Danger Dan, Igor Levit und die Anstalt im ZDF: Unentschieden mit zwei Gewinnern

Das ZDF moderiert einen geplanten Auftritt der Künstler Danger Dan und Igor Levit spontan wieder ab. Nun ist ihr Song bekannter, als er ohne Cancelling hätte werden können. Danger Dan und Igor Levit planen einen Ersatzauftritt in Berlin

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20.07.2026

Danger Dan und Igor Levit

Danger Dan (links) und Igor Levit planen einen Ersatzauftritt

Foto: Future Image/Imago

Es sollte wohl eine Sendung werden, die in die TV-Geschichte eingeht: Seit 2014 präsentieren die beiden Moderatoren Claus von Wagner und Max Uthoff im ZDF das Satire-Format Die Anstalt. Am morgigen Dienstag feiert die Sendung Jubiläum – die 100. Folge wird ausgestrahlt.

100 Folgen lang widmeten sich die beiden Moderatoren, die seit 2024 von Maike Kühl ergänzt werden, komplexen und manchmal heiklen Themen auf humoristische Weise: die Bankenkrise, der Ukraine-Krieg, die Corona-Pandemie und immer wieder die jeweils aktuelle Politik der Bundesregierung. Zum Jubiläum sollte es um ein nicht minder umstrittenes Thema gehen: Faschismus, beziehungsweise Antifaschismus.

Was daraus wurde, zirkuliert seit ein paar Tagen in den deutschen Medien: Ein langfristig geplanter Auftritt der Musiker Danger Dan und Igor Levit, die einen Song mit antifaschistischem Inhalt spielen sollten, wurde spontan von der ZDF-Geschäftsleitung verhindert. Die offizielle Begründung: Das Klavierstück mit dem Titel Keine Angst rufe zur Gewalt auf.

Nun klafft ein Loch in der Sendung, das Uthoff, Kühl und von Wagner mit einem Statement füllen: „Wir hatten übrigens die Erlaubnis, ihn auftreten zu lassen. Dem ZDF lagen seit Wochen die Texte des Liedes vor. Ich frage mich nur, was sich an den Programmrichtlinien in den letzten drei Wochen verändert hat“, sagt Uthoff da.

Die drei Moderator*innen sind sichtlich entrüstet: „Wir sind im ZDF gegen das ZDF. Das klingt nach Unentschieden, aber machen wir uns nichts vor: Wir haben in Wahrheit verloren“, sagt Kühl. Die Sendung läuft im linearen ZDF-Programm am Dienstag um 22.15 Uhr, kann aber seit Montag in der ZDF-Mediathek gestreamt werden.

Ersatzauftritt von Danger Dan und Igor Levit in Berlin

Von Seiten der Geschäftsleitung hieß es, man wolle sich dem Song „dokumentarisch-journalistisch“ widmen. Dem soll wohl eine Sonderfolge des Dokumentationsformats aspekte mit Moderator Jo Schück gerecht werden, die am Samstag veröffentlicht wurde.

Darin ordnen unter anderem der Jurist Peter Raue, der Rechtswissenschaftler Fabian Wittreck und der konservative Kolumnist Jan Fleischhauer die Angelegenheit ein. Strittig, so geht es aus dem Beitrag hervor, sind im Besonderen zwei Passagen: eine, die über das „Langlegen“ politischer Gegner sinniert, und ein Grußwort an vier Linksextremist*innen des sogenannten „Antifa Ost“-Verfahrens.

Damit hätte das ZDF zweifellos ein eher konservativ bis rechts denkendes Publikum auf die Palme gebracht, die Reaktionen von CDU bis AfD waren abzusehen. Stattdessen entschied man sich, einen Shitstorm von links in Kauf zu nehmen – was an und für sich Ausdruck einer bedenkenswerten Entwicklung ist. Schon jetzt dürfte damit aber der sogenannte Streisand-Effekt eingetreten sein: Das Lied, das nicht gespielt wurde, ist seit Tagen Gegenstand bundesweiter Berichterstattung und wohl um ein Vielfaches bekannter, als es ohne Absage hätte je werden können.

Auch die Jubiläumsfolge der Anstalt ist mit ihrer integrierten Kritik am ausstrahlenden Sender schon jetzt ein bemerkenswertes Stück deutsche Fernsehgeschichte. „Unentschieden“ ging der Konflikt also nur bedingt aus. Gewonnen haben mindestens zwei: Danger Dan und Igor Levit planen morgen einen selbstorganisierten Ersatzauftritt in Berlin, der auch live gestreamt werden soll. Die Einnahmen gehen an die Organisation „Opferperspektive“, eine Brandenburger Beratungsstelle für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt. Die Veranstaltung war eine Stunde nach Ankündigung bereits ausverkauft.