Fussball-WM: Das verhängnisvolle Drama um den Platzverweis gegen Breel Embolo

Das WM-Schicksal von Breel Embolo: Das Drama um den Platzverweis fügt sich nahtlos in seine Laufbahn ein

Der vorzeitige Abgang Embolos hat das bittere Ende des Schweizer Halbfinal-Traums eingeleitet – und wirkt wie eine schlechte WM-Pointe. Warum Embolo an der Seitenlinie ein Theater aufführte, bleibt rätselhaft.

13.07.2026, 14.59 Uhr

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Schweizer Verzweiflung pur: Der Schiedsrichter zeigt Embolo die rote Karte.

Schweizer Verzweiflung pur: Der Schiedsrichter zeigt Embolo die rote Karte.

Will Oliver / EPA

Auch Details entscheiden WM-Spiele: Ein Penalty fliegt an die Lattenunterkante – und von dort auf die Torlinie. Kein Tor. Ein Stürmer zirkelt den Ball in der 112. Spielminute wie im Traum in die hohe Torecke. Tor. Oder der Schweizer Breel Embolo lässt sich an der Seitenlinie draussen zu einer Foul-Simulation hinreissen und wird nach der gewöhnungsbedürftigen Intervention des Videoschiedsrichters (VAR) des Feldes verwiesen. Danach spielen seine Copains zu zehnt. Gegen den Weltmeister.

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Ein paar Wochen vor der WM: Im Trainingszentrum seines Arbeitgebers Stade Rennes sprach Breel Embolo zu den Medien. Er freute sich auf die WM und beantwortete die Frage, ob die 1:6-Niederlage an der WM 2022 in Katar die schlimmste Niederlage gewesen sei: «Nein, im EM-Viertelfinal 2024 gegen England waren wir einen Penalty vom Halbfinal entfernt. Die Chance der Wiedergutmachung haben wir erst in vier Jahren wieder. Details entscheiden solche Spiele.»

Embolo reist verspätet an die WM – und verlässt sie verfrüht

Die verhängnisvolle Verkettung von Einzelheiten wendet sich gegen die Schweizer Fussballer, in der 72. Minute im WM-Viertelfinal gegen Argentinien (1:3), beim Stand von 1:1. Dass ausgerechnet Embolo das Ende des Schweizer Halbfinal-Traums mitverantwortet, wirkt wie die schlechte Schweizer WM-Pointe. Wegen Abklärungen im Zusammenhang mit einer strafrechtlichen Verurteilung war Embolo verspätet in die USA gereist. Und nun wird im Viertelfinal sein Arbeitstag frühzeitig beendet.

Embolo ist bereits verwarnt und lässt sich in der 72. Minute im Zweikampf mit dem Argentinier Leandro Paredes zu einer theatralischen Flug-Einlage hinreissen. Die Folge: Nach der Intervention des Videoschiedsrichters nimmt der Referee die Verwarnung gegen Paredes zurück. Dafür wird Embolo bestraft, weil die TV-Bilder zeigen, wie krass er ein grobes Foul des Gegners vortäuscht. Zweite gelbe Karte gegen Embolo – WM-Ende für ihn. Ungläubigkeit, Schluchzen, hinterher wortloser Abgang im Stadion, das Gesicht verborgen. Die Schweizer Delegation erhebt schwere Vorwürfe gegen die Spielleitung.

Auch der frühere Fifa-Schiedsrichter Urs Meier, an der EM 2004 nach einem von ihm geleiteten Viertelfinal zwischen Portugal und England heftigster britischer Polemik (Morddrohungen, Polizeischutz) ausgesetzt, kriegt sich in einem Instagram-Beitrag kaum ein. Meier sagt im Furor, dass Embolo von den Argentiniern gehalten und gestossen worden sei, dass die erste Verwarnung gegen ihn «nichts» gewesen sei und dass sich Embolo in der Szene gegen Paredes nur deshalb so verhalten habe, «weil er Angst hatte, wieder eins abzubekommen».

Die Diskussion mit dem Referee nützt nichts mehr: Für Breel Embolo ist der WM-Viertelfinal vorzeitig beendet.

Die Diskussion mit dem Referee nützt nichts mehr: Für Breel Embolo ist der WM-Viertelfinal vorzeitig beendet.

Peter Klaunzer / Keystone

Die Meier-Polemik, die Skandalisierung und jede Schelte an der Spielleitung ändern nichts an der Frage, was Embolo bewirken wollte. Wäre er «normal» hingefallen und wäre er nur ein bisschen Schauspieler gewesen, wäre neben dem Foulpfiff nichts passiert. Das ist die Ironie der Geschichte. Embolo provozierte etwas, das unerbittlich auf ihn zurückfiel. Gut möglich, dass Embolo in anderen Ländern nun wie ein Freiwild rassistischen Anfeindungen ausgesetzt wäre. In der Schweiz erfährt er dagegen – im Gegensatz zum Schiedsrichter – auch Wohlwollen.

Die Geschichte des in Kamerun geborenen Fussballers erzählt von einem Filou, der früh in die Millionenwelt des Fussballs hineingerät. Als Minderjähriger ohne Führerausweis im Auto unterwegs, diverse Tempoüberschreitungen, Auseinandersetzungen in nächtlichen Ausgängen, nach einer Party Flucht vor der Polizei über Hausdächer, Autounfälle mitten in der Nacht, Bussen im sechsstelligen Bereich von Klubs, strafrechtliche Verurteilung wegen massiver Drohungen.

Man kann sich eine Konversation zwischen einem Berater und Embolo so vorstellen: «Breel, was hast du da wieder mitten in der Nacht gemacht? Das geht doch nicht, nicht um diese Zeit.» Seine Antwort: «Warum? Ich war unterwegs, was soll da sein?» Das Problem war in diesem Fall, dass Embolo in Monaco, in der Stadt seines früheren Arbeitgebers, nicht inkognito unterwegs war, sondern in einem auffälligen Auto. Die Bilder machten in den sozialen Netzwerken die Runde. Er bietet zahlreiche Nebenschauplätze, die nicht im Verborgenen bleiben. Nicht bei ihm, denn wie pflegt er zu sagen: «Wo ist das Problem?»

Die ganz grosse Karriere macht Embolo nicht

Embolo kann reflektiert über sein Dasein Auskunft geben. Man merkt gleichzeitig, dass er in einer eigenen Welt unterwegs ist. Aber er strahlt auch etwas Unbedarftes aus, er kann fahrig wirken, spricht manchmal abwehrend in Rätseln und sagt zum Beispiel, dass nur er wissen könne, was gewesen sei. In Rennes hat er einen guten Ligue-1-Vertrag, aber so gross, wie er es selbst wollte und immer wieder ankündigte, wird seine Karriere nicht (mehr).

Die WM bot Anschauungsmaterial dazu, wie er auf dem Rasen um Raum kämpft, wie wenig Zurückhaltung er übt. Wie ein Prellbock stellt er sich hin, mit dem Rücken zum gegnerischen Tor, den Ball fordernd, das dauerhafte Ringen mit dem Verteidiger annehmend, Arme haltend, klemmend, Nahkampf – Physis, immer wieder Physis. Embolo ist ein Strafraum-Puncher, kein Filigrantechniker. Er hat etwas Schonungsloses, weiss aber mit 29 Jahren seinen Körper besser zu schützen als früher.

Nur er weiss, warum er in Kansas City den Schauspieler gab. Alle dachten an ein grobes Foul, als sie Embolo abheben sahen. Das gute Schauspiel Embolos wird zum Bumerang. Ohne Verwarnung an die Adresse von Paredes und ohne die nur deshalb erfolgte Konsultation der TV-Bilder wäre die Schweiz womöglich im WM-Halbfinal. Dumm gelaufen. Das als Schein-Foul überführte Schauspiel fügt sich nahtlos in die Laufbahn Embolos ein. Man wird sich noch lange im Rückblick zuraunen: «Weisst du noch damals, das WM-Drama um Embolo?»

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