„Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“: Rassistische Gesänge auf Sommerfest von Schule

Stand: 23.07.2026, 12:47 Uhr

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Bei der Abschlussfeier der Stuttgarter Merz Schule kam es zu rassistischen Gesängen. Der Vorfall erinnert an die Party auf Sylt, die Einrichtung zeigt sich schockiert.

Stuttgart – Bei der Abschlussfeier einer Schule in Stuttgart (Baden-Württemberg) kam es zu ausländerfeindlichen Sprechchören. Wie Schulleiter Frederik Merz von der Merz Schule gegenüber dem SWR erklärte, spielte der DJ gegen Ende der Veranstaltung auf Wunsch mehrere Songs – bei einem davon seien die rassistischen Parolen „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“ laut geworden. Der DJ habe die Musik sofort gestoppt, sobald er die Rufe bemerkt habe. Dennoch sei kurzzeitig eine entsprechende Stimmung aufgekommen, so Merz. Auch weitere Medien griffen den Vorfall auf.

Merz Schule in Stuttgart: Auch Jugendliche mit Migrationshintergrund sollen sich beteiligt haben

Ein Beteiligter konnte identifiziert und der Feier verwiesen werden – ein frischgebackener Abiturient, der im Nachhinein deutliche Reue zeigte und dem der Vorfall sichtlich unangenehm war. Auch Jugendliche mit Migrationshintergrund hatten sich an den Sprechchören beteiligt. Schulleiter Merz zeigte sich darüber „maximal erstaunt“ und stellte fest, dass offenbar kaum noch ein Bewusstsein dafür bestehe, welchen Schaden solche Äußerungen anrichten können – sie schienen inzwischen als Bagatelle wahrgenommen zu werden.

Die Merz Schule in Stuttgart

Die Merz Schule ist eine private, staatlich anerkannte Bildungseinrichtung in Stuttgart, die Kinder und Jugendliche von der Krippe bis zum Abitur begleitet. Sie wurde am 22. November 1918 von Senator Albrecht Leo Merz unter dem Namen „Werkhaus-Werkschule Merz“ gegründet und gilt seither als Vorreiter innovativer Lernmethoden.

Die Schule umfasst heute Kindergarten, Grundschule mit Hortbetreuung, Gymnasium sowie ein Internat ab Klasse 5 und liegt an der Geroksruhe im Stuttgarter Osten. Sie war eine der ersten Schulen der Bundesrepublik, die den unterrichtsfreien Samstag sowie eine Ganztagsbetreuung einführte. (Quelle: merz-schule.de)

Die Schule habe gegenüber den Schülerinnen und Schülern klar Stellung bezogen: Derartige Parolen seien mit dem Selbstverständnis einer Schule mit internationaler Ausrichtung nicht vereinbar. Da in praktisch jeder Klasse Kinder mit Migrationshintergrund lernen, sei die Bestürzung in der Schülerschaft entsprechend groß gewesen.

Merz äußerte zudem Verwunderung darüber, dass die Rufe strafrechtlich nicht relevant seien, und plädierte für eine gesellschaftliche Debatte darüber, wo die Grenze zwischen Meinungsfreiheit und Volksverhetzung verlaufe. Die Polizei bestätigte, dass nach bisherigem Ermittlungsstand keine strafrechtliche Relevanz vorliege – der Vorfall sei aber „massiv geschmacklos“, so ein Polizeisprecher.

Merz Schule steht unter dem Dach des Schulgebäudes geschrieben.

Rassistische Gesänge an der Stuttgarter Merz Schule sorgen für Empörung, haben aber keine strafrechtliche Relevanz. © Jennifer Kramer/dpa

Vorfall an Merz Schule erinnert an Sylt im Jahr 2024 – Privatschulverband distanziert sich

Auch der Verband deutscher Privatschulen Baden-Württemberg (VDP BW) reagierte auf den Vorfall an der privat getragenen Merz Schule und grenzte sich klar ab: „Für Diskriminierung und extremistisches Gedankengut ist an unseren Schulen kein Platz“, erklärte der Verband. Präsident Michael Büchler betonte, rassistische Parolen oder Lieder verletzten Menschenwürde und Menschenrechte und erforderten eine unmittelbare, konsequente Reaktion.

Der Verband äußerte Vertrauen darauf, dass der zuständige Schulträger in Stuttgart den Vorfall vollständig aufklären werde. Rassistische und rechtsextreme Ausfälle wie dieser seien Ausdruck einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung, die auch vor Schulen nicht haltmache.

Der Fall weckt Erinnerungen an einen Vorfall auf Sylt im Jahr 2024: Damals hatten Partygäste in einer Bar zur Melodie des Hits „L‘amour toujours“ die Parole „Ausländer raus! Deutschland den Deutschen!“ skandiert, was bundesweit für Empörung sorgte. Die daraufhin eingeleiteten Verfahren wurden größtenteils eingestellt. (dpa/jul)