97 Schwarznasenschafe tot: Blitzschlag entfacht Streit um Herdenschutz im Wallis
Publiziert25. Juli 2026, 11:33
Kanton WallisBlitz tötet 97 Schwarznasenschafe: Wurde Wolfsschutz zur Falle?
Im Kanton Wallis starben 97 Schwarznasenschafe in einem Nachtpferch nach einem Blitzeinschlag. Züchter sehen das Problem bei den Herdenschutzmassnahmen. Wolfschützer widersprechen.

Darum gehts
- Ein Blitzschlag auf der Alp Eggerhorn im Walliser Binntal tötete in der Nacht auf den 17. Juli 97 Schwarznasenschafe.
- Die Tiere befanden sich in einem Nachtpferch, der sie vor Wolfsangriffen schützen sollte.
- Züchter sehen einen Zusammenhang mit den Herdenschutzmassnahmen. Eine Wolfsschutzorganisation widerspricht dem.
Ein heftiges Gewitter hat in der Nacht auf den 17. Juli auf der Alp Eggerhorn im Walliser Binntal ein verheerendes Unglück ausgelöst. Dabei kamen 97 Schwarznasenschafe bei einem Blitzschlag ums Leben. Rund 80 weitere Tiere überlebten das Unwetter.
Nach Angaben des betroffenen Schafzüchters Kilian Schnydrig befanden sich die Tiere zum Zeitpunkt des Unglücks in einem Nachtpferch, der sie vor Wolfsangriffen schützen sollte. Gegenüber dem Walliser Onlineportal «Pomona» erklärte er, die fast 100 Tierkadaver hätten anschliessend per Helikopter geborgen werden müssen.
Züchter verweisen auf Herdenschutzmassnahmen
Schnydrig sieht einen Zusammenhang zwischen den heutigen Herdenschutzmassnahmen und dem Ausmass des Unglücks. Weil die Schafe nachts eingepfercht gewesen seien, habe der Blitzeinschlag so viele Tiere gleichzeitig getroffen. Früher seien die Tiere nachts nicht zusammengepfercht worden. Der Züchter ist davon überzeugt, dass in einem solchen Fall die Zahl der verendeten Schafe deutlich geringer ausgefallen wäre.
Ähnlich äussert sich der Schafzüchter Lucien Fellay. Er habe ebenfalls schon Tiere nach einem Blitzeinschlag in einem Nachtpferch verloren. Schafe würden normalerweise bei einem Gewitter Schutz suchen und sich verteilen, wie er gegenüber RTS sagt.
Wolfsschutzorganisation sieht das anders
Die Wolfsschutzorganisation Groupe Loup Suisse widerspricht dieser Einschätzung jedoch. Isabelle Germanier von der Westschweizer Sektion betont, dass Nachtpferche die Sterblichkeit von Schafen insgesamt deutlich gesenkt hätten. Vor der Rückkehr des Wolfes seien viele Tiere auf den Alpen sich selbst überlassen gewesen. Krankheiten oder Verletzungen seien oft zu spät erkannt worden. Das habe schliesslich zu einer höheren Sterblichkeit geführt.
Auch die Dienststelle für Landwirtschaft des Kantons Wallis geht davon aus, dass der Tod der 97 Schafe auf einen aussergewöhnlichen Unglücksfall zurückzuführen ist. Ein Zusammenhang mit den Herdenschutzmassnahmen lasse sich daraus nicht ableiten.
Was denkst du über die Diskussion um Herdenschutzmassnahmen?
Die Massnahmen sind wichtig, auch wenn solche Unglücke passieren können.
Man sollte die Massnahmen überdenken – die Tiere dürfen nicht unnötig gefährdet werden.
Es ist eine schwierige Abwägung, beides hat seine Berechtigung.
Das Unglück ist tragisch, aber ein Einzelfall, der die Massnahmen nicht infrage stellt.
Ich habe dazu keine klare Meinung.
Mich interessiert das Thema nicht besonders.
Gravierender Verlust für Züchter
Für die betroffenen Züchter ist der Verlust dennoch gravierend. Das Walliser Schwarznasenschaf gilt als Kulturgut des Kantons, dessen Zucht über Jahre aufgebaut wird.
Der Verlust von fast der Hälfte einer Herde bedeutet für die Betriebe einen Rückschlag von mehreren Jahren. Eine Entschädigung erhalten die Halter lediglich über ihre private Versicherung. Eine obligatorische kantonale Versicherung für solche Schäden gibt es laut RTS im Wallis nicht.
Du weisst von einem Tier in Not?
Hier findest du Hilfe:
Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)
Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)
GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel. 079 700 70 70 (Notruf)
Tierquälerei:

Jonas Bucher ist Blattmacher und stellvertretender Co-Leiter des Newsdesks bei 20 Minuten. Er ist seit 25 Jahren in der Medienbranche tätig und 20 Minuten stets treu geblieben.
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