Bad Tölz verliert zwei Läden: „Rendezvous der Genüsse“ räumt, Hunkemöller bereits zu

Stand: 28.07.2026, 06:30 Uhr

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Feste Adresse für Feinschmecker: Beate Reindl führte 23 Jahre lang das Geschäft „Rendezvous der Genüsse“.

Feste Adresse für Feinschmecker: Beate Reindl führte 23 Jahre lang das Geschäft „Rendezvous der Genüsse“. © Arndt Pröhl

Mit dem „Rendezvous der Genüsse“ und der Hunkemöller-Filiale schließen zwei etablierte Geschäfte in der Tölzer Innenstadt. Die Stadt sieht darin keinen besorgniserregenden Trend und rechnet für beide Standorte mit einer zeitnahen Nachnutzung.

Bad Tölz – Vielen Tölzern dürfte es bereits aufgefallen sein: Die Innenstadt verliert zwei etablierte Geschäfte. Der Feinkostladen „Rendezvous der Genüsse“ am Amortplatz mit angeschlossenem Café hat bereits den Räumungsverkauf begonnen. Ende Juli soll Schluss sein. Bereits ihre Pforten geschlossen hat die Filiale des niederländischen Bekleidungsunternehmens Hunkemöller in der Marktstraße.

Fluktuation im Einzelhandel

Die Wirtschaftsförderung der Stadt bewertet die Schließungen als Teil der üblichen Fluktuation im Einzelhandel. Für beide Standorte seien bereits ähnliche Folgenutzungen vorgesehen, heißt es. Längerfristige Leerstände seien daher nicht zu befürchten.

Beate Reindl fällt dieser Schritt sichtlich schwer. Das „Rendezvous der Genüsse“, in prominenter Lage am Kreisel an der Isarbrücke gelegen, ist ihr Lebenswerk. Seit 2003 führt sie den liebevoll eingerichteten Laden, in dem sie unter anderem Geschenk- und Präsentkörbe, Pralinen, Kaffee, Tee und weitere Delikatessen anbietet. Dazu gehört auch ein kleines Café mit rund 20 Sitzplätzen.

An mangelnder Nachfrage liegt das Aus nicht. „Wir haben viele Stammkunden“, sagt Reindl. Dennoch hat sie sich entschlossen, aufzuhören. „Mir ist es zu viel geworden. Ich möchte etwas kürzertreten“, begründet die 57-Jährige diesen Schritt. 60 bis 70 Arbeitsstunden pro Woche seien für sie zur Regel geworden. Derzeit läuft der Räumungsverkauf – Warenbestand und Einrichtung müssen raus.

Rechtliche Hürde

Reindl würde das verbleibende Inventar – die Fläche ist angemietet – am liebsten an einen Nachfolger übergeben. Nach ihren Angaben gibt es bereits einen ernsthaften Interessenten. Allerdings muss noch eine Hürde genommen werden: Der Café-Betrieb ist rechtlich nicht eindeutig geregelt. Reindl zeigt sich dennoch zuversichtlich. „Der Antrag ist auf dem Weg“, sagt sie.

Der Hintergrund ist kompliziert, wie eine Nachfrage beim zuständigen Landratsamt zeigte: Nach Angaben der Kreisbehörde fehlt für das Café der baurechtliche Nachweis einer zulässigen Nutzung. Zwar liege eine gaststättenrechtliche Erlaubnis vor, die erforderliche Genehmigung für die Umwandlung des früheren Einzelhandelsgeschäfts in einen Gastronomiebetrieb sei jedoch nie erteilt worden. Hintergrund sei der geltende Bebauungsplan, der an dieser Stelle keine neuen Schank- und Speisewirtschaften vorsieht.

Reindl verweist auf die lange Tradition des Standorts. In dem Gebäudekomplex, in dem sich einst die Brauerei Bruckbräu befand, habe es schon immer eine Gaststätte gegeben, berichtet die Geschäftsfrau. Der Platz biete sich außerdem für ein Café vortrefflich an. Generell werde der Dschungel aus Auflagen und Vorschriften ihrer Ansicht nach immer dichter. „Es wird nicht leichter“, sagt sie.

Warum die Hunkemöller-Filiale geschlossen hat, ist indessen nicht bekannt. Eine Anfrage bei der Pressestelle des Unternehmens blieb ohne konkrete Antwort. Diese ging auf den Standort Bad Tölz nicht näher ein und verwies stattdessen lediglich auf allgemeine Aussagen. Filialschließungen seien Bestandteil eines „fortlaufenden Optimierungsprozesses“, heißt es im besten Managerdeutsch. Der auf Dessous spezialisierte Einzelhändler ist nach eigenen Angaben mit mehr als 700 Geschäften in 20 Ländern vertreten.

Hat bereits die Pforten beschlossen: die auf Dessous spezialisierte Filiale der Marke Hunkemöller.

Hat bereits die Pforten geschlossen: die auf Dessous spezialisierte Filiale der Marke Hunkemöller. © Arndt Pröhl

Die Schließungen von zwei Geschäften innerhalb kurzer Zeit werfen die Frage auf, ob der Einkaufsstandort unter Druck gerät. Sandra Herrmann, bei der Stadt Bad Tölz für Wirtschaftsförderung und Standortentwicklung zuständig, sieht dafür keine Anzeichen. „Das ist momentan keine bedenkliche Entwicklung“, sagt sie. Die Eigentümer der Immobilien hätten bereits signalisiert, eine vergleichbare Folgenutzung anzustreben.

Grundsätzlich habe Bad Tölz kein Leerstandsproblem, betont Herrmann. Dass Geschäfte schließen und neue eröffnen, sei ein normaler Prozess. Die Zahl der derzeit freien Ladenflächen in der Innenstadt schätzt sie auf rund zehn. In den meisten Fällen finde sich jedoch rasch ein Nachmieter. Das führt sie zum einen auf das große Einzugsgebiet der Stadt zurück, zum anderen auf die zusätzliche Kaufkraft durch den Tourismus. Ein wichtiges Instrument zur Stärkung der Innenstadt sei zudem das Einzelhandelskonzept. Es soll verhindern, dass sich innenstadtrelevante Sortimente außerhalb des Zentrums ansiedeln. Mit der Fortschreibung des Regelwerks beschäftigt sich der Stadtrat in seiner heutigen Sitzung (Beginn: 17 Uhr im Rathaus).