Den Pseudo-Patrioten von FPÖ und Identitären geht es um eigene Privilegien
Colette M. Schmidt
Den Pseudo-Patrioten von FPÖ und Identitären geht es um eigene Privilegien
Die Chats zwischen Martin Sellner und einem FPÖ-Politiker zeigen, wie die selbsternannten Kämpfer für sich keine Regeln akzeptieren
Kommentar
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Colette M. Schmidt
Sie nennen sich Patrioten. Die einen wie die anderen. Die einen sind in der rechtsextremen FPÖ, die je nach Bedarf verschiedene Rollen spielt: Jene der staatstragenden Partei oder jene der Kämpferin gegen "Eliten" und angebliche migrantische "Schmarotzer".
Die anderen sind die verfassungsfeindliche Truppe der in die Jahre gekommenen "Identitären". Männer aus bürgerlichen Kreisen, die sich als Kämpfer gegen Fantasiefeinde in Pose werfen. Teil ihrer imaginierten Verschwörung sind da auch Medien, die ihr Spiel aufdecken.
FPÖ und IB eint eine menschenverachtende Ideologie, Rassismus und Machtrausch. Gemeinwohl, Gerechtigkeit und Menschenwürde sind keine Konzepte, die man in diesen Kreisen findet.
Aber da gibt es noch einen anderen Aspekt. Die banale, zutiefst österreichische Haltung: "Der Papa wird's schon richten". Oder halt der Bundesbruder aus der Burschenschaft. Oder der blaue Politiker oder FPÖ-Mitarbeiter, mit dem man seit Jahren am Stammtischen auf die "weiße Rasse" und gewaltsame Abschiebungen von Mitbürgern anstößt oder – noch früher – einschlägige Webseiten mit Hasspropagande befüllte.
Regeln nur für andere
Bei den nun bekannt gewordenen Chats zwischen dem Arztsohn, Spendensammler und Identitären-Kopf Martin Sellner und dem Schlossherren, Ex-Ministerinnen-Sohn und Herausgeber des rechtsextremen Freilich-Magazins Heinrich Sickl, damals noch FPÖ-Gemeinderat, sieht man, wie diese Regeln, die für alle gelten, nicht akzeptieren.
Der von der Rechten selig gesprochene Jörg Haider prangerte gerne die sogenannten "Altparteien" als verbraucht oder korrupt an. Im fahlen Licht lodernder Finanzskandale in den blauen Reihen ist das schlecht gealtert.
Auch Sellner, der noch nie einer geregelten Beschäftigung nachging, und Schlossherr Sickl zeigen hier, wie in ihrem Leben ohne Privilegien nichts geht. Die Steuerprüfung steht vor der Tür und man ruft einen "hohen Finanzbeamten" an.
Man kennt das: Der Vorwurf von Postenkorruption steht im Raum – und man nominiert einen Bundesbruder, um das zu prüfen; wie zuletzt in Oberösterreich. Die kleinen Leute schauen in so einem System durch die Finger.
Erbärmlich
Erbärmlich ist es, wie die FPÖ sich ihr Parteiprogramm (Stichwort "Remigration") von der gewaltbereiten Truppe diktieren lässt. Erbärmlich ist es aber auch, wie sich der Rest der Gesellschaft davon beeindruckt den Diskurs deformieren lässt.
Statt Werte wie Mitgefühl und Solidarität zu verteidigen, ließen sich viele politische Mitbewerber lange auf das Spielfeld jener locken, die keine Regeln kennen und sie schon gar nicht einhalten.
Alle Parlamentsfraktionen haben nun deutliche Worte für die Verstrickungen der FPÖ gefunden. Doch die im deutschen Nachbarland viel beschworene Brandmauer ist in Österreich in fünf Bundesländern nicht existent. Die ÖVP lässt sich dort erniedrigen. Dabei nannte die Bundespartei den Kurs der FPÖ diese Woche "staatsgefährdend". Das ist nicht übertreiben.
Keine von den in der FPÖ agierenden Figuren wird sich nach der nächsten Nationalratswahl wundersam vom Saulus zum Paulus gewandelt haben. Ihr Programm ist bekannt. Wer mit ihnen kooperiert, weiß das. Wer glaubt, sie zähmen zu können, ist naiv und duldet großen Schaden an der Demokratie. Hoffentlich erinnert sich die ÖVP dann an die eigenen Worte. (Colette M. Schmidt, 23.7.2026)
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