Bochum vor der Landtagswahl: Parteien haben Zoff um die Direktkandidaten
Wer tritt bei der Landtagswahl in Bochum als Direktkandidat an? Wer sichert sich einen aussichtsreichen Listenplatz? Auch wenn die Bochumerinnen und Bochumer erst im Frühjahr 2027 an die Urnen gehen, herrscht in den Parteien schon jetzt angespannte Stimmung. Nicht selten streiten die Mitglieder darüber, wer antreten darf – und wer zurückstecken sollte.
Die CDU: Wieder Ärger um Wattenscheider Kandidaten
Bei der CDU hat es nach Informationen dieser Redaktion erneut Ärger um den Wattenscheider Andreas Stephan gegeben. Die Mitglieder wählten ihn zum Direktkandidaten für den Wahlkreis 109. Zuletzt hatte Stephan mit rechtem Gedankengut in E-Mails seine Parteispitze in Bedrängnis gebracht.
Aus Parteikreisen heißt es, ursprünglich habe Marc Westerhoff antreten sollen. Kurzfristig habe er sich dagegen entschieden. Nun kandidiert Stephan.
Wir werden diese nun sorgfältig beraten und zeitnah über das weitere Vorgehen entscheiden.
Andreas Bracke
Bochums CDU-Chef Andreas Bracke findet deutliche Worte: „Die damalige Äußerung war falsch und wurde von der CDU Bochum unmissverständlich missbilligt. Herr Stephan wurde hierfür bereits im Jahr 2025 auf Grundlage der Satzung des CDU-Kreisverbandes Bochum mit einem Verweis belegt. Unabhängig davon haben die Mitglieder im Rahmen einer demokratischen Wahlkreismitgliederversammlung zunächst über die Kandidatur entschieden.“
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Man sei sich der Tragweite der aktuellen Situation bewusst. „Wir werden diese nun sorgfältig beraten und zeitnah über das weitere Vorgehen entscheiden.“
Im Landtagswahlkreis 107 (Bochum I) tritt Yannik Theis, im Landtagswahlkreis 108 (Bochum II) Sabine Radandt-Beckmann für die CDU an.
Die Linken: Gründungsmitglied ist nicht einverstanden
Bei der Mitgliederversammlung der Linken wurden Lara Lösch (Wahlkreis 107), Mattea Mentges (108) und Batıkağan Pulat (109) als Direktkandidierende gewählt. Pulat erhielt zusätzlich das Votum für einen aussichtsreichen Platz auf der NRW-Landesliste.
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Nicht einverstanden damit ist Christian Luhmer. Der 45-Jährige – nach eigenen Angaben Gründungsmitglied der Bochumer Linken im Jahr 2007 – fühlt sich von der Partei ausgebremst und übergangen. Er hat Widerspruch bei der zuständigen Landesschiedskommission eingelegt. Anfang des Jahres sei er aus dem Parteiverteiler entfernt worden. Deshalb habe er nichts von einem Treffen erfahren, bei dem Mitglieder ihr Interesse an einer Kandidatur hätten äußern können.
Über die Gründe dafür könne er nur spekulieren. Aus seiner Sicht könnten sie zu tun haben mit der „sehr einseitigen Haltung unserer Bundestagsabgeordneten Cansin Köktürk zum Palästina-Konflikt“, wie er sagt. „Ich habe eine andere Haltung.“
Außerdem verweist Luhmer auf eine Mail der Partei. Darin heiße es, er werde aus dem Verteiler entfernt, weil er sich so verhalten habe, dass er für den Kreisverband nicht mehr tragbar sei. Was damit gemeint sei, habe er nicht erfahren.
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Die Partei dementiert auf Anfrage dieser Redaktion, dass Luhmer aus dem Verteiler entfernt worden sei. „Das Mitglied hat durchgängig alle satzungsmäßigen Informationen erhalten. Seine Mitgliedsrechte wurden nicht eingeschränkt“, sagt Kreissprecher Bernhard Koolen. Im Übrigen habe die Landesschiedskommission Luhmers Widerspruch zur Kandidatenwahl zurückgewiesen. Bei der Wahl unterlag der 45-Jährige seinem Kontrahenten Batıkağan Pulat klar.
Der Streit mit dem Kreisvorstand um Luhmers vermeintlich nicht zu tolerierendes Verhalten geht derweil weiter. Koolen spricht von einem schwebenden Verfahren, zu dem sich die Partei aktuell nicht äußern möchte. Die Schiedsstelle der Partei sei damit befasst. „Davon habe ich bis jetzt nichts gewusst“, sagt Luhmer. Er sei erstaunt. Schließlich habe er besagte Mail vor einem Jahr erhalten. „Gekommen ist danach nichts.“
Die Grünen: Irritationen hinter den Kulissen

Die Bochumer Grünen stellen ihre Kandidatinnen und Kandidaten für die Landtagswahl auf. Im Bild (v.li.): Lea Niewerth, Claudia Neuse und Marc Lemke. © Finn Kantus | Finn Kantus
Bei den Grünen hat es nach Informationen dieser Redaktion im Wahlkreis 108 Irritationen gegeben. Ursprünglich habe die Parteivorsitzende Claudia Rausch dort kandidieren wollen. Dazu kam es nicht – stattdessen tritt Claudia Neuse an. Die Partei nennt persönliche Gründe. Hinter den Kulissen soll es bei dieser Personalie aber geknallt haben. In den weiteren Wahlkreisen treten Marc Lemke (109) und Lea Niewerth (107) an.
Geräuschlos ist derweil die Kandidatenwahl bei der SPD über die Bühne gegangen. Sie hat die aktuellen Landtagsabgeordneten Andrea Busche (Wahlkreis 107) und Bastian Hartmann (108) sowie erstmals den 29-jährigen Lennart Schnell (109) nominiert. Er tritt die Nachfolge von Parteichef Serdar Yüksel an, der seit etwa einem Jahr Mitglied des Deutschen Bundestags ist.
Für die FDP treten Orchestermusiker Oliver Linsel (60) im Wahlkreis 107, Studentin Anna Viktoria Schröder (20) im Wahlkreis 108 und Physikdoktorand Max Brückner (25) im Wahlkreis 108 an.
Die Bochumer AfD hat auf eine Anfrage dieser Redaktion nicht reagiert.
Andreas Bracke