Der Fall Ansah und die Folgen: Wie unangekündigte Dopingtests für Sportler ablaufen
Der Fall Ansah und die Folgen Wie unangekündigte Dopingtests für Sportler ablaufen
Berlin · Dopingkontrolle während der Uni-Prüfung? Auch das gab es schon. Wie Athleten mit unangekündigten Tests umgehen und warum schon ausgeschaltete Handys zum Problem werden können.
27.07.2026 , 13:36 Uhr
Im Fokus: Sprinter Owen Ansah.
Foto: Sven Hoppe/dpa
Topsprinter Owen Ansah wollte bloß schnell zum Flughafen und zum nächsten Wettkampf, als der Dopingkontrolleur unangekündigt vor der Tür stand. Wegen des Zeitdrucks verweigerte Ansah die Probe, was er nicht gedurft hätte. Dem für den Hamburger SV startenden 25-Jährigen droht nun eine mehrjährige Sperre. Denn Spitzensportler wie Ansah zählen zum sogenannten Registered Testing Pool (RTP), für sie gelten die strengsten Vorgaben der Nationalen Anti-Doping Agentur (Nada) und der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada). Die Deutsche Presse-Agentur beantwortet die wichtigsten Fragen zu dem System:
Wie läuft eine unangekündigte Dopingkontrolle normalerweise ab?
Die Nada kann jede Athletin und jeden Athleten, die ihrem Testpool angehört, jederzeit und überall auf verbotene Substanzen testen. Üblich sind Blutkontrollen (Serum- und Vollblutprobe), Urinkontrollen und die Abnahmen von Dried-Blood-Spot-Proben, also Trockenblutspots (DBS). Die von der Nada seit September 2021 genommenen DBS-Proben verlaufen minimalinvasiv. Ein kleiner Stich in die Fingerbeere oder den Oberarm genügt, dann werden ein paar Blutstropfen auf einem Filterpapier aufgefangen und getrocknet. Frauen werden von Frauen, Männer von Männern kontrolliert.
Auf Fußball-Nationalspielerin Laura Freigang kommt ein Verfahren zu. (Archivbild)
Foto: Daniel Karmann/dpa
Woher wissen die Kontrolleure, wo sie die Sportler finden?
Die Sportler sind zur intensiven Datenpflege verpflichtet. Orts- und Zeitangaben müssen auf dem neuesten Stand sein, das gilt auch für Urlaub, Arbeit oder Schule. Darüber hinaus müssen RTP-Athleten für jeden Tag ein einstündiges Testzeitfenster zwischen 6 und 23 Uhr angeben, in dem sie für eine Dopingkontrolle zur Verfügung stehen. „Das Prozedere zur Umsetzung von Dopingkontrollen ist weltweit standardisiert“, sagt Eva Bunthoff, die das Ressort Doping-Kontroll-System bei der Nada leitet.
Warum gibt es überhaupt unangekündigte Dopingkontrollen?
Der Überraschungseffekt verhindert, dass sich dopende Sportler auf die Kontrollen vorbereiten können. Denn „es gibt Substanzen, die nicht lange nachweisbar sind“, erklärt Bunthoff. Und längst sind nicht mehr nur die Stunden vor dem Wettkampf entscheidend. „Vor allem geht es mittlerweile darum, dass Sportler ihre Regenerationsphasen verkürzen, etwa nach Verletzungen“, sagt Bunthoff.
Welche Konsequenzen hat das Verpassen einer unangekündigten Dopingkontrolle?
Wer einen Kontrolltermin verpasst, etwa weil die Aufenthaltsdaten nicht mehr aktuell sind, riskiert einen sogenannten Strike. Rund 500 Anhörungen habe es im vergangenen Jahr durch die Nada zu einem möglichen Meldepflicht- und Kontrollversäumnis gegeben, erläutert Bunthoff. Jeder Fall wird dokumentiert, führt aber nicht immer zu einem festgestellten Versäumnis. 2025 endeten etwa 300 der 500 Anhörungen mit einem Strike. Aber auch das ist noch kein großes Problem für die Athleten. Erst bei drei Strikes wird es richtig brenzlig.
Was passiert bei drei Strikes?
Dann kann ein Ergebnismanagement-Verfahren wegen eines möglichen Verstoßes gegen die Anti-Doping-Bestimmungen eingeleitet werden. Oft kommt das nicht vor. „Von diesen rund 300 Strikes führen im Jahr rund zwei bis drei Fälle zu einem Verfahren, aufgrund von drei Meldepflicht- und Kontrollversäumnissen innerhalb von zwölf Monaten“, sagt Bunthoff. Dabei werden alle drei Strikes einbezogen und noch mal untersucht. Vor einem solchen Verfahren steht etwa Fußball-Nationalspielerin Laura Freigang.
Welche Folgen hat die Verweigerung einer unangekündigten Dopingkontrolle?
Wenn ein Athlet zu einer Dopingkontrolle aufgefordert wurde, muss diese nach den Wada-Vorgaben durchgeführt werden. „Eine Abweichung davon gilt als möglicher Verstoß gegen Anti-Doping-Bestimmungen“, sagt Bunthoff. Wer sich einer Kontrolle entzieht wie Ansah, muss also eine Sperre fürchten. Laut Bunthoff gab es auch schon den kuriosen Fall, dass ein Kontrolleur zu einer Uni-Prüfung kam, um den Athleten zur Dopingkontrolle aufzufordern. Der Athlet hatte vergessen, die entsprechende Information der Nada mitzuteilen.
Wie erlebt ein Topathlet solche Kontrollen im Alltag?
In Hintergrundgesprächen wird auf den Aufwand hingewiesen, die die Datenpflege in Anspruch nimmt. Pragmatisch sieht es Julian Weber: „Das gehört einfach dazu zum Profisportler-Dasein. Es ist richtig und wichtig, dass das umgesetzt wird“, sagt der Speerwurf-Europameister von 2022. Er habe aber auch mal einen Strike kassiert, weil sein Handy ausgeschaltet war und die Klingel nicht funktioniert habe. „Aber das ist alles lösbar. Ich gebe da immer frühmorgens meine Stunde an, und ich bin dann auch da.“ Dafür stellt er sich sogar den Wecker.
Kann es passieren, dass ein Athlet mehrmals am selben Tag kontrolliert wird?
Auch das geht. Weber berichtet von einem Tag, an dem Kontrolleure der Nada und der Wada bei ihm auftauchten, „genau zum gleichen Zeitpunkt“. Da sei er verwirrt gewesen. „Es kann auch mal passieren, dass man an einem Tag zwei unterschiedliche Kontrollen hat“, einmal Urin-, einmal Blutkontrolle. Manchmal kämen die Kontrolleure alleine, manchmal zu zweit, selten auch zu dritt. Manchmal werde Blut und Urin getestet, manchmal nur Urin.
Wie groß ist der Aufwand hinter dem Kontrollsystem?
Die Nada verfügt nicht über eigenes Kontrollpersonal. Sie arbeitet mit zwei spezialisierten Unternehmen zusammen, die sie bei der Durchführung von Dopingkontrollen unterstützen: Professional Wordwide Controls (PWC) ist in der Nähe von München beheimatet, das International Doping Test and Management (IDTM) sitzt in Stockholm. Weltweit stehen der Nada rund 400 Kontrolleure zur Verfügung. Tests im Ausland sind daher problemlos möglich.
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