Beben in der Berliner CDU: Stefan Evers muss es jetzt richten – kann er das?
Die Entscheidung von Kai Wegner verdient Respekt. Die aufrechte Haltung, die in der Stadt viele seit seinem verschwiegenen Tennisspiel in den vergangenen Monaten vermissten, fand er am Freitag wieder. Ein Rücktritt zweieinhalb Monate vor der Wahl, damit hatten nur noch wenige gerechnet. Warum er so lange brauchte, um zu seinen Fehlern zu stehen, kann womöglich auch der Regierende Bürgermeister nicht beantworten.
Der Blick zurück ist allerdings für die CDU jetzt ein müßiger. So kurz vor der Wahl bleibt für die Partei nur der Blick nach vorn. Nach der gestrigen Sitzung der CDU-Kreisvorsitzenden war schnell klar: Finanzsenator Stefan Evers soll jetzt in die Schuhe des Spitzenkandidaten schlüpfen. Quasi sofort, unverzüglich.
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Evers muss jetzt ran: Ein anderer CDU-Spitzenkandidat war nicht auszumachen
Ein anderer Spitzenkandidat für die Wahl am 20. September war bei der CDU auch nicht auszumachen. Sowohl dem Fraktionsvorsitzenden Dirk Stettner als auch Justizsenatorin Felor Badenberg fehlt das Format, andere hatten sich bislang nicht profilieren können oder wollen. Für die Suche nach einem Kandidaten von außen ist ohnehin zu wenig Zeit. Evers muss es jetzt richten.
Kann er das? Dazu braucht es in Wahlkämpfen zwei Dinge: einen charismatischen, bekannten Kopf und ein inhaltliches Profil, das die Menschen mit dem Kandidaten verknüpfen können. Für Evers wird es nahezu unmöglich, den Wahlkampf in der Kürze der Zeit noch auf sich zuzuschneidern. Zwei Vorteile hat er: Er hat den Wahlkampf 2023 organisiert, kennt außerdem als Finanzsenator viele Themen im Detail.
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CDU will Machtübernahme der Linken in Berlin verhindern
Wegner selbst hat gestern bei seinem Abschied mehrfach die Stoßrichtung des Wahlkampfs vorgegeben: Die CDU soll verhindern, dass die Linke an die Macht kommt. Dabei wolle er jetzt helfen, sagte er. Wie Wegner überhaupt viel von und über sich selbst gesprochen hat. Ob Evers dieses Narrativ gefällt? Die Abgrenzung gegen Links hat der CDU schon in vergangenen Wahlkämpfen geholfen. Im Jahr 2023 war allerdings ein rot-grün-roter Senat im Amt, der reichlich Angriffsfläche für die CDU bot. Die Schwäche der anderen war damals die Stärke der CDU.

Diesen Gefallen werden SPD, Grüne und Linke dem neuen Spitzenkandidaten nicht tun. In einer Umfrage von vergangener Woche sprechen nur elf Prozent der Menschen der CDU zu, die drängenden Probleme der Stadt lösen zu können. Das ist die Ausgangslage für den Spitzenkandidaten Stefan Evers. Um dieses Tal zu verlassen, braucht es viel Charisma und ein Konzept, das mehr ist als eine Abgrenzung von einem vermeintlichen Linksbündnis.