piloten von Passagiermaschinen oder Kampfjets, oder Formales wie die Führung eines Flugbuches.
Ausbildung startet am Flugsimulator
Die praktischen Fertigkeiten trainieren die jungen Modell-Piloten erst am Flugsimulator in der Vereinshütte, später am Flugfeld als Lehrer-Schüler-Flug mit zwei Sendern und erst dann solo unter den Argusaugen des Flugleiters. „Es ist nicht damit getan, sich übers Internet einen Modellflieger zu bestellen und loszufliegen“, sagt Fluglehrer Martin Mair (50). Es brauche Disziplin und Übung – nicht zuletzt für die Reparaturen an den gekauften Fertigmodellen.
Wenn das Verständnis für Technik, Naturgesetze und die Gemeinschaft der Flieger sitzt, können sich Mitglieder unter den Fittichen des Vereinsvorstands an den Modellbau wagen. Dann entstehen nach gekauften und später vielleicht auch selbstentwickelten Bauplänen Modelle, die aussehen wie ihre großen oder historischen Vorbilder. So wie die Fokker E3 oder der Eurofighter, die am Wochenende Guttis und kleine Präsente an Mini-Fallschirmen auf den Nachwuchs abwarfen. Die Flugtage 2026 waren eine Schau für alle Generationen.