Danger Dans Doppelmoral: Für seine Feinde die „Hammerbande“, für die Seinen den Klageweg
Fünf Jahre ist es her, dass Danger Dan in „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ schon einmal mit Gewaltfantasien gegen AfD-Politiker kokettierte. Götz Kubitschek und Alexander Gauland leben noch immer, die AfD ist stärker als je zuvor. Der Anführer der Antilopengang zieht daraus offenbar den Schluss: Es war noch nicht radikal genug.
Sein neuer Song „Keine Angst“ ist deshalb weniger Musik als Gebrauchsanweisung. Beobachten, ausgrenzen, boykottieren, beim Arbeitgeber anschwärzen – so weit, so bekannter Werkzeugkasten des organisierten Bürgerschrecks. Am Ende aber verlässt Danger Dan den Bereich des zivilen Ungehorsams und grüßt namentlich die Mitglieder der „Hammerbande“: Lina, Gucci, Maja, Nanuk. Das sind Menschen, die wegen schwerer Körperverletzung verurteilt oder angeklagt sind, weil sie mit Hämmern und Schlagstöcken auf Rechtsextremisten eingeschlagen haben und teils lebensgefährliche Verletzungen verursachten. Das ist kein Bild mehr, keine Metapher, keine Kunstfreiheit. Das ist ein Gruß von der Bühne an Leute, die zugeschlagen haben, und eine unmissverständliche Einladung, es ihnen gleichzutun.
Menschen, die leichtfertig zu Gewalt aufrufen, gehören meiner Meinung nach größtenteils zu einem von zwei Lagern: dem Lager derer, für die Gewalt und Abstumpfung schlicht zum Alltag gehören, oder dem Lager derer, die einfach keine Ahnung haben, was Gewalt wirklich bedeutet. Professorensohn Daniel Pongratz alias Danger Dan ordne ich ohne großes Zögern dem zweiten Lager zu. Wer nicht aus eigener Erfahrung weiß, wie sich körperliche und seelische Schäden durch Gewalt anfühlen, hat es leicht, sie zum legitimen Mittel politischer Notwehr zu erklären.
ÖRR
ZDF-Chef zu Danger Dan: Song für „linken, gewaltbereiten Widerstand“
Im Juni, noch vor Erscheinen von „Keine Angst“, hat Danger Dan im Podcast „Hotel Matze“ schon einmal über Gewalt gesprochen. Und es reißt seinem Heldenlied die Maske vom Gesicht. Dabei ging es um seine eigenen Kinder und die Schulwahl in Berlin. Er erzählt, wie er sich mit anwaltlicher Hilfe und viel Geld in eine bestimmte Schule eingeklagt hat – bewusst gegen eine Schule, in der, wie er es selbst beschreibt, Gewalt zum Alltag gehört. Er nennt das offen ein „Riesenprivileg“. Er sagt sinngemäß: Mit dieser Art von Gewalt im Schulalltag hätte er selbst nicht klarkommen können, also hat er sein Kind da rausgehalten – mit Geld, mit einem Anwalt, mit der Fähigkeit, das Jugendamt so lange zu bearbeiten, bis es nachgibt.
Das ist sein gutes Recht als Vater, und ich würde als Vater möglicherweise nicht anders handeln. Aber es ist unvereinbar mit der Rolle, die er sich als Barde der revolutionären Selbstjustiz zulegt. Für sein eigenes Kind sucht er sich die gewaltfreie verfügbare Umgebung und bezahlt dafür, wenn nötig. Für den politischen Gegner predigt er den Zugriff der Straße, den Hammer der „Hammerbande“. Gewalt ist in diesem Weltbild offenbar kein Prinzip, sondern eine Frage der Postleitzahl: schlecht, wenn sie das eigene Kind treffen könnte. Vertretbar aber, wenn sie den politischen Feind trifft.
Wer eine Schulwahl-Klage als „eigentlich unangenehm“ bezeichnet, weil sie sein Privileg offenlegt, aber im nächsten Atemzug ungeniert dazu grüßt, Menschen mit Hämmern zu attackieren, hat kein Gewaltproblem des Staates zu beklagen. Er hat ein Kohärenzproblem. Wer Gewaltfreiheit für die eigenen Kinder einklagt und gleichzeitig Gewalt gegen Andersdenkende bejubelt, legt seine moralische Beliebigkeit offen. Das ist nicht mutig. Das ist verlogen.
Und dabei sollte man nicht vergessen: Auch AfD-Politiker haben Kinder. Kinder, denen Danger Dan mit seinem Song ganz offenbar zumutet, mit genau jener Gewalt klarkommen zu müssen, vor der er die eigenen bewahrt.
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