„Massive Eskalation“: Nach Iran-ANgriff droht in Golf-Staat jetzt Trinkwasser-Katastrophe

Angriffe auf Entsalzungsanlagen im Iran-Krieg: Droht dem Golf eine Trinkwasser-Katastrophe?

Stand: 21.07.2026, 13:40 Uhr

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Die USA und der Iran werden beschuldigt, Entsalzungsanlagen angegriffen zu haben. Experten warnen vor verheerenden Folgen für Millionen Menschen.

Teheran – Der Iran hat am Wochenende nach Angaben der Behörden in dem trockenen Golfstaat Kuwait an zwei Tagen in Folge Entsalzungsanlagen angegriffen. Währenddessen meldete der Iran selbst Angriffe auf eine seiner Anlagen, die Tausende Menschen mit Trinkwasser versorgt. Der zweite iranische Angriff auf eine Entsalzungsanlage löste einen Brand aus, der sich auf eine „große Zahl“ von Stromerzeugungseinheiten ausbreitete, teilte Kuwaits Ministerium für Elektrizität, Wasser und erneuerbare Energien in einer Erklärung mit.

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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit newsweek.com.

Kuwaitische Beamte hatten erklärt, eine der kombinierten Entsalzungs- und Kraftwerksanlagen des Landes sei unter einen „feindlichen Angriff“ geraten, der einen Teil des Standorts in Brand gesetzt und die Behörden gezwungen habe, mehrere Stromerzeugungseinheiten vom Netz zu nehmen.

Dieser Screenshot aus einem Video, das am 17. Juli 2026 auf der Website „Sepah News“ der iranischen Revolutionsgarden (IRGC) veröffentlicht wurde, zeigt den Abschuss einer Rakete.

Den USA und dem Iran werden Angriffe auf für die Trinkwasserversorgung wichtige Entsalzungsanlagen vorgeworfen (Symbolbild). © AFP PHOTO / SEPAHNEWS

Die Bewohner wurden aufgefordert, ihren Strom- und Wasserverbrauch zu senken. Das iranische Militär teilte am Montag (20. Juli) mit, es habe einen Luftwaffenstützpunkt und einen Hafen in Bahrain sowie einen kuwaitischen Militärstützpunkt angegriffen, auf dem US-Spezialkräfte stationiert sind.

Droht die humanitäre Krise im Iran-Krieg? Angriffe auf Entsalzungsanlagen bedrohen Wasserversorgung am Golf

Unterdessen berichteten iranische Medien, die USA hätten am Samstag (18. Juli) eine Entsalzungsanlage an der iranischen Küste getroffen und damit den Wasserzugang für rund 10.000 Menschen gekappt. Experten warnen seit Langem, dass die Entsalzungsanlagen am Golf und in der weiteren Nahost-Region sehr anfällig für Angriffe oder Naturkatastrophen sind. Die Angriffe seien eine „massive“ Eskalation des Konflikts, sagte Yossi Mekelberg, Senior Consulting Fellow beim Thinktank Chatham House in London. Angriffe auf Entsalzungsanlagen würden „unweigerlich eine Reaktion nach sich ziehen“, sagte er dem Magazin Newsweek.

Sowohl der Iran als auch die USA haben sich gegenseitig beschuldigt, kritische Infrastruktur anzugreifen, die die Zivilbevölkerung versorgt. Solche Angriffe gelten nach internationalem Recht im Allgemeinen als Kriegsverbrechen, sofern kein militärisches Ziel vorliegt, das einen Angriff auf diese Art von Einrichtung rechtfertigt. Wasserentsalzungsanlagen funktionieren, indem sie Salze und andere Mineralien aus Meerwasser entfernen und so Süßwasser gewinnen, das die Bewohner der Golfstaaten trinken oder im Alltag nutzen können.

Sie liefern außerdem Wasser für den Anbau von Feldfrüchten sowie für den Betrieb von Hotels und Krankenhäusern. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat gewarnt, dass Krankheiten sich ausbreiten und viele Menschen ihre Heimat verlassen müssten, wenn die Golfstaaten den Zugang zu ihrer Versorgung mit entsalztem Wasser verlören. Das Verfahren zur Entfernung der Salze aus dem Wasser wird Umkehrosmose genannt. Dutzende Millionen Menschen am Golf sind für ihr Trinkwasser auf Entsalzung angewiesen.

Katar, Kuwait und Bahrain setzen auf Meerwasserentsalzung: Sichern Trinkwasser für Millionen Menschen

In der gesamten Region des Nahen Ostens gibt es schätzungsweise 5000 Entsalzungsanlagen, und der Großteil des entsalzten Wassers am Golf stammt aus nur 56 dieser Einrichtungen. In Kuwait stammen rund 90 Prozent des Trinkwassers des Landes aus Entsalzungsanlagen. Bahrain – das berichtete, eine seiner Entsalzungsanlagen sei im März vom Iran getroffen, aber nicht stark beschädigt worden – ist in ähnlicher Weise auf diese Einrichtungen für sein Trinkwasser angewiesen.

In Katar steigt dieser Anteil auf 99 Prozent, was bedeutet, dass Entsalzungsanlagen dort entscheidend sind, um die Bevölkerung mit Trinkwasser zu versorgen. Das Land hat jedoch riesige Speicheranlagen gebaut, um sicherzustellen, dass für mehrere Tage ausreichend Wasser vorhanden wäre, falls Entsalzungsanlagen beschädigt oder zerstört würden. Einige andere Länder im Nahen Osten, wie Saudi-Arabien, betreiben ebenfalls Entsalzungsanlagen, ergänzen diese Einrichtungen aber durch andere Quellen für sauberes Wasser.

Golfstaaten fürchten Kettenreaktion: Angriffe auf Wasserinfrastruktur könnten ganze Regionen treffen

Experten sagen, dass Wasserentsalzungsanlagen im Betrieb sehr teuer sind und enorme Mengen an Energie verbrauchen, um funktionsfähig zu bleiben. Sie können für die Golfstaaten in Kriegszeiten oder bei Naturkatastrophen auch eine offensichtliche Schwachstelle darstellen, weil so viele Menschen von ihnen abhängig sind. Viele Entsalzungsanlagen sind zudem mit Kraftwerken verbunden, sodass Schäden an einem Teil des Standorts – etwa an den Einrichtungen, die Meerwasser trinkbar machen – eine Kettenreaktion bei der Stromversorgung auslösen können.

„Wenn der Iran die Entsalzungsinfrastruktur des Golfs erfolgreich zerstören würde, könnten die Folgen verheerend sein“, erklärte der Thinktank Atlantic Council in einem Bericht, der Anfang dieses Jahres veröffentlicht wurde. Bereits im März hatte der ranghöchste Diplomat des Irans, Abbas Araghchi, den USA vorgeworfen, eine Anlage im Land angegriffen und die Wasserzufuhr zu 30 Dörfern unterbrochen zu haben. Die USA bestritten, die Entsalzungsanlagen auf der Insel Qeschm, die in der wichtigen Schifffahrtsstraße Straße von Hormus liegen, gezielt angegriffen zu haben.

Streit um Entsalzungsanlage: Iran und USA widersprechen sich

Araghchi bezeichnete den mutmaßlichen US-Angriff als „gefährlichen Schritt mit schwerwiegenden Folgen“. Ein iranischer Abgeordneter behauptete, die USA hätten am späten Freitag eine Entsalzungsanlage in der südlichen Provinz Hormozgan angegriffen und dabei Pumpstationen und Ausrüstung beschädigt, mit denen Meerwasser in die Anlage geleitet wird. Teherans Energieministerium erklärte am Montag, alle Entsalzungsanlagen entlang des südlichen Randes des Landes seien in Betrieb, und keiner der iranischen Inseln mangele es an Wasser, wie die staatliche Nachrichtenagentur IRNA berichtete.