Desolate Sauberkeit auf Hessens Rastplätzen – drei Anlagen fallen besonders negativ auf
Stand: 15.07.2026, 06:00 Uhr
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Kein Klopapier, geschlossene Toiletten, Vandalismus überall – beim bundesweiten ADAC-Rastplatz-Test landet Hessen ganz unten.
Hessen – Wer auf hessischen Autobahnen eine Pause einlegen will, hat schlechte Karten: Gleich vier der fünf schlechtesten Rastanlagen in einem aktuellen bundesweiten ADAC-Test liegen in Hessen. Der Automobilclub untersuchte 50 unbewirtschaftete Rastplätze mit Sanitäranlagen quer durch Deutschland – und das Ergebnis fällt ernüchternd aus.
Besonders gravierend ist die Lage an der Rastanlage „Am Stadtwald“ an der A3 im Frankfurter Raum – sie bildet das bundesweite Schlusslicht aller 50 getesteten Standorte. „Wer hier auf Toilette möchte, muss weiterfahren oder gleich die Botanik aufsuchen. Bereits vor vier Jahren war das WC-Häuschen geschlossen, mittlerweile gibt es dort nicht mal mehr mobile Toiletten“, teilt der ADAC mit. Der Gesamtzustand sei stark verdreckt, Mülleimer seien je nach Wochentag übergequollen. Ende Juni sei auf dem Gehweg benutztes Spritzbesteck gefunden worden.
Kaum besser sieht es laut ADAC an den anderen hessischen Anlagen aus: Die Rastanlage „Nadelöhr“ an der A4 zwischen Bad Hersfeld und Eisenach landete auf Platz 48 von 50. Die Grünflächen seien verschmutzt, die Behindertentoilette ohne vorherige Ankündigung auf der Autobahn gesperrt.
Hessen dominiert die untere Tabellenhälfte
Platz 46 belegt die Raststätte „Brühlgraben“ an der A5 zwischen Frankfurt und Darmstadt. Auf der Herrentoilette seien Sauberkeitsmängel deutlich erkennbar, Behindertenparkplätze fehlten, die Grünflächen seien verschmutzt – und aktuell sei die Anlage komplett gesperrt. Die Raststätte „Am Pommer“ an der A7 zwischen Kassel und Fulda rangiert auf Platz 44. Bemängelt werden dort unter anderem Hygienemängel in den Unisex-Toiletten sowie eine schlechte Beleuchtung.
„Das Grundbedürfnis nach sauberen und funktionierenden Rastplätzen mit WC wird an den getesteten Anlagen kaum erfüllt“, sagt ADAC-Verkehrsexperte Wolfgang Herda. Er fordert von der Autobahn GmbH als Betreiber, die Anlagen stärker in den Blick zu nehmen – durch Modernisierung oder häufigere Reinigungen.
Autobahn GmbH testet neuen Reinigungstakt
Die Autobahn GmbH nimmt die Kritik des ADAC eigenen Angaben zufolge ernst. Derzeit werden die WC-Anlagen zweimal täglich gereinigt, Mülleimer dreimal pro Woche geleert. In Hessen, Thüringen und Sachsen-Anhalt laufe jedoch bereits ein Pilotprojekt mit bis zu fünf Reinigungen täglich. „Dies wird zu spürbaren Verbesserungen gegenüber der gegenwärtigen Situation führen“, hieß es. Gleichzeitig verwies die Autobahn GmbH auf das Verhalten der Nutzerinnen und Nutzer als weiteren Einflussfaktor.
Die Anlagen „Am Stadtwald“ und „Brühlgraben“ seien wegen Defekten derzeit geschlossen. Als Übergangslösung plant die Autobahn GmbH, dort Container aufzustellen. Für künftige Neubauten habe sie außerdem standardisierte, modulare Gebäude mit einer „reinigungsfreundlichen Innenausstattung“ entwickelt.
Bundesweit: Fast jede zweite Anlage mangelhaft
Auch im gesamtdeutschen Bild fällt die Bilanz des ADAC düster aus: Bei 46 Prozent der 50 getesteten Rastplätze vergab der Club die Note mangelhaft oder sehr mangelhaft. Gut schnitt weniger als jeder fünfte Standort ab (18 Prozent), sehr gut kein einziger. Hauptproblem sind die Toilettenanlagen – in fast zwei Dritteln der Fälle mangelhaft oder sehr mangelhaft. Oft fehlte Toilettenpapier, Seifenspender waren nicht vorhanden, Handtrockner funktionierten nicht. Auf fast allen Rastplätzen (96 Prozent) stießen die Tester zudem auf Vandalismus in verschiedenen Formen.
Etwas besser schnitten die Anlagen in den Kategorien Verkehr und Parken ab – dort gab es im Schnitt die Note gut. Die Außenanlagen erreichten laut ADAC ein mittleres Niveau. Beim Thema persönliche Sicherheit hingegen zeigte sich erneut Nachholbedarf.