DAK-Gesundheitsreport: Jeder Zweite in Nordrhein-Westfalen will früher in Rente

DAK-Gesundheitsreport Jeder Zweite in Nordrhein-Westfalen will früher in Rente

17.07.2026 · 06:26 Uhr

Arbeiten jenseits von 67? 28 Prozent können sich vorstellen, die Aktivrente zu nutzen.

Arbeiten jenseits von 67? 28 Prozent können sich vorstellen, die Aktivrente zu nutzen.

Foto: dpa-tmn/Benjamin Nolte

Düsseldorf · Gut die Hälfte der über 50-Jährigen planen den vorzeitigen Ausstieg aus dem Beruf, so der DAK-Report. Die NRW-Unternehmer sind darüber nicht begeistert. Die DAK-Auswertung zeigt auch, wer wie lange pro Jahr krank ist und wie fit die älteren Arbeitnehmer sind.

Die Bundesregierung will die Regelaltersgrenze anheben und den Vorruhestand abschaffen. Die Stimmung in der Bevölkerung von Nordrhein-Westfalen ist aber eine ganz andere: Hier will sich gut jeder zweite Ältere vorzeitig aus dem Berufsleben verabschieden. „Von den Beschäftigten ab 50 planen 53 Prozent einen Ausstieg vor dem Rentenalter“, heißt es im Gesundheitsreport der DAK, der unserer Redaktion vorab vorliegt.

Das entspricht in etwa dem Bundesschnitt. Der Wunsch nach Frührente ist über alle Altersgruppen verbreitet. „42 Prozent aller Beschäftigten in NRW denken daran, vor dem gesetzlichen Renteneintrittsalter aus dem Erwerbsleben auszuscheiden“, heißt es weiter. Nur 38 Prozent möchten bis zur Grenze weitermachen. Daneben gibt es aber auch andere Haltungen: Neun Prozent wollen über das Rentenalter hinaus arbeiten.

Arbeitnehmer sind mit 67 Jahren oft sehr fit

Dabei spielen drei Aspekte eine Rolle: Gesundheitszustand, Freude an der Arbeit und Finanzen. So wollen Beschäftigte mit schlechtem Gesundheitszustand öfter früher aussteigen als gesunde. Und die schweren Erkrankungen nehmen mit dem Alter zu: „Im Alter von 66 Jahren liegt der Krankenstand der Beschäftigten im Schnitt bei 12 Prozent – und damit doppelt so hoch wie bei den 50- bis 53-Jährigen.“ Über alle Beschäftigten ab 50 Jahren hinweg liegt NRW mit 7,7 Prozent leicht über dem Bundesschnitt (7,4 Prozent). Wer über 67 noch arbeitet, ist dagegen meist richtig fit: Hier liegt der Krankenstand nur bei vier Prozent.

Das Institut IGES hat den Krankenstand der DAK-versicherten Beschäftigten in NRW analysiert und eine repräsentative Bevölkerungsumfrage durchgeführt. Dabei wurden die Bürger auch gefragt, was sich ändern muss, damit sie lange arbeiten. 39 Prozent nannten „mehr Wertschätzung meiner Arbeitsleistung“, das ist Platz drei der Wunschliste. Davor liegen „Erhöhung der Bezahlung“ (48 Prozent) und „Anpassung der Arbeitszeiten an meine Bedürfnisse“ (40 Prozent).

„Die Debatte über eine längere Lebensarbeitszeit darf nicht allein auf das Renteneintrittsalter reduziert werden. Entscheidend ist die Frage, wie Beschäftigte gesund, leistungsfähig und motiviert bis ins höhere Erwerbsalter arbeiten können“, sagt Berit Schoppen, DAK-Landeschefin in NRW. „Wer von den Menschen erwartet, länger zu arbeiten, muss in ihre Gesundheit investieren. Nur mit guten Arbeitsbedingungen, Wertschätzung und gezielter Gesundheitsförderung können erfahrene Beschäftigte dem Arbeitsmarkt länger erhalten bleiben.“

Wirtschaft blickt skeptisch auf den Vorruhestand

Die Wirtschaft sieht den Wunsch nach Vorruhestand kritisch. „Zwar mag es individuell nachvollziehbare Gründe geben, weshalb ein Arbeitnehmer vorzeitig in Rente gehen möchte - gesamtgesellschaftlich und wirtschaftlich werden wir uns dies aber nicht leisten können“, mahnt Johannes Pöttering, Hauptgeschäftsführer von Unternehmer NRW. „Im Gegenteil: Wenn wir unseren Sozialstaat erhalten wollen, werden wir nicht darum herumkommen, länger zu arbeiten. Denn die großen Schwierigkeiten der Rentenversicherung beruhen ja darauf, dass wir immer mehr Rentner und immer weniger Beitragszahler haben.“

Daher sei die Politik gut beraten, die Vorschläge der Rentenkommission schnell und konsequent umzusetzen. Die Kommission empfiehlt, die abschlagfreie Frührente nach 45 Beitragsjahren zu streichen und die Altersgrenze für die Frührente mit Abschlag auf 64 Jahre zu erhöhen. „Die Frührente ist sehr attraktiv – dank kräftiger Mithilfe der Politik zu Lasten der Beitragszahler und der Steuerzahler“, kritisieren Ruth Schüler und Stefanie Seele vom Institut der deutschen Wirtschaft. 2024 bekamen demnach bundesweit 1,1 Millionen Babyboomer vorzeitig eine Rente.

Andererseits gibt es Beschäftigte, die länger arbeiten wollen. 28 Prozent der über 50-Jährigen in NRW können sich gut vorstellen, die Aktivrente zu nutzen, so der DAK-Report. Die Aktivrente ist seit Januar möglich und heißt: Wer im Rentenalter freiwillig weiterarbeitet, kann bis zu 2000 Euro im Monat steuerfrei hinzuverdienen. Das Handwerk NRW stellt ein wachsendes Interesse an der Aktivrente fest. „Würden auch die Selbstständigen in die Aktivrente einbezogen, könnte das Arbeitsangebot noch zusätzlich erhöht werden“, mahnt Pöttering.

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