Anschläge auf Bahn und Stromnetz von "Angry Birds" oder "Vulkangruppen"- nur ein Verdacht

Wer Anschläge vorschnell Linksextremisten zuschreibt, verwechselt Verdacht mit Beweis. Gerade in Zeiten hybrider Angriffe ist das gefährlich.

Feuerwehreinsatz an einem Feld neben einer Bahnstrecke
Feuerwehreinsatz nach einem Böschungsbrand am 10. Juli an der Bahnstrecke zwischen Düsseldorf und Köln

Foto: Patrick Schüller/dpa

A uch wenn konservative Medien es suggerieren: Bisher ist keinesfalls nachgewiesen, dass Linksextremisten den Brandanschlag auf die Bahnstrecke zwischen Köln und Düsseldorf vergangene Woche verübt hätten. Oder den Anschlag auf das Stromnetz im Januar in Berlin.

Zwar gibt es Bekennerschreiben auf der linksradikalen Internetseite indymedia. Aber: In diesem Portal kann jeder posten. Man könnte sich dort einer Tat bezichtigen, ohne sie selbst begangen zu haben – oder sie Nichtbeteiligten in die Schuhe schieben. Deshalb reichen Posts dort nicht, um einen Anschlag einer linksextremistischen Gruppe zuzuschreiben. Sie begründen allenfalls einen Verdacht.

Nach jahrelangen Ermittlungen keine Festnahme

Mehr Hinweise auf die Täter sind nicht bekannt. Die mutmaßlichen „Vulkangruppen“ sollen seit 2011 Brandanschläge in Berlin verübt haben, vor allem den auf das Stromnetz Anfang 2026. Doch auch nach 15 Jahren Ermittlungen gibt es keine einzige Festnahme. Ähnlich erfolglos ist die Suche nach dem mutmaßlichen „Kommando Angry Birds“. Unter diesem Namen tauchen seit 2023 Bekennerschreiben zu Brandanschlägen auf die Bahn in Nordrhein-Westfalen auf, auch zu dem Brand vergangene Woche.

Dennoch schrieb nun die Frankfurter Allgemeine Zeitung über diesen Anschlag: „Hier ist eine weitere linksextreme, ökoterroristische Gruppe am Werk.“ Solche Behauptungen sollten seriöse Medien nach jetzigem Erkenntnisstand nur mit Einschränkungen wie „mutmaßlich“, „möglicherweise“ oder „angeblich“ aufstellen.

Das gilt gerade in einer Zeit, in der Russland laut Bundesamt für Verfassungsschutz „hybride Angriffe“ gegen Deutschland unternimmt. Im Dezember 2025 wurden in Ulm und anderen Orten Bauschaum in Autoauspuffe gesprüht; auf den Fahrzeugen fand die Polizei Sticker mit einem Bild des damaligen Bundeswirtschaftsministers Robert Habeck und der Aufforderung „SEI GRÜNER!“. Prompt kritisierte die Bild-Zeitung eine „neue Chaos-Taktik der Klimaaktivisten“. Später stellte sich heraus: Für die Tat war offenbar die russische Propaganda-Agentur SDA verantwortlich.

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Jost Maurin

Redakteur für Wirtschaft und Umwelt

Jahrgang 1974. Er schreibt vor allem zu Ernährungsfragen – etwa über Agrarpolitik, Gentechnik und die Lebensmittelindustrie. 2026 nominiert für den Wächterpreis. Journalistenpreis "Faire Milch" 2024 des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter. 2018, 2017 und 2014 gewann er den Preis "Grüne Reportage" des Verbands Deutscher Agrarjournalisten. 2015 "Bester Zweiter" beim Deutschen Journalistenpreis. 2025 nominiert für den Deutschen Journalistenpreis, 2022 nominiert für den Deutschen Reporter:innen-Preis (Essay "Mein Krieg mit der Waffe"), 2013 für den "Langen Atem". Bevor er zur taz kam, war er Redakteur bei der Nachrichtenagentur Reuters und Volontär bei der Süddeutschen Zeitung.

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