„Anschlag hat mich tief erschüttert“ – So reagieren queere Menschen im Werra-Meißner-Kreis auf den CSD-Angriff
Stand: 28.07.2026, 06:30 Uhr
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Die Bluttat beim CSD in Berlin beschäftigt auch die Menschen im Werra-Meißner-Kreis. Wir haben bei queeren Menschen und Politikern aus der Region nachgefragt.
Werra-Meißner – Der Anschlag eines Islamisten auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin sorgt im Werra-Meißner für Entsetzen bei Politikern und unter queeren Menschen. „Der Anschlag in Berlin hat mich tief erschüttert“, sagt etwa Nico Heidl, der unter anderem den Queeren Jugendtreff im Werra-Meißner-Kreis gegründet hat. Der CSD sei für queere Menschen einer der wenigen Momente im Jahr, an denen sie sich ohne Erklärungen frei zeigen könnten. Vielen Menschen habe der Anschlag ein Stück des Sicherheitsgefühls genommen, das sie bei CSD eigentlich finden sollten.
Angriffe auf CSD nehmen zu
Die Zahl von Angriffen und Störungen bei CSD-Demonstrationen steigt seit Jahren. Das geht aus Zahlen der Amadeu-Antonio-Stiftung hervor. Alleine im vergangenen Jahr kam es bei rund der Hälfte der 245 Veranstaltungen zu Übergriffen. Für rund die Hälfte der Anfeindungen sind laut der Stiftung Rechtsextreme verantwortlich. Die Angriffe reichen von Gegendemonstrationen und Blockaden über Online-Hetze und Sachbeschädigung bis zu körperlicher Gewalt.
Der Bad Sooden-Allendorfer kritisiert den Fokus der Berichterstattung nach solchen Taten. Diese widme sich zu sehr dem Täter, die Opfer gerieten dabei in Vergessenheit. „Hinter jedem Verletzten und Getöteten steht ein Mensch mit eigenen Träumen, Hoffnungen, Freundschaften und einer Familie.“ Gerade bei diesem Fall dürfe nicht in Vergessenheit geraten, dass die getötete Frau den CSD mit ihrer Tochter besucht habe. „Zurück bleibt eine Tochter, die ihre Mutter nie mehr in den Arm nehmen kann.“
Schockiert ist auch Daniel Seelos, der den CSD in Eschwege organisiert: „Als die ersten Nachrichten dazu hereinkamen, konnte ich es nicht glauben.“ Der Anschlag, bei dem ein 21-Jähriger eine Frau tötete und 29 weitere Menschen verletzte, mache Angst und sorge für Bedenken um die eigene Sicherheit. Einschüchtern lassen wolle er sich davon aber nicht.
Auch die Grünen-Bundestagsabgeordnete Awet Tesfaiesus drückt gegenüber unserer Zeitung ihr Mitgefühl mit den Opfern aus. „Es ist entsetzlich und wahnsinnig traurig, dass so eine Tat, an einem Tag passiert, an dem Menschen friedlich für ihre Freiheit kämpfen.“ Wer einmal einen CSD besucht habe, wisse um die friedliche Atmosphäre dieser Veranstaltungen. Dass ein hasserfüllter Täter diese angegriffen habe, sei entsetzlich.
Die derzeit von Unionspolitikern geforderten Strafrechtsverschärfungen sieht Tesfaiesus kritisch. Es gebe kein Problem mit zu laschen Gesetzen, aber mit deren Umsetzung. Statt schärferer Regeln, brauche es mehr Personal bei Polizei und Justiz. Zudem bräuchten queere Menschen, gegen die ohnehin bereits eine negative Stimmung herrsche, mehr Schutz – auch von Seiten der Bundesregierung. „Da hilft es nicht, wenn etwa Familienministerin Karin Prien (CDU) Vielfalt als Ziel aus der Demokratieförderung streichen will.“
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Wilhelm Gebhard zeigte sich auf Anfrage ebenfalls tief betroffen über den Anschlag. „Meine Gedanken sind bei den Verletzten, ihren Angehörigen und allen, die diesen Anschlag miterleben mussten.“ Jede Form von Gewalt und Extremismus sei zu verurteilen – egal ob von rechts, links oder religiös motiviert. Es gelte jeden Tag die freiheitlich-demokratische Grundordnung zu verteidigen. „Dazu sind wir alle aufgerufen.“