Die 4-Prozent-Regel: So viel können Sie monatlich aus Ihrem Depot entnehmen
Stand: 23.07.2026, 07:30 Uhr
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Die 4-Prozent-Regel ist die bekannteste Entnahmestrategie. Was dahintersteckt, wann sie funktioniert und wann nicht.
Wer ein Depot aufgebaut hat und sich fragt, wie lange es reicht, stößt früher oder später auf die 4-Prozent-Regel. Sie besagt: Wer jährlich 4 Prozent des Anfangsdepots entnimmt und dabei für Inflation anpasst, kann das Portfolio statistisch mindestens 30 Jahre weiterlaufen lassen.
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Klingt einfach. Ist es fast. Aber die Details machen den Unterschied.
„Die 4-Prozent-Regel ist ein Anhaltspunkt, keine Garantie“, sagt Margarethe Honisch, Finanzexpertin und Gründerin von Fortunalista. „Wer sie versteht, nutzt sie richtig. Wer sie blind anwendet, riskiert unangenehme Überraschungen.“
Woher die 4-Prozent-Regel kommt
Die Regel geht auf die sogenannte Trinity-Studie zurück, die 1998 an der Trinity University in Texas veröffentlicht wurde. Drei Finanzprofessoren analysierten historische Marktdaten und berechneten, wie hoch die Entnahmerate sein darf, damit ein Portfolio mindestens 30 Jahre hält.
Das Ergebnis: Bei einem Portfolio aus 50 Prozent Aktien und 50 Prozent Anleihen und einer Entnahmerate von 4 Prozent hielt das Portfolio in 95 Prozent aller historisch betrachteten 30-Jahres-Zeiträume. Bei 100 Prozent Aktien sogar in noch mehr Zeiträumen.
Was diese Zahl bedeutet: In den meisten historischen Szenarien hat die 4-Prozent-Regel funktioniert. In einigen wenigen nicht.
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Was die Regel konkret bedeutet
Bei einem Depot von 200.000 Euro:
4 Prozent gleich 8.000 Euro jährlich, also 667 Euro monatlich.
Bei einem Depot von 300.000 Euro:
4 Prozent gleich 12.000 Euro jährlich, also 1.000 Euro monatlich.
Was dabei zu beachten ist: Die ursprüngliche Studie meinte 4 Prozent des Anfangswerts, inflationsangepasst. Wer starr 4 Prozent des aktuellen Depotwerts entnimmt, hat eine andere, flexiblere Strategie.
Wann die Regel funktioniert
Die 4-Prozent-Regel funktioniert am besten unter bestimmten Voraussetzungen.
Das Portfolio bleibt investiert, also nicht alles in Tagesgeld umgeschichtet. Die Entnahme wird in schlechten Börsenjahren nicht erhöht. Der Zeitraum beträgt etwa 30 Jahre. Das Portfolio enthält einen ausreichenden Aktienanteil.
Wer länger als 30 Jahre plant, also mit 60 in Rente geht und 95 wird, sollte konservativer kalkulieren. Eine Entnahmerate von 3 bis 3,5 Prozent ist in diesem Fall sicherer.
Wann Vorsicht geboten ist
Was die Trinity-Studie nicht berücksichtigt: Steuern auf Kapitalerträge, persönliche Ausgabenschwankungen und außergewöhnliche Marktphasen.
Wer in einem Jahr mit starkem Kursrückgang zu viel entnimmt, schadet dem Depot langfristig erheblich. Was in guten Jahren aufgebaut wird, kann in einem schlechten Jahr durch übermäßige Entnahme dauerhaft reduziert werden.
Was hilft: ein Liquiditätspuffer von einem bis zwei Jahren Lebenshaltungskosten auf dem Tagesgeldkonto. In schlechten Börsenjahren wird aus dem Puffer entnommen, nicht aus dem Depot. In guten Jahren wird der Puffer wieder aufgefüllt.
„Die 4-Prozent-Regel ist ein guter Ausgangspunkt“, sagt Margarethe Honisch. „Wer sie mit einem Puffer kombiniert und flexibel anpasst, hat eine robuste Entnahmestrategie für den Ruhestand.“