Biomasseheizwerk ist Leuchtturmprojekt: Insellösungen statt Großnetz: St. Ingberts Weg in die klimafreundliche Wärmeversorgung

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Biomasseheizwerk ist Leuchtturmprojekt Insellösungen statt Großnetz: St. Ingberts Weg in die klimafreundliche Wärmeversorgung

Wärme aus Holzhackschnitzeln statt aus fossilen Brennstoffen: Beim Besuch von Landtagspräsidentin Heike Winzent im St. Ingberter Biomasseheizwerk wurde deutlich, wie dezentrale Insellösungen die Wärmewende vor Ort gestalten können.

28.07.2026 , 13:37 Uhr

 Die Präsidentin des saarländischen Landtages, Heike Winzent, im Gespräch mit Claus Günther, Nachhaltigkeitsbeauftragter der Stadt und Jürgen Bach, dem Stadwerke-Chef.

Die Präsidentin des saarländischen Landtages, Heike Winzent, im Gespräch mit Claus Günther, Nachhaltigkeitsbeauftragter der Stadt und Jürgen Bach, dem Stadwerke-Chef.

Foto: Daniel Bonenberger

Wie lässt sich mit einer modernen, dezentralen Versorgung die Wärmewende gestalten? Sind sogenannte Insellösungen die Zukunft der kommunalen Wärmeplanung? Diese und andere Fragen waren am Dienstagvormittag Thema beim Besuch der Präsidentin des saarländischen Landtages, Heike Winzent, im Biomasseheizwerk auf dem St. Ingberter Drahtwerk-Nord-Areal, kurz DNA-Gelände. Der Erste Beigeordnete der Stadt St. Ingbert, Markus Schmitt, begleitete den Besuch aus Saarbrücken.

Winzent schaute sich ganz genau um. Jürgen Bach, Geschäftsführer der Bisophärenstadtwerke St. Ingbert, sowie deren technischer Leiter, Sascha Palzer, erklärten die technischen Details und die Funktionsweise des Holzhackschnitzel-Heizwerks, das seit 2007 Nah- und Fernwärme für Teile St. Ingberts liefert: „Ich habe heute viel gelernt. Das Kraftwerk ist ein Leuchtturmprojekt des Saarlandes, das seit Jahren verlässlich die Versorgung sichert“, sagte Winzent.

Kraftwerk liefert rund vier Megawatt

Gerade erst wurde das Netz für rund eine Million Euro um einen Kilometer ausgeweitet, es erreicht jetzt sowohl die Theodorstraße als auch die Barbarastraße. Rund 40 weitere Wohneinheiten könnten so mit Fernwärme versorgt werden. Insgesamt liefert das Werk vier Megawatt Leistung. Nur die Hälfte kommt allerdings aus der Verbrennung von Holzhackschnitzeln. Die andere Hälfte wird durch einen Gaskessel ergänzt, der aber in den kommenden Jahren durch eine moderne Wärmepumpe ersetzt werden könnte: „Wir planen, den Gasbetrieb auf eine Wärmepumpe umzustellen. Das ist ein weiterer Beitrag zur Wärmewende. Es wird aber noch zwei, drei Jahre dauern“, sagte Palzer.

2500 Tonnen werden im Jahr verfeuert

Mit dem Heizwerk wird das gesamte DNA-Areal, das Rathaus, Landesverwaltungsamt, der gesamte Albertus-Magnus-Komplex sowie das P43 versorgt. Neu angeschlossen wurde kürzlich erst die künftige Ludwigschule. Auch die Baumwollspinnerei soll das Heizwerk einmal mit Wärme versorgen. Insgesamt 2500 Tonnen Holzhackschnitzel werden dazu im Jahr verbrannt: „Unsere Hackschnitzel kommen vor allem aus der Region Pfälzer Wald, aber auch aus dem Straßenbegleitgrün werden Hackschnitzel hergestellt“, sagt Palzer. Ein Teil der Brennstoffe falle also ohnehin bei notwendigen Grünschnittarbeiten in der Region an.

Anwohner sind bei Anschluss an das Fernwärmenetz zurückhaltend

Claus Günther, Nachhaltigkeitsbeauftragter der Stadt St. Ingbert, betonte die Wichtigkeit dieses modernen Werks, das es in dieser Form im Saarland nur noch ein weiteres Mal gebe. Er bedauere, dass Teile der Bevölkerung von der Fernwärme noch nicht überzeugt sind: „Nicht ein Haushalt im Bereich der Ludwigschule wollte bislang an das Netz angeschlossen werden. Die Menschen sind noch sehr zurückhaltend. Sie kennen die Technik nicht genug.“ Dabei rechnet sich der Preis schon heute, betont der Beigeordnete Schmitt: „Wir subventionieren die Anschlüsse, die Kosten belaufen sich auf 5000 Euro. Da die fossilen Brennstoffe immer teurer werden, ist das bereits jetzt die günstigere Alternative.“

Der Erste Beigeordnete der Stadt St. Ingbert. Markus Schmitt, zeigt auf dem Plan, wie weit das Netz des Heizwerks bereits ausgebaut wurde.

Der Erste Beigeordnete der Stadt St. Ingbert. Markus Schmitt, zeigt auf dem Plan, wie weit das Netz des Heizwerks bereits ausgebaut wurde.

Foto: Daniel Bonenberger

Insellösungen sollen weiter entwickelt werden

Insellösungen wie diese sind die Zukunft für die Mittelstadt, wie der Stadtwerke-Chef betont: „Eine Großlösung für St. Ingbert ist nicht darstellbar. Wir müssen mit Heizwerken wie diesem weitere Insellösungen schaffen.“ So seien Werke dieser Art in anderen Stadtteilen in den kommenden Jahren denkbar: „In der Nähe der Ingobertushalle wird aktuell der Bau eines neuen Biomassekessels geprüft“, ergänzt Palzer.

Heizwerk macht aktuell Sommerpause

Aktuell befindet sich das Heizwerk, wie die Schulen, die es beliefert, in den Sommerferien, berichtet Palzer: „Einmal im Jahr sind Wartungsarbeiten erforderlich. Sechs Wochen steht das Werk still.“ Während dieser Zeit müssen Schamottsteine getauscht und die gesamte Haustechnik überprüft werden. Außerdem werden alle möglichen Verschleißteile überprüft und bei Bedarf ausgetauscht.

Die ideale Möglichkeit für Besucher von außerhalb, einen tieferen Einblick in das Innere eines Heizwerkes zu gewinnen. (mbe)