50 Jahre Knust: Warum dieser Club fast scheiterte
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Das Knust feiert Geburtstag: Gesungen wird acht Stunden lang
Das Knust feiert Geburtstag – mit vielen Konzerten und einer Mammut-Show.
50 Lieder wird Bernd Begemann an diesem Sonntag singen – passend zum 50-jährigen Knust-Jubiläum. Acht Stunden dauert das, so wird geschätzt. Der Club läutet mit dem Mammut-Konzert seine Geburtstags-Wochen ein, bis zum 9. August wird im Saal und auf dem Lattenplatz gefeiert. Natürlich mit viel Musik.
Dabei beginnt die Geschichte des Knusts eigentlich gar nicht mit dem Knust: 1966 wurde im Souterrain eines Geschäftsgebäudes an der Brandstwiete das Jazzhouse eröffnet, bis heute legendär. Herbie Hancock saß da am Piano, Udo Lindenberg soll Stammgast gewesen sein. Bis 1976 Schluss war und der Laden zum Knust wurde. 1983 sang die 17-jährige Björk hier, 1984 spielten R.E.M. ihr erstes Deutschland-Konzert, 1994 trat Jeff Buckley auf. Kleiner Keller-Club, spannendes Booking. Eine Erfolgsgeschichte? Von wegen!
50 Jahre Knust: Altes Gebäude abgerissen
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Steuerprüfungen und schwieriges Management ließen nacheinander zwei Geschäftsführer aufgeben, erinnert sich der Club-Chef Karsten Schölermann, der die Position seit 1983 innehat. Und es gab noch mehr Probleme. Das größte kam allerdings deutlich später: „Im Sommer 2001 erhielt das Knust plötzlich eine Kündigung zum Jahresende. Wir waren fassungslos.“
Das alte Gebäude wurde abgerissen, die Suche nach einem neuen Standort scheiterte. „Mehr als 15 Locations wurden gecheckt. Keine wollte das Knust haben.“ Erst im September 2003 konnte das Team den ehemaligen Schlachthof am Neuen Kamp übernehmen. Aber: „Der Laden war fast dreimal so groß und teurer als das alte Knust. Innerhalb eines Jahres machten wir mehr als 100.000 Euro Verlust.“ Schölermann lieh sich das Geld von der Haspa, seine Mutter musste bürgen. „Absoluter Tiefpunkt. Es dauerte fast 15 Jahre, das Darlehen abzustottern.“
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Vielfältiges Programm zum Jubiläum
Im neuen Knust stand Bernd Begemann Anfang der 2000er jeden ersten Freitag des Monats auf der Bühne. Folgerichtig also, dass er die 50-Jahre-Feier eröffnet. In den Tagen darauf gibt’s dann ein vielfältiges Programm – unter anderem funkpoppigen Indie-Jazz von Löwenzahnhonig (27.7.), HipHop von Das Bo (29.7.) und Tom Hengst (1.8.), das „Summer Groove“-Open-Air (30.7.), Party mit lateinamerikanischen Sounds von El Búho und der „Cumbia im Viertel“-Crew (2.8.) und ein Open-Air-Konzert von Derya Yıldırım & Grup Simsek (31.7.). Letzteres auch für das Knust-Team „ein echtes Highlight“, sagt Booker Tim Peterding. „Mit Derya haben wir schon so viel erlebt, etwa ihre große Release-Show in der Elbphilharmonie 2025. Im Grunde könnten wir über alle Künstler:innen unserer Jubiläums-Shows eine persönliche Geschichte erzählen.“
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Clubszene steht extrem unter Druck
Vielfalt ist für das Team aber nicht nur musikalisch wichtig. „Wir versuchen einen Ort zu schaffen, bei dem wirklich jede:r willkommen ist“, so Peterding. „Wir glauben an eine pluralistische Gesellschaft und dass sie uns bereichert. Das Knust soll ein Ort sein, an dem Menschen und Communities miteinander statt nebeneinander existieren.“ Auch deshalb gibt es seit Jahren kostenlose Open-Air-Konzerte und Familienformate. „Damit bauen wir Hemmschwellen und Vorurteile ab und schaffen Räume für respektvollen interkulturellen Austausch im Stadtteil und darüber hinaus.“
Und das in einer Zeit, in der die Clubszene extrem unter Druck steht. „Alles ist seit 2020 etwa 35 Prozent teurer geworden“, sagt Karsten Schölermann. „Wir konnten aber unsere Bierpreise nicht um 35 Prozent erhöhen. Und die Eintrittspreise sind plötzlich so hoch, dass unsere Gäste weniger verzehren.“ Auch die Pandemie werfe noch lange Schatten. „Der Wiedereinstieg nach Corona in den normalen Konzertbetrieb ist bis heute von einem gleichzeitigen Angebots- und Nachfrageschock begleitet.“ Aber: „Wir machen weiter. Immer weiter“, sagt der Geschäftsführer.
Wenn er sich zum Knust-Geburtstag etwas von der Stadt und der Politik wünschen dürfte, dann wäre es das: „Jedem Stadtteil einen Platz, der Lärm verträgt. Kultur muss im Freien stattfinden können. Sonst verlieren wir die Generationen junger Menschen, die sich während Corona in den Parks sozialisiert haben.“
Das wäre dann ein Geschenk zum 50., von dem alle etwas hätten.
„50 Jahre Knust“: 26.7.-9.8., diverse Zeiten und Preise, Knust und Lattenplatz, Programm unter: knusthamburg.de
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