Petition für 6 Monate Mutterschaftsurlaub in der Schweiz eingereicht

Publiziert21. Juli 2026, 13:09

Petition eingereichtBald sechs Monate Mutterschaftsurlaub statt 14 Wochen?

Mit über 110'000 Unterschriften fordert eine Petition, den Mutterschaftsurlaub in der Schweiz von 14 Wochen auf sechs Monate auszuweiten.

Christine Talos

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Christine Talos

Darum gehts

Sollen Mütter künftig sechs Monate Mutterschaftsurlaub erhalten statt wie bisher 14 Wochen? Das fordert eine Petition mit 110'000 Unterschriften, die am Montag bei der Bundeskanzlei in Bern eingereicht wurde. Zahlreiche Unterstützerinnen und Unterstützer kamen dafür mit Kinderwagen und Kindern nach Bern.

Initiiert wurde die Petition von Melanie Sulzer, einer jungen Baslerin ohne politischen Hintergrund. Für Sulzer entspricht der heutige Mutterschaftsurlaub von 14 Wochen nicht mehr den Bedürfnissen vieler Familien. 14 Wochen seien lediglich 98 Tage und damit «viel zu wenig», um eine Betreuungslösung zu finden und eine starke emotionale Bindung zum Kind aufzubauen, sagt die frischgebackene Mutter.

14 Wochen seien «viel zu wenig», um eine Betreuungslösung zu finden und eine «starke emotionale Bindung» zum Kind aufzubauen.

14 Wochen seien «viel zu wenig», um eine Betreuungslösung zu finden und eine «starke emotionale Bindung» zum Kind aufzubauen.Imago/Imagebroker

Mit der Petition soll die Beziehung zwischen Mutter und Kind gestärkt werden. Gleichzeitig sollen Frauen mehr Zeit erhalten, um sich an ihre neue Lebenssituation zu gewöhnen.

«Eine Schwangerschaft bedeutet für unseren Körper eine grosse Veränderung. Wir brauchen mehr Zeit, um uns davon zu erholen», sagte eine Mutter, die bei der Einreichung in Bern anwesend war.

Wunsch sei in der Schweiz «weit verbreitet»

Auch Campax, eine Online-Kampagnenorganisation, unterstützt die Petition. Sie zeigt sich erfreut über die hohe Zahl der gesammelten Unterschriften. «Diese Mobilisierung macht deutlich, dass der Wunsch nach einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie nach einer ausreichenden Erholungszeit für Mütter inzwischen in breiten Teilen der Gesellschaft verankert ist», sagt Jared Camponovo, einer der Verantwortlichen der Organisation.

Immer mehr Eltern wollten das Risiko eines Burn-outs nach der Geburt nicht länger als Normalität hinnehmen. «Dieses starke Signal kann das Parlament nicht ignorieren – sonst politisiert es an den Bedürfnissen vieler Familien vorbei.»

Initiiert wurde die Petition von Melanie Sulzer, einer jungen Baslerin ohne politischen Hintergrund.

Initiiert wurde die Petition von Melanie Sulzer, einer jungen Baslerin ohne politischen Hintergrund.Benjamin Zumbühl/Campax

In der Schweiz erhalten Frauen nach der Geburt eines Kindes derzeit 14 Wochen Mutterschaftsurlaub. Väter haben Anspruch auf zwei Wochen Urlaub. Damit liegt die Schweiz deutlich hinter vielen anderen europäischen Ländern.

Die Linke und die Grünen lancierten im Frühling 2025 zudem eine Initiative, die für beide Elternteile jeweils 18 Wochen Familienurlaub fordert.

Bereits eine laufende Initiative für 18 Wochen Elternurlaub

Im Frühling 2025 lancierte ein Bündnis aus Linken und Mitte eine eidgenössische Volksinitiative für einen Elternurlaub. Die Unterschriftensammlung läuft noch bis zum 1. Oktober.

Die Initiative fordert für beide Elternteile jeweils 18 Wochen Urlaub. Nach Ansicht der Initiantinnen und Initianten könnte dies die Attraktivität von Frauen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen, da ein Hindernis bei Einstellungen und Beförderungen beseitigt würde. Väter könnten Beruf und Familie ebenfalls besser miteinander vereinbaren.

Im Kanton Genf nahm die Stimmbevölkerung im Juni 2023 bereits einen Elternurlaub von 24 Wochen an. Nachdem das Parlament im vergangenen Juni grünes Licht gegeben hat, kann die Regelung nun umgesetzt werden.

Bürgerliche Parteien bremsen

Im rechten Lager stösst die Petition auf Zurückhaltung. Die FDP bevorzugt einen flexibleren Elternurlaub. «Es gibt Mütter, die stillen, und andere, die nicht stillen. Manche wollen nach einem Monat schrittweise an den Arbeitsplatz zurückkehren, andere möchten ein Jahr bei ihrem Kind bleiben. Das ist sehr persönlich», sagte Ständerätin Johanna Gapany (FDP/FR) am Dienstag in der RTS-Sendung «La Matinale».

Für Gapany müsse vor allem gewährleistet werden, dass die Bedürfnisse des Kindes erfüllt würden. «Der Elternurlaub ist wahrscheinlich das Modell, mit dem sich dieses Ziel am besten erreichen lässt.»

«Manche wollen nach einem Monat schrittweise an den Arbeitsplatz zurückkehren, andere möchten ein Jahr bei ihrem Kind bleiben. Das ist sehr persönlich», sagt FDP-Ständerätin Johanna Gapany.

«Manche wollen nach einem Monat schrittweise an den Arbeitsplatz zurückkehren, andere möchten ein Jahr bei ihrem Kind bleiben. Das ist sehr persönlich», sagt FDP-Ständerätin Johanna Gapany.20min/Matthias Spicher

Auch die Mitte reagiert zurückhaltend auf die Petition. «Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt», sagt Nationalrat Benjamin Roduit (Mitte/VS). Einerseits müssten solche Massnahmen finanziert werden. Andererseits habe die jüngste Reform, die Einführung des 2021 in Kraft getretenen Vaterschaftsurlaubs, noch nicht ihre volle Wirkung entfaltet, sagte Roduit am Montag in der RTS-Sendung «19h30».

Wie beurteilst du die aktuelle Dauer des Mutterschaftsurlaubs in der Schweiz?

14 Wochen sind genug, man findet sich damit zurecht.

Es ist zu kurz, sechs Monate wären ideal für Mutter und Kind.

Flexibilität ist wichtiger als eine starre Dauer.

Ich habe dazu keine Meinung, da es mich nicht betrifft.

Ich finde, Väter sollten auch mehr Urlaub bekommen.

Die Schweiz sollte sich an anderen europäischen Ländern orientieren.

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Christine Talos

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Christine Talos

Christine Talos (cht) ist seit 2011 Journalistin in der Rubrik Schweiz/Regionen. Ihr Spezialgebiet ist die Schweizer Politik.

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