Großbritannien: Burnham vor Kür zu Labour-Chef

Großbritannien

Der langjährige Bürgermeister des Großraums Manchester, Andy Burnham, soll am Freitag zum Chef der britischen Labour-Partei gekürt werden und drei Tage später das Amt des Premierministers von Keir Starmer übernehmen. Labour befindet sich seit Monaten im Krisenmodus. Burnhams Unterstützerinnen und Unterstützer hoffen, dass dem als „König des Nordens“ bezeichneten 56-Jährigen nun die Trendwende gelingt.

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Im Vorfeld des Sonderparteitags am Freitag hatten Burnham insgesamt 349 Abgeordnete die Unterstützung zugesichert. Rechnerisch war damit ausgeschlossen, dass eine potenzielle Gegenkandidatin oder ein potenzieller Gegenkandidat die nötigen Stimmen für eine Kandidatur erhält. Es handle sich um einen „außergewöhnlichen Aufstieg zur Macht“, hieß es in der BBC.

Burnham hatte erst vor wenigen Wochen einen Sieg bei der Nachwahl in Makerfield nahe Manchester errungen und damit den Sprung ins Parlament geschafft. Dabei setzte er sich mit großem Abstand gegen den Kandidaten der rechtspopulistischen Partei Reform UK, die in Umfragen seit Monaten führt, durch. Sein Sieg könnte der „Wendepunkt“ sein, sagte Burnham. Wenige Tage danach kündigte Starmer seinen Rücktritt an.

Britischer Premier Keir Starmer
Die Amtsübergabe durch den scheidenden Premier Keir Starmer ist für Montag vorgesehen

Langjährige Politkarriere

Für Burnham ist die Kür der Höhepunkt seiner langjährigen politischen Karriere. 2001 wurde er zum ersten Mal ins Unterhaus gewählt, in der Regierung von Tony Blair war er Staatssekretär im Innenministerium. Blairs Nachfolger Premier Gordon Brown ernannte ihn zum Staatssekretär im Finanzministerium, später wurde er Kultur- und danach Gesundheitsminister in der Regierung von Brown. Burnham bewarb sich bereits zweimal um den Labour-Vorsitz: 2010 verlor er gegen Ed Miliband, fünf Jahre später gegen Jeremy Corbyn.

2017 kehrte er indes der nationalen Politik den Rücken und bewarb sich als Bürgermeister des Großraums Manchester mit 2,8 Millionen Einwohnern und Einwohnerinnen. Zweimal wurde er wiedergewählt, zuletzt mit einer Mehrheit von fast zwei Dritteln.

Seine lange Amtszeit als Bürgermeister von Greater Manchester bringe der BBC zufolge auch Nachteile mit sich. So hatte er über die Jahre nur begrenzte Möglichkeiten, enge Kontakte zu den seit 2017 gewählten Abgeordneten in London zu knüpfen. Seit der Ankündigung seiner Kandidatur zum Labour-Chef wird ihm zudem vorgeworfen, die Medien zu meiden. „Er hat nach Reden keine Fragen von Journalisten beantwortet und bisher nur Andrew Marr auf LBC ein Interview gegeben“, so die BBC. Manche Labour-Mitglieder vermissen zudem auch Details zu seinen geplanten Regierungsvorhaben.

Burnham will weitreichendste Umverteilung der Macht

Im Vorfeld hatte Burnham die weitreichendste Umverteilung der Macht in der modernen Geschichte des Landes versprochen. Er wolle den Bau von Sozialwohnungen stark vorantreiben, Kommunen mehr Kontrolle über die Wasserversorgung und andere Versorgungsbetriebe geben sowie die Krise der Lebenshaltungskosten bekämpfen. Zudem plane er, eine Außenstelle des Regierungssitzes unter dem Namen „Number 10 North“ in Manchester einzurichten.

Burnham betonte auch, dass er an den Haushaltsregeln der aktuellen Regierung festhalten wolle, um die Stabilität der Staatsfinanzen nicht zu gefährden. Über Personalia ist noch wenig bekannt. Der „Financial Times“ zufolge soll die bisherige Innenministerin Shabana Mahmood Finanzministerin werden. Burnham versprach, ein Kabinett mit breiter politischer Vielfalt zu bilden. Die Chefin der konservativen Torys, Kemi Badenoch, warf Burnham vor, keinen konkreten Plan vorzulegen. Richard Tice von der rechtspopulistischen Partei Reform UK forderte Neuwahlen.

Starmers tiefer Fall

Nach seiner Kür zum Labour-Chef am Freitag soll Burnham Starmer dann am Montag auch als Premier ablösen. Starmer war 2024 durch einen Erdrutschsieg von Labour ins Amt des Premierministers gekommen, hatte aber schnell an Beliebtheit eingebüßt. Es begann im Sommer 2024 mit Plänen zur Streichung des Heizkostenzuschusses für ältere Bürgerinnen und Bürger, nach einem Proteststurm musste Starmer zurückrudern. Im September 2025 trat seine Stellvertreterin Angela Rayner zurück, weil sie eine Immobiliensteuer nicht in voller Höhe entrichtet hatte.

Im selben Monat musste der Regierungschef das langjährige Labour-Schwergewicht Peter Mandelson als Botschafter aus Washington abberufen – Starmer hatte ihn ernannt, obwohl dessen enge Verbindung zum US-Sexualstraftäter Jeffrey Epstein bekannt war.

Nigel Farage
In Umfragen liegt die rechtspopulistische Reform UK von Nigel Farage deutlich in Führung

Burnham soll Ruder herumreißen

Bei den Regional- und Kommunalwahlen im Mai in England und Wales hatte Labour eine schwere Niederlage hinnehmen müssen und stand seitdem noch mehr unter Druck – vor allem angesichts der Erfolge von Reform UK von Brexit-Befürworter Nigel Farage. Viele hoffen jetzt, dass Burnham als einer der beliebtesten Politiker des Landes das Ruder herumreißen kann. Die nächste Parlamentswahl wird 2029 erwartet.