ZDF-Ausladung von Danger Dan stößt auf Kritik
Neuer Song "Keine Angst"
ZDF-Ausladung von Danger Dan stößt auf Kritik
Das ZDF hat einen Auftritt des Berliner Künstlers Danger Dan und des Pianisten Igor Levit gestoppt und damit eine Debatte über die Grenzen von Kunst- und Meinungsfreiheit ausgelöst.
Der Auftritt war zunächst für die 100. Ausgabe der Sendung "Die Anstalt" am kommenden Dienstag geplant. Geplant war laut ZDF, dass der Rapper den Song "Keine Angst" präsentiert, in dem es um das Thema "Widerstand gegen Rechtsextremismus" gehe. Kurz vor der Aufzeichnung entschied das ZDF, den Auftritt zu streichen. Der Sender begründete das damit, dass der Liedtext als Aufruf zu Gewalt verstanden werden könne.
Lied soll "an anderer Stelle aufgearbeitet werden"
Das ZDF erklärte, bei der Vorbereitung der Sendung habe man sich redaktionell intensiv damit beschäftigt, auch die Geschäftsleitung des Senders sei beteiligt gewesen. Man sei zu der Bewertung gekommen, dass der Widerspruch zu den ZDF-Programmrichtlinien im Anschluss an die mehr als siebenminütige Live-Performance auf der Bühne nicht mehr aufzulösen gewesen wäre.
Vor diesem Hintergrund sei entschieden worden, "sich zeitnah dokumentarisch-journalistisch mit dem Lied von Danger Dan zu befassen und an einer anderen Stelle im Programm aufzuarbeiten". Der Sender will in einer Sonderausgabe von "aspekte" an diesem Samstag "das Versprechen einlösen, uns [...] mit dem Lied von Danger Dan und dessen Thema 'Widerstand gegen Rechtsextremismus' zu befassen".
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Das ZDF verteidigte und präzisierte am Freitag seine Entscheidung. Der Text des Liedes könne als Anleitung zum politischen Extremismus verstanden werden, der Selbstjustiz propagiere und Gewalt nicht ausschließe. Die vier Vornamen Lina, Gucci, Maja und Nanu etwa, die am Ende der letzten Strophe mit "lieben Grüßen" bedacht werden, seien "identisch mit Vornamen einschlägig bekannter, zum Teil schon rechtskräftig verurteilter Linksextremisten", so das ZDF weiter.
Im Lied werden Tipps gegeben, wie sich Menschen gegen rechte Gruppen organisieren können, ohne in den Fokus der Sicherheitsbehörden zu geraten. Es gelte, "Sicherheit selbst zu organisieren", heißt es.
"Lasst euch nicht erwischen, schaut nach Überwachungskameras", singt Dan an einer Stelle, an einer anderen: "Nie ohne Handschuhe, nie 'nen Fingerabdruck hinterlassen". Und: "Alles was verboten sein könnte: nur face to face." Im Lied heißt es auch: "Die sehn gefährlich aus, aber wir legen sie lang", so der Songtext.
"Juristisch ist mal wieder die Grauzone geschrammt, ich lass ihn jetzt einfach mal im Raum - den Elefant, ist eh klar, was zu tun ist."
Kritik von der Redaktion
An der Entscheidung des ZDF wurde jedoch von verschiedenen Seiten Kritik geäußert.
Das Team der Satiresendung "Die Anstalt" kritisierte die ZDF-Entscheidung als "mutlos". "Wir, "Die Anstalt", distanzieren uns von dieser Entscheidung des ZDF", schrieb das Team um die Moderatoren Claus von Wagner, Max Uthoff und Maike Kühl auf "Instagram" [instagram.com]. "Wir hätten es als öffentlich-rechtliche Pflicht gesehen, das Lied zu präsentieren und danach zu diskutieren", schrieben die Sendungsmacher auf Instagram weiter - gerade in Zeiten, in denen rechtsextreme Gewalt wieder stark zunehme.
Redaktion und Künstlern "in den Rücken gefallen"
Kritik an der ZDF-Entscheidung kam auch vom Deutschen Journalisten-Verband (DJV). "Man muss den Song und den Inhalt nicht gut finden, sagt der DJV-Vorsitzende Mika Beuster. Aber er sei von der Kunstfreiheit gedeckt. "Wer die AfD ins Programm ein- und Igor Levit und Danger Dan auslädt, der hat wohl Angst. Oder ein Problem mit seinem Kompass", urteilte Beuster via Linkedin [linkedin.com].
Die Gewerkschaft Verdi sprach von einer "gravierenden Fehlentscheidung". Bundesvorstandsmitglied Christoph Schmitz-Dethlefsen warf dem ZDF-Intendanten vor, seiner Redaktion und den beiden Künstlern "in den Rücken" gefallen zu sein. "Dies stellt einen schwer zu heilenden Vertrauensverlust der ZDF-Kolleginnen und -Kollegen in die Medienfreiheit und die Unterstützung durch ihren Intendanten dar", kritisierte er.
Danger Dan "verabscheut Gewalt"
Danger Dan sagte "Spiegel Online" [spiegel.de, Bezahlinhalt], er rufe in dem Song niemanden auf, in den kriminellen Untergrund zu gehen. Es gehe darum, wie wirksame Antifaschismus-Strukturen aufgebaut werden können. "Dafür muss man nicht in den Untergrund, das geht auch aus der Mitte der Gesellschaft."
Er verabscheue Gewalt, betonte Danger Dan. "Aber das Problem ist: Sie ist schon längst politische Realität." In den vergangenen Jahren hätten sich viele neue Neonazi-Gruppen gebildet. "Der Staat versagt, und an der Zivilgesellschaft bleibt es hängen." Es sei wichtig, sich solchen Leuten in den Weg zu stellen.
Sendung: radioeins vom rbb, 17.07.2026, 16:02 Uhr
Audio: radioeins vom rbb, 17.07.2026, Volker Wieprecht
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