Chef von SK hat die teuerste Scheidung in der Geschichte von Südkorea

Als der Tycoon und die Tochter des Präsidenten Ende der Achtzigerjahre heirateten, sprach man in Südkorea von einer Traumhochzeit. Als ein Berufungsgericht in Seoul am Freitag jetzt anordnete, dass der Milliardär Chey Tae-won seiner früheren Frau Roh Soh-yeong umgerechnet 566 Millionen Euro auszahlen muss, vermeldeten Südkoreas Medien die Scheidung des Jahrhunderts.

Jedenfalls handelt es sich dabei um die teuerste Scheidung in der Geschichte des Landes. Anfangs hatte die verlassene Roh noch einen weit höheren Betrag gefordert, darunter Aktienanteile an dem von Chey geführten Mischkonzern SK, zu dessen 150 Firmen vor allem der Chiphersteller SK Hynix gehört, der durch die Nachfrage nach Künstlicher Intelligenz zuletzt extrem an Wert gewonnen hatte. Cheys Vermögen wird heute auf rund fünf Milliarden Dollar geschätzt.

Zwar urteilten die Richter, dass Roh Anspruch auf ein Drittel des Vermögens ihres früheren Mannes habe, zu dem sie auch den Aktienbesitz zählten – doch legte das Gericht bei der Bestimmung der Entschädigung eine Aktienbewertung von 2024 zugrunde. Das war der Zeitpunkt, an dem die mündliche Verhandlung im Berufungsverfahren endete. Und es war die Zeit kurz vor dem KI-Boom.

Nähe zwischen Großkonzernen und Politik

Pikant ist die Angelegenheit aber vor allem durch die personifizierte Verbindung der ohnehin stets kritisierten Nähe der Großkonzerne und der Politik in Südkorea. Cheys ehemalige Frau ist die Tochter des früheren Präsidenten Roh Tae-woo, der Südkorea von 1988 bis 1993 regierte. Selbst die Hochzeit der beiden fand 1988 im sogenannten Blauen Haus statt, Residenz und Sitz des Präsidenten in Seoul.

Vor dem Scheidungsgericht argumentierte die Tochter des einstigen Präsidenten, dass erst die politische Unterstützung ihrer Familie den Aufstieg der Firma SK von einem kleineren Energieunternehmen zum zweitgrößten Mischkonzern Südkoreas ermöglicht habe. Das Gericht erkannte in seinem Urteil am Freitag indes keinen vorgeblichen Schwarzgeldfonds an, den Rohs Vater angeblich an Cheys Vater geleitet hatte.

„Beigetragen durch die Haushaltsführung“

Präsident Roh war in dieser Hinsicht einschlägig bekannt. Der frühere General wurde später zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wegen seiner Beteiligung am Putsch von 1979, aber auch für die Annahme von Bestechungsgeldern in Höhe Dutzender Millionen von Euro. Aber auch Chey saß wegen Korruption bereits im Gefängnis.

Die Richter erkannten in ihrem Urteil jetzt an, dass der Wert der von Chey gehaltenen Firmenaktien während der Ehe „erheblich“ angestiegen war. Gleichwohl sei dies vor allem „aufgrund seiner geschäftlichen Aktivitäten“ geschehen. Roh habe aber „beigetragen durch die Haushaltsführung, die Kindererziehung sowie durch Aktivitäten im Außenbereich im Zusammenhang mit der SK-Gruppe“. Die beiden 65 Jahre alten früheren Eheleute haben zusammen drei mittlerweile erwachsene Kinder.

Das Drama zwischen den beiden hatte 2015 seinen Lauf genommen, als Chey aus dem Gefängnis kam und seine außereheliche Beziehung öffentlich machte, aus der auch ein Kind hervorgegangen war. In einem veröffentlichten Brief teilte er mit, er wolle sich scheiden lassen: Er habe sich in eine andere Frau verliebt.

Roh widersetzte sich einer Scheidung zunächst, angeblich, weil sie die Familie zusammenhalten wollte. 2019 erklärte sie sich schließlich bereit zur Scheidung und forderte zunächst die Hälfte von Cheys Vermögen. Zahlreiche Gerichtsverfahren folgten. Auch ob das Urteil vom Freitag endgültig ist, blieb zunächst offen. Beide Seiten können immer noch das Oberste Gericht anrufen.