Arbeitgeber in Waldeck-Frankenberg warnen vor Minijob-Aus
Stand: 20.07.2026, 06:00 Uhr
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Änderungen bei Minijobs im Zuge der Rentenreform lösen in Waldeck-Frankenberger Betrieben Sorge aus. Gerade im Gastgewerbe sind sie häufig.
Waldeck-Frankenberg – Das mögliche Aus für Minijobs in Deutschland in ihrer bisherigen Form sorgt für kontroverse Diskussionen – auch in Waldeck-Frankenberg. Die Rentenkommission schlug zuletzt vor, den steuer- und sozialversicherungsrechtlichen Sonderstatus von Minijobbern abzuschaffen. Künftig sollen die Beschäftigten in Renten,- Pflege- und Krankenkasse einzahlen. Ausnahmen soll es nur für Schüler geben. Ziel der Reform ist es, die soziale Absicherung der Beschäftigten zu verbessern und langfristig die Rentenkassen zu stärken. Kritiker befürchten dagegen, dass Unternehmen an Flexibilität verlieren und sich der Personalmangel verschärft.
Wie die aktuellen Zahlen der Agentur für Arbeit für Waldeck-Frankenberg zeigen, spielen Minijobber vor allem im Gastgewerbe eine wichtige Rolle, „weil wir die Spitzen an ein, zwei Tagen in der Woche haben“, wie Arndt Brüne erklärt. Er ist Teil der Geschäftsführung sowohl beim Skywalk Willingen als auch beim Willinger Brauhaus. Mit Festangestellten sei das nicht zu machen: „Das ganze System würde kollabieren“, sagt Brüne.
Den Ansatz des Reformpakets kann er gut nachvollziehen, sowohl beim Renteneintrittsalter als auch bei kapitalgedeckter Rente und dem Ziel, die schiere Anzahl der Einzahler zu erhöhen. Dieser Gedanke steht auch hinter den Plänen zu Minijobs – doch da werde es schwierig: „Alle unsere Aushilfen haben einen Hauptjob.“ Sie arbeiten fünf Tage die Woche in anderen Branchen und legen einen Minijob ein, um sich etwas Schönes leisten zu können, den Lebensstandard zu erhöhen oder ihr Haus abzubezahlen. „Ihnen diese Möglichkeit zu nehmen, halte ich für volkswirtschaftlich problematisch“, sagt Brüne – zumal die Finanzierung eines Hauses schwieriger geworden sei. Wenn sie nicht mehr das Brutto als Netto herausbekommen, machen sie eher im Hauptjob mehr und stehen für Freizeitbetriebe und Gastronomie nicht mehr zur Verfügung.
Auch die Region Edersee lebt von Minijobbern, die flexibel einsetzbar sind. Denn der Edersee lebt extrem von der Saisonalität – im Sommer brummt das Geschäft bei gutem Wetter schlagartig, im Winter ruht es weitgehend. „Wenn Gäste wegen Wasserknappheit, Hitze oder Unwetter der Gastronomie oder den Freizeitbetrieben fernbleiben, entstehen keine Personalkosten“, beschreibt das Christian Gerlach, der das Flair-Hotel Werbetal in Nieder-Werbe betreibt und Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga ist. „Bei festangestellten Mitarbeitern ist die Flexibilität nicht gegeben: Der Koch und die Servicekraft stehen parat und kein Gast kommt. Das hält kein Betrieb lange aus“, sagt Gerlach. Ihm sei bewusst, dass die Sozialversicherungsbeiträge steigen müssten, aber es müsse für kleine Betriebe auch noch bezahlbar sein.
16.000 Minijobber in Waldeck-Frankenberg
In Waldeck-Frankenberg gab es nach den aktuellsten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit von Ende 2025 insgesamt 16.119 Minijobber (6997 Männer/9122 Frauen). Davon sind 8510 ausschließlich geringfügig Beschäftigte (3459 Männer/5051 Frauen) und 7609 im Nebenjob geringfügig Beschäftigte (3538 Männer/4071 Frauen). Die meisten Minijobber gibt es in folgenden Branchen: Handel; Instandhaltung/Reparatur von Kfz (3064); Gastgewerbe (2592); Gesundheits-/Sozialwesen (2206).